Dienstag, 3. April 2018

Der argentinische Teil Feuerlands (27.01.2018 - 01.02.2018; aktueller Standort: La Paloma, Rocha)

Auch die Grenzbeamten in Argentinien waren mit uns schnell fertig. Gelangweilt stempelten sie unsere Dokumente und im Nu waren wir wieder auf der Straße. Noch am Vormittag erreichten wir die Stadt Río Grande am Atlantik. In Kolumbien sahen wir diesen Ozean zuletzt (Kartenlink).

Die Stadt hatte etwa 70.000 Einwohner, aber deren Zentrum erblickten wir nie. Wir erledigten das übliche, einkaufen und tanken und parkten am Meer für ein frühes Mittagessen. Neben uns die Schweizer Veronica und Martin. Beim Verlassen der weniger anschaulichen Stadt hielten wir noch an einer neuen, großen Tankstelle und bekamen dort eine kostenfreie, super heiße Dusche und im Anschluss Internet im Shop. Bevor wir verschwanden füllten wir noch unseren Wassertank und dann zogen die Wanderheuschrecken weiter. 30 km fuhren wir am Atlantik entlang und bogen in ein kleines Schutzgebiet an einer Landspitze. Wir rumpelten durch die Dünen und parkten im Wind mit prächtiger Sicht aufs Wasser. Meeresvögel und ein paar kleine Papageien flogen herum. Sonst war dort nicht viel los, gut für uns.





So heute war klar, wenn wir auf der Straße nicht liegen bleiben wird dies der Tag sein, an dem wir in Ushuaia, am Ende der Welt angelangen. Wir brachen zeitig auf und langsam kamen wir den Bäumen wieder näher. Dann rückten die Berge auf uns zu und in der Kleinstadt Tolhuin hoppelten wir nur über die bescheidene Straße ins Zentrum, weil viele Reisende im Internet von einer Bäckerei schwärmten. Wie jeder inzwischen weiß, sind Bäcker wie Magnete von denen wir mächtig angezogen werden. Allerdings konnten wir den Rummel über diesen Laden nicht nachvollziehen. Die Sachen waren gut, aber nichts was wir in unserem Tagebuch verewigen würden. Wir futterten das Zeug am Lago Fagnano, an dessen anderen Ende wir vor zwei Tagen in Chile waren. Heute parkten wir während eines kurzen Schauers am anderen Ende und konnten wieder nicht bis ganz hinüber schauen. Der See war schlichtweg viel zu lang. Kaum ging es weiter, sahen wir den VW Bus der Schweizer an einer schönen Stelle parken. Sie waren wahrlich keine Frühaufsteher. Bald darauf mussten wir über einen Pass und fanden einen wunderschönen Aussichtspunkt kurz unterhalb des Scheitelpunktes. Dort gab es eine schnelle Mahlzeit mit dem Blick über den Lago Escondido. Wir waren noch nicht fertig, als der schlammbraune VW der Schweizer neben uns ausrollte. Wir trafen sie nun täglich. Wieder ein kurzer Tratsch und dann waren sie vor uns auf dem Asphalt. Wir hatten Zeit und kurvten gemütlich den Berg hinab. Endlich hatten wir wieder Berge um uns herum und viele waren weiß gepudert. An einem Fluss entlang, zwischen ein paar Felsen hindurch, die Landschaft öffnete sich und dann kamen die ersten Häuser. Wasser tat sich vor uns auf und plötzlich tauchten zwei große, hölzerne Pfeiler auf, auf denen Ushuaia stand. Wir waren am Beagle-Kanal und hatten die südlichste Stadt der Welt erreicht.
Als wir in Halifax aufbrachen war dies unser Ziel und wir hätten ehrlich nicht sagen können wie es sich anfühlen würde in Ushuaia anzukommen. So hätte ich es aber beileibe nicht erwartet. Wir hatten so viele kleine und größere Ziele auf unserem Weg gemeistert, dass auch Ushuaia zu einer dieser Etappen wurde. Wir hatten 215 km an diesem Tag vor uns, also packten wirs an und fuhren ans (Mini)Ziel. Genau so kam es dann auch und wir waren weder erleichtert, noch glücklich, noch vielen wir uns in die Arme oder brachen in Tränen aus. Wir knipsten ein Bild und das wars .
Seit dem ersten Tag waren es bis hier her 103.422 km, von Fairbanks in Alaska (unserem Startpunkt des Panamerikanischen Highways) 79.570 km. Allerdings waren es Luftlinie von Fairbanks bis zu unserem Standort nur 14.875 km, da sind wir ganz schön abseits der Wege unterwegs gewesen...
Wir fuhren nach den Feierlichkeiten an einen kleinen Strand mit schönen Blick auf die Stadt in der Bucht und anschließend wieder zurück, um ins Zentrum zu gelangen. Auch hier waren die Straßen grottenschlecht, erst im direkten Innenstadtbereich der ca. 57.000 Einwohnerstadt wurden sie besser.
Ushuaia lag phänomenal am Beagle-Kanal und schmiegte sich an die Ausläufer der Anden. Diese ragten noch immer 1.500 Meter hoch und selbst Gletscher lagen in direkter Sichtweite zur Stadt. Die Stadt wurde als Sträflingskolonie gegründet, zieht heute aber hauptsächlich Besucher mit dickem Geldbeutel an. Ushuaia wird in den Sommermonaten regelmäßig von Kreuzfahrtschiffen angesteuert und ist das Tor in die Antarktis. Für Backpacker oder Selbstfahrer ist es einfach das Ende der Straße nach Süden, bzw. das Ende der Welt mit dem sich Ushuaia gerne selbst tituliert. Beidem kann man widersprechen wenn man möchte. Es gab noch eine weitere Schotterstraße, die noch südlicher endete (kommen wir gleich noch dazu) und Puerto Williams mit 2.300 Einwohner auf der südlicheren chilenischen Insel Navarino kann ebenso behaupten die südlichste Stadt der Welt zu sein. Allerdings kann man darüber streiten, ob diese eher einem Dorf entspricht.
Zurück zu uns. Wir fuhren an der Wasserfront entlang und suchten nach einem geeigneten Platz für die Nacht. Es gab mehrere Parkplätze zwischen zwei Hauptstraßen, weshalb wir diese Option nicht wollten. An einem standen fast nur Wohnmobile, welches die Beliebtheit der Stadt widerspiegelte. Wir fuhren zum Flughafen, welcher auf einer Landzunge im Beagle-Kanal lag. Wir hätten am Flughafen parken können, aber dort war der Wind so eisig, dass wir trotz der Sonne schlotterten. Wir setzten uns ins warme Gebäude, checkten Mails und luden fix einen Blog hoch. Andere Reisende, deren Auto auf dem gleichen Schiff nach Halifax stand und die wir zwei Mal in Kanada zufällig trafen, befanden sich auch in Ushuaia und waren an diesem Morgen von einer 12-tägigen Exkursion vom Südpol zurückgekehrt. Wir versuchten uns zu treffen, hatten aber noch keinen Termin. Auch als wir das Flughafengebäude verließen hatten wir noch keine Nachricht von Frederike und Gary erhalten. Auf der Landzunge war es zu windig und so wollten wir uns neben den anderen Campern einreihen, aber ich erwischte die falsche Ausfahrt am Flughafen (habe wohl zu intensiv das beeindruckende Stadtpanorama vor den Bergen einwirken lassen) und fuhr prompt einem Polizeiauto in der Einbahnstraße entgegen. Wir bemerkten sofort mein Missgeschick und ich erhob meine Hand. Der Polizist gab uns Lichthupe und wir schalteten den Warnblinker an. Der Polizist wollte uns aber gar nicht anhalten, dafür zeigte er mir mehrfach den Vogel als wir im Schritttempo aneinander vorbeirollten. 50 m weiter konnte ich die Fahrspur wechseln. Eine weitere Premiere auf unserer Reise .
Wir parkten also am Beagle-Kanal, der von Kapitän Robert FitzRoy 1831 entdeckt wurde und begaben uns auf einen ersten Spaziergang durch die Hauptstraße. Sie war rein auf den Tourismus ausgelegt. Souvenirläden, Reiseveranstalter, Restaurants und Markenklamotten. Uns sprach sie wenig an und wir kochten lieber selbst ein leckeres Abendessen. Hinterher wollten wir noch ein Bierchen und gingen um 21 Uhr wieder raus. Zu dieser Zeit öffneten die Restaurants, typisch Argentinien. Wir fanden nicht viel zum weggehen und landeten in einem Irish Pub, welches zum Bersten gefüllt war. Als wir uns noch einen Überblick verschafften, sahen wir plötzlich uns zwei bekannte Gesichter an einem kleinen Tisch. Frederike und Gary saßen da und wir hatten eine lachende Begrüßung, umso mehr als wir erfuhren dass sie uns eine Nachricht geschickt hatten um sich hier mit uns zu treffen. In der stand auch, dass heute Frederikes Geburtstag war, was sich nach ein paar Minuten uns dann auch noch eröffnete. Tja einem tollen Abend stand nichts mehr im Wege.










Die Nacht war in Ordnung, auch wenn sie etwas laut war. Wir brachen früh auf und schnappten uns ein sagenhaft leckeres Frühstück in dem großen, saugemütlichen Café in dem wir uns zu späteren Stunde mit Frederike und Gary treffen wollten. Noch mampfend liefen wir langsam die erste Steigung hoch und nach 30 min lag Ushuaia hinter uns. Wir tauchten in Südbuchenwald ein und wanderten den Berg Cerro Medio empor. Als die Baumgrenze hinter uns lag, erstreckte sich unter uns die Stadt und der Kanal zu beiden Seiten. Hinter dem Gewässer lag die Insel Navarino. Wir mühten uns den Berg hoch und wurden ganz am Schluss mit Windböen und einer kleinen Lagune belohnt. Der Ausblick vom Cerro Medio war dann allerdings die Mühe wert, denn wir überblickten die gesamte Landschaft unter uns.
Als wir wieder in der Stadt waren, futterten wir eine Pizza (können wir selbst besser), entspannten etwas und waren um 19 Uhr bereit für die Abendsession. Nachdem wir auf glücklichem Wege Frederike und Gary gefunden hatten, hatten wir einen Spieleabend für diesen Abend vereinbart. Wir zockten bis um Mitternacht und waren die letzten Gäste im Café. Weil wir so viel Spaß zu Viert hatten, hielten wir sofort den nächsten Abend zum Spielen am gleichen Ort fest.











Fast gleicher Tag. Frühstück holen und dann wanderten wir zum Gletscher Vinciguerra hoch. Der Anfang ging durch ein schönes Flusstal, aber dann wurde der Weg steil. Im Wald ging es brachial nach oben und Simone hatte bald die Faxen dicke. Leider bedeutete wandern in dieser Gegend einen Berg hoch mühen, um dann im starken Wind nach unten zu schauen. Ich verstand sie nur zu gut, denn auch mir wäre eine längere, dafür aber weniger steile Wanderung lieber gewesen. Dazu kam, dass wir am Ende eine falsche Biegung nahmen und einen 45 Grad steilen Hang in einem Wäldchen empor mussten, welches kaum höher als wir war. Dadurch endeten wir auf einem Bergrücken gegenüber des Gletschers und Simone weigerte sich anschließend über das Geröllfeld weiter hoch, oder auf der anderen Seite wieder bergab zu steigen. Also blieben wir dort für 10 Minuten, schauten auf einen kleinen See hinab und hangelten uns wieder von Stamm zu Stamm den Hang hinab. Ein kleiner schwarzer Marder sprang vor uns auf dem Weg herum und schien viel weniger Mühe mit dem Berg zu haben.
Wir spielten wieder bis um Mitternacht und sagten dann den beiden Lebewohl. Sie hatten ein Zimmer für zwei Wochen gemietet und würden noch etwas bleiben, wir wollten den nächsten Tag nutzen und einiges erledigen, um dann langsam das Ende der Welt zu verlassen.








Internet war am Morgen angesagt, ein zweiter Bummel samt einkaufen folgte am Nachmittag. Wir holten ein riesiges Weißbrot in dem Café und natürlich zwei Mandelhörnchen. Nirgendwo in Amerika waren sie so gut wie dort! Wir wechselten ein paar US Dollar in der Küche eines Hotels, was sich komisch anfühlte aber korrekt schien, denn selbst eine Bank schickte uns dort hin. Dies war das einzige Mal, dass wir beim Wechseln in Pesos einen kleinen Verlust hinnehmen mussten. Dafür machten wir den wieder wett, als wir an der Tanke standen. Nicht zu glauben, aber in Ushuaia fanden wir den billigsten Sprit. Feuerland ist anders besteuert als das restliche Argentinien und daher konnten wir so billig tanken und nutzten dies, indem wir auch noch die Reservekanister befüllten. Ruck zuck und es war Nachmittag. Wir fuhren in Richtung Strand und noch etwas weiter und standen für diese Nacht endlich wieder ohne Verkehr im Dunkeln. Ushuaia glitzerte als Lichtermeer in der Nacht.



Die Kaffeetassen waren verstaut und wir blickten zum letzten Mal über den Beagle-Kanal hinüber zur Stadt. Dann ging es los und bald lag das Ende der Welt hinter uns. Wir blieben aber noch in den Anden und hielten kurze Zeit später, um einer Lagune unsere Aufwartung zu machen. Simone machte im letzten Moment noch einen Rückzieher, da sie keine Lust auf 500 Höhenmeter hatte und so stürmte ich alleine los. In Rekordzeit brach ich aus den Wald, wild nach Atem pumpend. Dann die letzten 20 Minuten in freiem Gelände und schon stand ich an der Laguna Turquesa. Ringsherum ragten rote Felsen empor und das bläuliche Wasser gab einen krassen Kontrast in diesem Umfeld. Ich erklomm noch eine Anhöhe, blickte hinüber zur Laguna Esmeralda, meinem nächsten Ziel, und weit ins unter mir liegende Tal dem wir später folgen sollten. Ich lief querfeldein und kreuzte später wieder den Wanderweg. Für den nächsten See hielten wir 3 km weiter. Simone blieb lieber in Pancho und ich lief die 16 km wieder solo, bewusst dass dies das letzte Bergpanorama werden sollte welches ich auf unserem Trip sehen sollte. Der Weg war einfach, der Anblick auf die Berge vor mir toll. Ich kam dem Gletscher del Albino näher und nach einem letzten Stück bergan lag die grüne Lagune vor mir, eingerahmt von Bergen. Im Vergleich zur Laguna Turquesa tummelten sich hier Menschenmassen, aber trotzdem tat dies der Schönheit des Ortes keinen Abbruch. Ich blieb nicht lang, schließlich wartete Simone auf dem Parkplatz und zudem wollten wir noch weiter.
So sah unser Plan aus: Ans wahre Ende der Welt fahren! Nach kurze Fahrt zurück in Richtung Río Grande zweigte die Straße „J“ nach rechts ab. 80 km konnten wir ihr folgen. Ein Drittel führte durch Wald und zwischen zwei Bergrücken hindurch und dann waren wir wieder am Beagle-Kanal und zwar genau gegenüber der Stadt Puerto Williams. Wir fuhren am Gewässer weiter und blieben fast immer in direkter Sichtweite. Das Wetter war nicht perfekt und trotzdem war die raue Landschaft wunderschön. Buchten mit Steinstränden, Bäume die vom Wind in bizarre Formen gezwungen waren, freie Campingplätze an kleinen Seen oder eben am Kanal und ein paar Tiere wie Guanakos, Biber und eine Eule. Nach zwei Stunden durch diese Wildnis endete die Straße an einem Militärstützpunkt. Hört sich nach viel an, war ein Holzhaus mit einem parkenden Auto davor. Dies war nun wirklich das sehr unspannende Ende. Weiter südlich ging es per Fahrzeug nicht, wir waren selbst einige Kilometer südlicher als Ushuaia. Nun konnten wir getrost umdrehen, ab dieser Minute gab es nur noch eine Richtung; Norden. Gleichzeitig fing nun das lange Ende unserer Heimreise an; unvorstellbar.
Aber noch nicht heute. Wir parkten 500 Meter weiter direkt auf der Straße „J“, denn es gab ja niemanden der diese Strecke hätte nutzen wollen. Wir sahen nur Füchse.

















Auf die Heimreise,
vom Ende der Welt

Sonntag, 1. April 2018

Bis ans Ende des amerikanischen Festlands (19.01.2018 - 27.01.2018; aktueller Standort: La Paloma, Rocha)

Aktuelle Info: Uruguay ist nicht mehr neu für uns...

6 frische Brötchen und 4 Empanadas, so lautete unsere Bilanz beim Bäcker am Morgen. Die etwas klein geratenen Teigtaschen verschwanden gleich in unseren gefräßigen Mündern, die Brötchen brauchten wir später. Gegen den Wind ging es weiter gen Süden (Kartenlink).

Die Landschaft war eintönig, da wir uns etwas von den Bergen entfernten. Aber am frühen Nachmittag wurde es spannend. Zum ersten Mal kamen wir an einer Abzweigung vorbei, an der auf einem Verkehrsschild Feuerland zu lesen war. Einige Minuten später und wir sahen Wasser, welches sich aber als See entpuppte. Dahinter allerdings, das nächste Gewässer, war dann endlich die Magellanstraße. Unserem Ziel waren wir noch nie so nahe wie in diesem Augenblick. Auf der anderen Seite des grauen Wassers lag Land und dies konnte nichts anderes als Feuerland sein. Noch ein paar Tage und wir würden die Fähre dort hinüber nehmen.
Nun jedoch blieben wir noch auf dem Festland und fuhren an der Verbindung zwischen Pazifik und Atlantik bis nach Punta Arenas, der letzten Großstadt auf chilenischen Boden. Die Verbindung, also die Magellanstraße, gehört vollständig zu Chile wodurch das Land auch Zugang zum Atlantik besitzt. Am 21. Oktober 1520 entdeckte der Portugiese Hernando de Magallanes (Ferdinand Magellan im Deutschen) diese relativ sichere Pforte zwischen den beiden Ozeanen. Im Folgenden konnten Seefahrer die gefürchtete Südspitze des Kontinents, das Kap Hoorn vermeiden.
Punta Arenas lag an der Magellanstraße und selbst Kreuzfahrtschiffe machen dort Halt. Wir sahen eins mit mehr als 4.000 Passagieren an Bord und dahinter wie gesagt die Inseln von Feuerland. Die Stadt hat über 100.000 Einwohner und war früher eine Strafkolonie. Viele Pioniere aus (vor allem) Kroatien, Deutschland und den Britischen Inseln versuchten hier ihr Glück, einige fanden es in der Schafzucht. Der Wolle-Boom verhalf ein paar Familien zu Reichtum und deren alte, noblen Anwesen zierten noch heute die Innenstadt. Diese und ebenfalls einfache, hölzerne oder aus Wellblech erbaute farbige Häuschen besichtigten wir bei unserem ersten Stadtbummel bei herrlichstem Sonnenschein. Da wir einen zentralen Platz für die Nacht hatten, gingen wir nach dem Abendessen noch einmal auf die Straßen, konnten aber keine gemütliche Kneipe finden. So blieb es bei einem schönen Spaziergang bei 10°C.







An der Uferpromenade mit ihren vielen Wandgemälden ging es zuerst entlang. Dann kreuzten wir wieder willenlos Straßen und kauften leckere Spinatempanadas beim Bäcker. Beim nächsten um die Ecke erwarben wir einen Ministreuselkuchen mit Himbeeren, welchen wir später im Stadtpark verzehrten. Ferdinand Magellan stand dabei in unserem Blickfeld. Dann hatten wir noch Glück mit einer Wäscherei, denn sie akzeptierte unsere Wäsche noch um 12 Uhr und meinte wir können sie um 14.30 Uhr abholen. Zurück zu Pancho gehetzt, alles zusammengerafft und schnell vor die Haustür der Wäscherei gefahren. Dann hatten wir Zeit Obst und Gemüse zu kaufen, auf einen Aussichtspunkt hochzulaufen und anschließend mit duftenden Klamotten weitere 50 km an der Magellanstraße entlang zu kurven. Es war Samstag und viele Leute zelteten auf den letzten Metern und dies waren wirklich die letzten Meter. Wir waren am Kap Froward und folgten der Straße bis zum Schlagbaum. Ein Schild am Waldrand verkündete „Ende der Straße“ und dies war dann der südlichste Punkt auf dem Amerikanischen Kontinent, der per Auto zu erreichen war. 32 km trennten uns noch von der tatsächlichen Spitze des Festlands. Wir parkten dort direkt auf der breiten Schotterstraße und packten unsere Bücher aus. Ein paar Tagesbesucher gingen nach und nach und am Abend waren es nur noch ein weiterer Camper, Delphine und die Hügel auf Feuerland. Ach ja....







Wir packten was zu Essen ein und liefen auf dem Kiesstrand los. Ein Wanderweg führte bis an die Spitze, aber aufgrund der Distanz und der Tatsache, dass wir hätten durch drei eiskalte Flüsse schwimmen müssen, beschränkten wir uns auf eine kürzere Tour bis an den Leuchtturm San Isidro, wo wir das perfekte Sonnenloch erwischten und die zum greifen nah gelegenen Berge auf den Inseln vor uns hatten und tauchten dann in den Wald ein, um bis zur nächst größeren Bucht weiter zu wandern. Dort, auf einem Baumstamm sitzend, sahen wir zwei Delphinen zu, während wir unser Mitgebrachtes aßen. Dann das ganze wie beim rückwärts spulen. Durch den Wald, am Leuchtturm vorbei, über den Kies bis wir Pancho erreichten und dann zurück bis nach Punta Arenas. Wir parkten neben einem Café und nutzten die Zeit, um einen Blog online zu stellen. Für die Nacht fuhren wir an eine andere Stelle etwas außerhalb des Zentrums. Auf einer Anhöhe neben einem großen Park fanden wir uns wieder und da der Weg eine Einbahnstraße war, störte uns überhaupt niemand.









Wir legten einen weiteren Halt in der Innenstadt ein und kauften noch etwas Fleisch und Frischwaren. Unser Ziel war Feuerland und wir rechneten mit erhöhten Preisen. An einem von Kroaten gegründeten Café um 1900 kamen wir an der Tortenvielfalt nicht vorbei. Die gekühlte Theke war randvoll und das Café mit alten Requisiten wunderhübsch eingerichtet. Deutsche Namen lasen wir auf einigen Küchenutensilien, wie dem Fleischwolf oder dem Herd. Wir bestellten ein Stück Himbeerschokoladentorte, was für ein Wort und was für eine Kalorienbombe. 5 Bodenschichten und dazwischen Früchte, Himbeersahne und Schokocreme. Das Stück war ein Achtel der Torte und wir legten nur 4 Euro auf den Tisch, schafften es kaum und erlitten fast einem Fresskoma .
Wir wollten die Stadt, zum Teil eine zollfreie Zone, nicht ohne den Versuch verlassen einen Autohändler aufzusuchen und ihm Pancho zum Verkauf anzubieten. Wir haderten schon seit Wochen und hatten ihn inzwischen auch auf einem Forum inseriert, aber darüber bekamen wir kaum seriöse Anfragen. Nun suchten wir einen Händler auf, von dem wir wussten dass er mit Wohnmobilen handelte. Wir parkten vor seiner Einfahrt und sprachen den Besitzer an. Er bewunderte Pancho sofort, meinte aber sogleich er hätte kein Geld. Typische Masche schätzten wir. Es ging über eine Stunde hin und her. Er versuchte einen Freund mit Geld zu erreichen, bekam ihn aber nicht zu fassen, verschwand und tauchte wieder auf, machte Bilder und schrieb unsere Handynummer auf, aber am Ende sagten wir ihm dass wir nun verschwinden werden und dies war es dann auch. Kurz bevor wir die Stadt hinter uns hatten fiel uns noch ein weiterer großer Autohändler ins Auge. Sein Schild verkündete: Wir kaufen jegliches Fahrzeug! Wir versuchten es erneut und der Herr war auch sehr angetan und meinte er bräuchte Zeit, um im Internet nach einem Durchschnittswert für unseren Pancho zu suchen. Er bat um 24 Stunden, die wir ihm einräumten. So hatten wir 17 Uhr und fuhren notgedrungen wieder zum gleichen Schlafplatz wie vom Vortag.

Tja nun hatten wir einen Extratag und begannen ihn mit einem Besuch des örtlichen Friedhofs. Dieser soll tatsächlich die Hauptattraktion der Stadt sein und er war wirklich spannend. Sektionen von Einwanderern lagen neben Bürger der heutigen Mittelschicht, lagen neben Prachtmausoleen einstiger reicher Familien. Manche Gräber müssen ein Vermögen gekostet haben, viele Urnengräber waren einfach mit kleinen Erinnerungsstücken voll gestellt und auf den ältesten Grabsteinen waren die Steinmetzarbeiten kaum noch zu erkennen. Die Deutsche Krankenkasse war auf dem Sandsteinkreuz zu lesen, welches zwischen den deutschen Aussiedlern stand.
Die Zeit auf dem Friedhof verflog sehr schnell und so blieben noch 4 Stunden. Wir nutzten sie um einen weiteren Blog hochzuladen und ein letztes Mal über die Magellanstraße nach Feuerland hinüberzuschauen.
Der Autohändler war dann schnell erledigt. Er meinte er bräuchte viel mehr Zeit, da jedes Gefährt wie wir eins haben Unikate sind und er keinen schnellen Preisvorschlag unterbreiten könnte. Des weiteren meinte er, sei der Markt für diese Größe an Fahrzeug in Chile nicht gegeben. Er bedauerte und wir winkten ab. Es soll so sein, dass wir weiterhin mit Pancho zusammen bleiben.
Nur 15 km außerhalb der Stadt stellten wir uns ins Grüne und hatten etwas Windschutz durch ein paar Bäume. Es handelte sich um einen Park, aber da es Anfang der Woche war, war nur ein weiteres Auto über Nacht dort. Also Ruhe satt.





Wir fuhren für ein paar Stunden an der Magellanstraße entlang, langweilige Pampa mit Unmengen an Nandus. Zur Mittagszeit hatten wir die Fähre hinüber auf Feuerland erreicht. An der engsten Stelle setzte sie über und wir reihten uns zuerst in die Schlange der Lastwagen ein. Die erste Fähre wurde mit Pkws bestückt. 20 min warten. Die zweite dann mit Lkws, aber wir durften nicht drauf, da wir Privatpersonen waren. Also mussten wir neben einen Reisebus weitere 20 Minuten warten. Dann war es aber soweit und nach kurzer Fahrt rollten wir von der Fähre und betraten Feuerland. Feuerland ist die größte Insel des Kontinents und zählt weitere kleinere Inseln zum Archipel. Die Magellanstraße und der Südatlantik trennen die Inselgruppe vom Festland ab. Chile und Argentinien teilen sich die Insel und nicht immer kamen die beiden Nachbarn so gut miteinander aus wie zur Zeit. Den Namen bekam Feuerland angeblich von Seefahrern, die die vielen Feuerstellen der Urbevölkerung an der Küste sahen. Die europäische Besiedelung leitete die Vernichtung dieser Bevölkerung ein. Auf der chilenischen Insel Hornos befindet sich Kap Hoorn, der südlichste Punkt des Landes und des Kontinents Südamerika.
Wir waren gespannt und wurden schnell entzaubert. Die Landschaft ähnelte der auf dem Festland zum verwechseln. Keine Bäume, keine Erhebungen, gelbes Gras und Wind. Dazu fehlten auch noch die Tiere wie Guanakos oder Nandus. Wir sahen später vereinzelt Guanakos auf Feuerland, aber einen Nandu sahen wir nie.
Wir fuhren den ganzen Tag weiter durch diese seeeeehhr langweilige Angelegenheit und erreichten am späten Nachmittag die Kleinstadt Porvenir. Ob Stadt oder Dorf, Porvenir war die einzige etwas größere Ansiedlung auf der chilenischen Seite von Feuerland. Wir ließen die Stadt links liegen und fuhren direkt weiter bis an einen alten Leuchtturm direkt an der Magellanstraße. Witzig, wir standen Punta Arenas direkt gegenüber. Delphine zogen wieder vorbei und jede Menge Kormorane verschwanden alle in die selbe Richtung. Menschen sahen wir dort nicht.




Wir drehten eine kurze Runde zu Fuß durch Porvenir. Überraschenderweise war die Kleinstadt interessanter als erwartet. Viele Häuser bestanden aus Wellblech und etliche hatten schon bessere Zeiten gesehen. Verblichene Farben, zusammengeflickte Hütten oder das Gegenteil. Neue, restaurierte Häuser in noch leuchtenden Farben. Wir blieben 2 Stunden und begaben uns auf die lange Fahrt um die riesige Bucht Inútil. Mit dem verrosteten Ortsschild kam der Schotter und so wurde die Fahrt nicht nur sehr eintönig, sondern auch staubig. Am frühen Nachmittag erreichten wir unser Ziel, immer noch an der Bucht gelegen. Die einzige Königspinguinkolonie außerhalb der Antarktis brütete dort am Steinstrand. Vor einigen Jahren kamen die Tiere ganz unerwartet auf das Grundstück einer Dame und seitdem kommen sie jährlich zum Brüten an diesen einen Fleck. Ca. 100 Königspinguine konnten wir aus nur ein paar Dutzend Metern beobachten. Es war ein heißer Tag, wir hatten 23 Grad und die armen Tiere standen dort und bewegten sich kaum, Schnabel geöffnet und nach Luft hechelnd. Einige Jungtiere mit braunem Federkleid waren bereits darunter, andere Pinguine balancierten ihr einziges Ei noch immer auf ihren Füßen unter ihren Bauchfedern. Wenn man bei diesen wundervollen Tieren überhaupt von Federn spricht??? Es war prächtig den zweitgrößten Pinguinen der Welt zuzusehen, wie sie sich ständig mit ihren Nachbarn „Wortgefechte“ lieferten und wenn es einem zu bunt wurde, wurde auch der Schnabel eingesetzt und es begann ein stechen und parieren. Köstlich!
Dann begaben wir uns wieder auf die Staubstrecke und fuhren eine weitere Stunde. Langsam kamen die ersten Bäume in Sicht, Berge Fehlanzeige. Wir besichtigten einen vor sich hin rostenden Schaufelradbagger (Draga Aurífera Russfin), der 1904 aus England eingeschifft wurde, um sich bei der Jagd nach Gold bezahlt zu machen. Er war nur 6 Jahre im Einsatz, ob er sich ausgezahlt hat wissen wir nicht...
Nur 1.000 Meter entfernt parkten wir zwischen Bäumchen und hatten wieder Ruhe vor dem Wind.











Ein abwechslungsreicher Tag stand uns bevor. Es hatte etwas geregnet, was noch nicht weiter schlimm war, aber auf unserer weiteren Fahrt nach Süden kamen endlich Berge und Wälder in Sicht. Auf Feuerland sind etwa nur das südlichste Drittel mit Wälder und Seen durchzogen und nur dort gab es Gebirge. Jetzt wurde es schön, trotz Wolkendecke! Wir fuhren eine Passstraße empor und nun wurde die aufgeweichte Fahrspur knifflig. Langsam gingen wir es an und Pancho meisterte auch diese Hürde. Vom Pass sahen wir hinunter auf ein gigantisches Tal, an einem Ende der Lago Deseado, der Rest war Sumpfland von Bibern erschaffen. Wir befanden uns im Karukinka Park, welcher sich bis an den letzten Zipfel auf chilenischer Seite erstreckte. Am See aßen wir zu Mittag und da trafen wir wieder auf das Paar aus der Schweiz. Wir quatschten ne Stunde und fuhren dann über den nächsten Pass. Schnee lag auf unserer Höhe und die Wolken taten uns wieder den Gefallen und verzogen sich langsam. Weit entfernt konnten wir einen weiteren Riesensee sehen. Der Lago Fagnano war hellblau mit einem Stich ins grünliche. Wir fuhren die Serpentinen hinunter, sahen viele Biberdämme und in einem aufgestauten See auch 3 Biber. Dann waren wir am Fagnano und hatten noch 16 km vor uns. Ja und dann hatten wir nichts mehr vor uns. Ein Schild verkündete „Ende der Straße“. Sie wird langsam fortgesetzt, aber wir waren aktuell in Chile am Ende auf Feuerland angelangt. Per Fahrzeug ging es nicht mehr weiter. Nicht sonderlich spektakulär drehten wir um und fuhren die Straße wieder zurück. Über die beiden Pässe und nach gut 90 km lag der Karukinka Park hinter uns. Am frühen Abend erreichten wir den Lago Blanco und stellten uns direkt ans Ufer. Wieder flaute der Wind nach Sonnenuntergang ab und wie immer pendelte sich die Temperatur in der Nacht gegen 8 Grad ein.
Am folgenden Tag benötigten wir weniger als eine Stunde und standen vor dem Grenzübergang „Schöne Sicht“. Die Sicht bestand aus Pampa, ewig gleich und inzwischen ging sie uns auf den Keks. 5 Minuten später waren die Formalitäten erledigt und wir rollten zum argentinischen Teil Feuerlands.















Ushuaia wartet,
Grüße von uns Dreien