Mittwoch, 6. Januar 2016

Schichtvulkane (12.10.2015 - 22.10.2015; aktueller Standort: Las Cruces, New Mexico)


@ Dagmar: Alles alles Liebe zum Geburtstag! Ist zwar schon drei Tage her, aber wir denken so oft an euch. Hoffentlich klappt es mit eurem Besuch...
   
Kaum war Seattle gen Süden verlassen, schälte sich alsbald der schneeweiße Gipfel von Mount Rainier aus dem Horizont. Eine Stunde später und wir passierten den höchsten Gipfel der Kaskaden mit fast 4.400 Metern Höhe an seiner Ostflanke (Kartenlink).
Der immer noch sehr aktive Schichtvulkan bot ein beeindruckendes Bild und wir mussten kurz halten, um ein paar Bilder zu schießen. Von Fairbanks in Alaska waren es zu diesem Zeitpunkt 2.587 km, die wir auf der Panamericana zurückgelegt haben. Wir blieben nicht viel länger als uns mit Kartenmaterial an der Einfahrt zum Nationalpark einzudecken, denn unsere Route sah vor auf dem Rückweg, von einem weiteren Vulkan, an den Flanken von Mt. Rainier zu wandern.
   

   
Auf der Weiterfahrt durch die Nordkaskaden in Richtung Mount St. Helens National Volcanic Monument blieb ein weiterer ganzjährig weißer Gipfel stets in unserem Blickfeld. Die Gletscher und somit der Gipfel des Mt. Adams zeichneten sich von dieser Seite (Nordwesten) durch eine sehr runde und gleichmäßige Form aus. Im Sonnenschein strahlte der Vulkan permanent und so gab es fortwährend schöne Aussichten.
Für die lange Anfahrt hoch zum Krater des Mt. St. Helens war es an diesem Tag zu spät und so suchten wir in den Wäldern nach ein geeignetes Fleckchen und warteten auf den kommenden Morgen, um uns die Windy Pass Road hochzuschrauben.
    
Die Serpentinen zogen sich hin und bis auf Wald und später "leere" Hügel war nichts zu sehen. Die Regionen, die von uns als leer erachtet wurden, waren im Inbegriff wieder aufgeforstet zu werden. An einem Aussichtspunkt, an dem wir aber nicht viel wahrnahmen, trafen wir einen Forstarbeiter und der erzählte uns, dass der Waldbestand von den niederen Regionen in die höheren Gefilde nach und nach wieder aufgestockt wird. Er deutete, wie als Antwort auf eine Wolkenkette in der Ferne und auf unserem weiteren Weg hoch zur Windy Ridge sahen wir nicht nur die offensichtliche brutale Zerstörung des Waldes, sondern auch zum ersten Mal den Krater des Mount St. Helens, einem Schichtvulkan der 1980 für Furore sorgte.
    
Mount St. Helens liegt, wie alle Vulkane der Kaskadenkette, auf dem pazifischen Feuerring (Ring of Fire) und ist überaus aktiv. So auch am 18. Mai 1980 als der Schichtvulkan (besteht aus mehreren Schichten, im Gegensatz zu einem Schildvulkan) völlig überraschend in einer spektakulären Eruption 3 Tage ununterbrochen Gestein, Lava, Asche und heiße Gase in die Atmosphäre schleuderte. Dabei schmolzen die Gletscher völlig ab und die Erdrutsche aus diesem Gemenge schossen mit über 320 Stundenkilometer die Nordflanke des Berges hinab. Jegliches Leben in nördliche Richtung auf über 10 Kilometer wurde schlagartig vernichtet. Der Himmel über Washington State verdunkelte sich auf über 200 km. Der Spirit Lake an der Nordflanke gelegen nahm sehr viel des Auswurfs auf und stieg dadurch über 65 Meter an; seine Oberfläche verdoppelte sich dabei.
3 Tage und einige kleinere Erdbeben später, war das Ergebnis der vulkanischen Aktivitäten ein um 400 Höhenmeter reduzierter Berg. Sein Krater war 1,5 km breit, nach Norden aufgebrochen.
    
Spirit Lake, halb gefüllt mit Treibholz lag friedlich unter uns, ebenso der Vulkan vor uns. Unvorstellbar, dass dieser leblose Gesteinshaufen solche Urgewalten entfesseln konnte. Auf einem 12 Kilometer langen Weg durch das Lavafeld fanden wir die ersten Büsche/Bäume, sowie eine große Herde Hirsche, die ebenfalls nicht beunruhigt war. Wir liefen dort ganz alleine und genossen die Ruhe und Entrücktheit dieses Ortes. Zur einen Talseite lag üppiger Wald, auf der anderen lagen die grauen Stämme alle in einer Richtung, Zahnstocher gleich. Die willkürliche Zerstörung hätte plastischer nicht seien können!
Wir verließen diesen tollen, aber eigenartigen Ort am Nachmittag und fuhren wieder den selben Weg zurück, um Mt. Rainier unsere Aufwartung zu machen.
    





   
Ähnlich wie am Mount St. Helens verbrachten wir die Nacht außerhalb des Nationalparks und fuhren im Morgengrauen an der Nordseite hoch zum Sunrise Meadow. Dort am Besucherzentrum blieben die Türen geschlossen, dauerhaft für dieses Jahr, denn die Saison war zu Ende. Ein Techniker, der den Strom abstellte und die Wasserversorgung winterfest machte, war Feuer und Flamme für Pancho und verriet uns, dass nachdem die Station zu sei auch kein Ranger zur Sunrise Meadow mehr kommen wird. Freies campen für uns, direkt an der Nordseite des Vulkans und der Begriff "Sonnenaufgang Bergwiese" wird ja auch was zu bedeuten haben. Wir waren auf den nächsten Morgen gespannt, aber erst powerten wir uns wieder aus, indem wir eine lange Wanderung durch die fantastische Natur unternahmen. Ob der Fernblick vom Fremont Lookout weit über die Kaskaden bis zum Mt. Baker und an die Grenze zu Kanada, weiter bis zu den Olympic Mountains auf der gleichnamigen Halbinsel im Nordwestzipfel von Washington State, oder die Wälder und Flüsschen in den Niederungen, oder die majestätischen Gletscher und der weißblaue Gipfel des Berges an sich, dieser Tag wird unvergesslich bleiben.
Mit dem Sonnenuntergang kamen wir völlig ausgepumpt wieder zurück. Pancho nahm uns freudig auf, nur um uns kurz nach 4 Uhr bei völliger Dunkelheit wieder aus den Federn zu werfen. Anziehen, Kaffee kochen und dann den Sonnenaufgang bewundern. Zuerst wurde die Nacht rosa bis orange mit Wolkenschlieren am Himmel, dann der Schneegipfel rosa. Die umliegenden Berge färbten sich, je nach Größe, auch nach und nach in dem gleichen zartrosa Glanz. Dann wurde alles rötlich, bis final die Sonne über die Bergwelt aufging. Die gelben Gräser nahmen die ersten Strahlen auf und funkelten golden zu Tausend. Wir waren platt und trotz der Kälte verbrachte zumindest einer, Betonung liegt auf einer, über eine Stunde im Freien um dem ganzen Schauspiel beizuwohnen.
Happy wie sonstwas fuhren wir auf die Südseite. Was wir dort wollten dürfte inzwischen jedem klar sein.
    





   
Das Paradise Gebiet liegt tiefer und ist viel einfacher zu erreichen als die Sunrise Gegend. Nicht verwunderlich also, dass auf den Wegen viel mehr los war. Logo sind wir rein in die Wanderschuhe und einmal mehr über Stock und Stein durch die Natur getappt. Auch dieser Loop war schön, aber die Aussichten bei weitem nicht so umwerfend wie auf der anderen Bergseite. Nicht dass es schlecht war, der Nisqually Gletscher war spitze und die Blicke auf Mt. Adams sowieso, aber die Nordseite war einfach eine Wucht.
    




Kaum waren die Berge verlassen, ging es ziemlich zügig durch Farmland nach Westen. In Lacey, einer Nachbarstadt von Olympia (die Hauptstadt des Bundesstaates) hielten wir an einem Home Depot, da wir nach einigen Tagen in den Bergen mal wieder einen Blog hochladen wollten. In Kanada war es flächendeckend untersagt an besagter Baumarktkette zu nächtigen und da wir noch relativ unerfahren in den USA unterwegs waren, fragten wir lieber nach ob wir für eine Nacht stehen könnten. Beim ersten Anlauf weiter im Osten war es kein Problem und diesmal?
Die Gefragte war überrascht, da noch nie jemand auf die Idee kam auf dem Parkplatz zu nächtigen, aber sie wüsste nicht warum es nicht gehen sollte. Entscheiden wollte sie es dann aber doch nicht und rief die Managerin. Diese war genauso überrascht, aus dem selben Grund. Sie ging mit uns dann vor die Tür und als sie Pancho erblickte war alles geregelt. Sie rein in den Laden, raus mit 2 Kolleginnen, Handys wurden gezückt und dann kam die Erlaubnis, dass wir so lange stehen bleiben könnten wie wir wollen. Dauerhaft wenn es sein muss. Wenn das mal kein Angebot war .
    
Wir beschränkten uns dann doch nur auf eine Nacht und fragten später nur noch ein einziges Mal nach, ob wir auf dem hauseigenen Parkplatz pennen können. Auch an dem Home Depot war es kein Problem und seitdem ziehen wir, wenn es sich nicht vermeiden lässt, Home Depot oder Lowe’s (ein weiterer Baumarkt) immer Walmart vor. Da ist nachts Ruhe angesagt und das Internet ist tadellos!
    
Wir fuhren weiter und rein in die Olympic Peninsula. Ein Picknick am Wegesrand und am Nachmittag erreichten wir Port Angeles (Kartenlink). Dort befindet sich das Hauptquartier des Nationalparks und wir deckten uns mit reichlich Kartenmaterial ein. Uns wurde sofort klar, auf der Halbinsel gibt es Möglichkeiten im Überfluss. Das UNESCO Weltnaturerbe besteht im Kerngebiet aus den Olympic Mountains, die wiederum von zerklüfteten Stränden umgeben sind. Die Regenwälder reichen bis an die Strände heran und so findet man in fast allen Regionen riesige umgestürzte Bäume quer über die Strände verteilt. Ob Sandstrand, schwarzer Kiesel, Felsen oder Klippen für jedermann ist eine Strandform dabei. Der gemäßigte Regenwald war genauso üppig wie auf Vancouver Island und nicht ohne Grund, denn die Halbinsel zählt zu den regenreichsten Gegenden der USA. Wo es viel regnet gibt es Flüsse, wo Flüsse sind, sind Wasserfälle und Seen nicht weit. Zusammen mit den Gletschern in den Mountains ein Eldorado für Wanderer.
    
Die Wettervorhersage für die kommenden Tage war durchwachsen, speziell für das bergige Halbinselinnere. Simone war nicht sonderlich betrübt darüber, da sie genug Höhenmeter in den letzten Tagen meistern musste. Schnief, aber wir verzichteten auf die Olympic Mountains komplett und liefen 4 Tage an verschiedenen Örtlichkeiten.
Da war z.B. die Nehrung von Dungeness, die nicht einmal zum Nationalpark gehört. Ein 8,8 km langer Sandstreifen voll mit Treibholz, an dessen Ende ein Leuchtturm liegt. Wir waren am Morgen die ersten und trafen 2 Rehe am Strand. Blieben nicht die einzigen ungewöhnlichen Gäste. Es war eine herrliche Wanderung. Neben Robben und jede Menge Meeresvögel sahen wir einige Weißkopfseeadler, Falken und einen Kojoten. Am Leuchtturm angekommen trafen wir doch tatsächlich ältere Damen. Drei an der Zahl, bewaffnet mit Kameras und Ferngläser sind sie an den beiden Strandabschnitten durch die Natur gepirscht. Als sie uns erspähten kamen sie wie Bienen zum Honigtopf über uns. Es begann überaus unterhaltsam zu werden. Wir machten mit der Hälfte der neuen Leuchtturmbesatzung Bekanntschaft die, wie wir schnell erfuhren, am Abend zuvor mit dem Auto bei Ebbe hergebracht worden war. Im wöchentlichen Wechsel übernehmen Freiwillige dieses Privileg und öffnen den Leuchtturm für die Öffentlichkeit, halten alles sauber und zeigen das kleine Museum. Dafür durften die 6 Freundinnen für eine Woche kostenfrei im Leuchtturm und im benachbarten Haus einziehen. Wir waren die ersten Kunden für sie wenn man so will und mussten alles anschauen. Die anderen Frauen bekamen wir auch noch zu Gesicht, eine darunter die für ein paar Jahre in Deutschland lebte und so verging die Zeit wie im Fluge. Bis wir wieder an Pancho waren, hatten wir mächtig Hunger und fuhren später durch die beeindruckende Natur. Einen Wasserfall steuerten wir noch an und schliefen an einem Fluss.
    






   
Der Tag am Lake Ozette am Nordwestzipfel war verregnet. Ein Sturm brachte ein paar Tage zuvor Unmengen an Algen und Kelp an Land und in der Zwischenzeit, vereint mit Trillionen Fliegen und verwesenden Meerestieren, lag selbst im Regen ein überaus stechendes Aroma in der Luft. Friesisch feinherb...
    
Auf dem Weg nach La Push mit seinen Stränden gelangten wir durch ein Nest namens Forks. Alle Twilight Fans wissen es natürlich. Dort wurden ein paar Sequenzen der Vampir Schnulze gedreht. Jeder Aspekt wurde dort vermarktet und wir sahen schleunigst zu Land zu gewinnen. Wer weiß was dort von den Bäumen hängt. Übrigens, weit mehr wurde auf Vancouver Island gedreht, nur erfährt man dies dort nicht.
    
Rialto Beach, ein schwarzer Kiesstrand bei La Push war der Hammer. Das Treibholz am Strand riesig, der Wind eine steife Brise und der morgendliche Spaziergang eine Wohltat. Unbedingt anschauen!!!
    





   
Wir verbrachten einen Tag am Hoh River im gemäßigten Regenwald. Das Motto des Wanderwegs: Der Weg ist das Ziel. Man kann dem Fluss bis zum Mount Olympus folgen und dann anfangen den Berg hochzukraxeln. Wir liefen ca. 12 km rein in den Regenwald und kehrten staunend um. Farne, Moose, Flechten, Bromelien, Pilze und Feuchtigkeit egal wohin man schaute. Der Wald zeigte sich in seinem Herbstkleid und immer dann als die Sonne durch die Wolkendecke brach leuchtete und glitzerte es uns um herum. Was soll ich sagen; schön wars!
Dort verbrachten wir ganz legal unsere erste Nacht auf einem Campingplatz. Ein sogenannter „primitive Campground“ für die man nicht zahlen muss. Kein Komfort, aber das brauchen wir eh nicht. Ein Stellplatz ist alles was wir benötigen.
    




   
Den letzten Tag auf der Halbinsel verbrachten wir in der südwestlichen Ecke. Vom Ruby Beach könnte man den ganzen Tag am Strand nach Süden laufen, wir beschränkten uns auf ein paar Stunden und fuhren dann weiter an dem gleichen Küstenabschnitt.
    
Da wir den Columbia River mit seinen 77 Wasserfällen nicht missen wollten, fuhren wir ein weiteres Mal 200 Kilometer durch den Bundesstaat. Wir wählten unseren Streckenverlauf so, dass wir an der Südseite des Mount St. Helens vorbei kamen, um eine über einen Kilometer lange Lavahöhle zu besichtigen. Allerdings liefen wir die Ape Cave nicht komplett ab, sondern beschränkten uns auf den Eingangsbereich. Es war pechschwarz im Inneren und unsere Taschenlampen nicht stark genug. Zu viele Horrorfilme spukten uns durch den Kopf und wir wollten nicht testen, ob unsere Batterien auf halben Weg versagen.
    
Kaum waren wir aus dem Nationalforst heraus und am Columbia River angelangt änderte sich die Landschaft drastisch. Das Farmland war gelb, alles war verdorrt. Trotz Fluss war nichts saftig grün und die Felswände des Flusses sahen schwarz verbrannt aus. Als Kontrast zu den letzten Wochen war es klasse, speziell mit dem nächsten Vulkan im Blickfeld, Mount Hood auf Seiten Oregons, aber die grünen Wälder von Washington State waren der Grund warum wir so viel Freude an diesem Bundesstaat hatten. Vielen Dank für so vieles.
    




   
Im ersten Beitrag über Washington State sprach ich ein noch schlummerndes Problem an. Durch die Feuchtigkeit und unserer eigensinnigen Heizung bekamen wir auch auf der Olympic Peninsula Panchos Innere nie richtig trocken und so erwachte, erblühte unser neues Problem in Form von kleinen grünschwarzen Pünktchen an Teilen der Decke, über der Dusche, in den Kanten, eben an den berüchtigten Kältebrücken. Schimmel wie der Volksmund sagt.
    
Zeitgleich mit dem letzten Eintrag über Washington State haben wir auch auf unserer Homepage diesen Bundesstaat online gesetzt. Viel Spaß mit über 300 Bildern.
    
Vom Columbia River,
die drei Gefährten
    

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Chihuly, Top Pot & Seahawks (09.10.2015 - 11.10.2015; aktueller Standort: Tucson, Arizona)

Wir wünschen euch allen einen guten Rutsch und viele glückliche Momente im kommenden Jahr!
   
3 volle Tage verbrachten wir in Seattle und hätten auch sicher einen vierten sinnvoll nutzen können.
Da unsere nächsten Ziele im Regen lagen besuchten wir zuerst die größte Stadt des Bundesstaates und überlegten später eventuell für einen weiteren Tag zurück zu kommen. Daraus wurde aber nichts (Kartenlink).
   
Es boten sich uns mehrere Optionen in die Stadt zu gelangen. Offensichtlich wäre eine rein in Pancho und den Schildern bis ins Zentrum folgen. Wir hörten aus verschiedenen Quellen, dass das durchqueren der Stadt auf der Interstate 5 kein Problem sei, aber der Stadtbereich selbst kaum Parkmöglichkeiten bietet und mit einem Truck unserer Länge es keine Freude bereiten würde in den Kernbereich vorzustoßen.
Also Park & Ride und da bietet Seattle dank seiner Lage am Meer zwei Möglichkeiten, eine davon ausgesprochen reizvoll. Konventionell lässt man sein Auto in den Randbereichen einer Stadt und nutzt Bus und Bahn, um in die Stadt zu fahren. Im Falle von Seattle kann man aber auch Fähren nutzen, die von der anderen Seite des Meeresarm, Puget Sound, in einer Stunde übersetzen. Als Fußpassagier kostete dies für Hin- und Rückfahrt 8 Dollar.
Wenn wir nicht weitere Ziele in den Nordkaskaden gehabt hätten, wäre dies unsere erste Wahl gewesen. So aber parkten wir Pancho nördlich von Seattle in Everett und fuhren für 7 Dollar mit den Bus in die Stadt. Zeitlich gleich wie die Fähre, aber dafür fast doppelt so teuer (14 USD für beide Fahrten) und landschaftlich wahrscheinlich auch etwas benachteiligt.
     
Das heutige Seattle verdankt sein Erscheinungsbild einem Ereignis aus dem Jahre 1889. Die damals sehr junge Stadt mit ca. 20.000 Einwohner brannte fast vollständig bis auf die Grundmauern nieder. Anlass, um aus den anfänglichen Fehlern zu lernen und die Stadt um etwa 10 Meter anzuheben. Später dazu mehr.
Die Fertigstellung des Schienennetzes und Anbindung Seattles an die transkontinentale Eisenbahn spülte kurze Zeit später Unmengen an Goldsucher, auf ihren Weg nach Alaska und Kanada, in die Stadt. Der Schiffsbau boomte, später bis in heutige Zeit der Flugzeugbau durch Boeing. Die nördlichste Großstadt der USA zählt heute 3,4 Millionen Menschen in dessen Großraum.
Wie erwähnt liegt die Stadt am Meeresarm Puget Sound, sowie am fast 30 km langen Binnengewässer Lake Washington. Eingerahmt nach Osten durch die Gebirge der Kaskaden und nach Westen auf der gegenüberliegenden Seite von Puget Sound durch die Berge der Olympic Peninsula. Diese Mischung bewahrt Seattle vor allzu extremen Witterungsbedingungen, gleichzeitig bringt sie aber auch viel Regen mit sich. Seattle hat den Ruf eine der regenreichsten Städte der USA zu sein. Wir erfuhren das sei gar nicht so wild und Seattle hätte nur sehr viele bewölkte Tage. Da soll die Stadt an Platz 3 liegen, im Hinblick auf den Regen auf Platz 54.
Wir hatten das ganze Spektrum; bewölkter erster Tag, sehr viel Regen am zweiten Tag und Sonnenschein am dritten.
   
Den ersten Tag verbrachten wir ganz in der Downtown.
Wie immer liefen wir alles zu Fuß und sammelten Eindrücke quer durch die Innenstadt. Ob am Pike Markt (ältester Farmermarkt der USA), entlang der Piers am Puget Sound, am Smith Tower (1914 höchstes Gebäude westlich des Mississippi), am Station der Seahawks (der Heimmannschaft in puncto American Football) oder im Pioneer und Historical Distrikt.
Im letzteren buchten wir eine Tour durch den Untergrund der Stadt. Neben viel Gescherze gab es noch mehr historische Fakten. In den Katakomben war allerdings nicht so viel zu sehen, aber dies sind die angesprochenen 10 m die die Stadt nach dem Brand geliftet worden ist. Die Stadt muss vor dem Brand erbärmlich gestunken haben, denn eine Kanalisation gab es nicht. Versuche Holzschächte in Richtung Meer zu legen, erwiesen sich oft genug als Griff ins Klo wenn die Gezeiten einem die Hinterlassenschaften quasi entgegenschleuderten. Besucher des „Stillen Örtchens“ sollen angeblich wirklich von der Schüssel gehoben worden sein, als die Welle kam. Kopfkino bitte jetzt!
Nach dem Brand wurden die Berghänge abgetragen um mehr Wohnraum zu schaffen, das Meer mit dem Abraum weiter zurückgedrängt und beschlossen, die Stadt um bis zu 10 Meter anzuheben, um so die extremen Steigungen zu minimieren. Dies war jedoch ein langwieriges Projekt und die Bewohner begannen ihre Häuser neu zu errichten.
Nach und nach wurden die Straßen fertiggestellt, die sich nun wie Wände um Häuserblocks zogen und die Anwohner mussten bis zu 5 Meter über selbige klettern um in den nächsten Block zu gelangen. Es muss richtig chaotisch gewesen sein, Waren wurden von einer Seite auf die andere gehoben und dies immer wieder, viele Bürger brachen sich das Genick und schließlich gaben die Hausbewohner das Erdgeschoss auf und der 1. Stock wurde der neue Parterre Zugang. Aus dem ehemaligen Erdgeschoss wurden Keller, die heutigen Katakomben bzw. der Untergrund.
Eine Kanalisation wurde übrigens nicht vergessen .
Unsere Tourbegleiterin betonte öfters, dass die Stadtplaner und Visionäre von Seattle zwar gewillt waren, aber doch sehr einfältig ans Werk gingen. Schmunzelnd meinte sie, dass auch in der Neuzeit viele Beschlüsse der Stadt von zweifelhafter Natur seien.
   




    
Der Regentag brachte vor allem am Vormittag reichlich Nass. Es war kalt und wir auf der Suche nach einem Lokal, welches wir wärmstens empfohlen bekommen haben. Lokal trifft es nicht ganz, denn die Rede ist vom Top Pot Donut Café. Wir waren froh aus dem Schmuddelwetter zu sein und standen dann vor der Qual der Wahl. Es gab in etwa 25 verschiedene Donuts und weitere Gebäckstücke, die auf den gleichen Teig basierten. Um einen kleinen Einblick zu bekommen wählten wir 6 verschiedene Kringel und fanden sie erstaunlich lecker. Inzwischen finden wir dunkle Donuts mit Schokoglasur und Old-fashioned Donuts so gut, dass wir sie kaum ignorieren können falls sich zufällig unsere Wege kreuzen.
Raus in den Regen und weiter zum Seattle Center. Der ganze Komplex geht auf die Weltausstellung von 1962 zurück. Dieses damalige Großereignis gab viele Impulse für die Sanierung der Innenstadt und dem heutigen Erscheinungsbild Seattles.
Dort angesiedelt und unsere erste Anlaufstelle war die Bill und Melinda Gates Foundation. Anschaulich wird gezeigt in welche Projekte der Microsoft Erfinder und seine Gattin Gelder investieren. Die Stiftung hat fast 1.100 Mitarbeiter weltweit und vieles scheint lobenswert zu sein. Oder alles nur Fassade?
Nun aber zu den touristischen Dingen, für die es extra einen Citypass gibt. Für 69 US-Dollar erhält man Zutritt zu 5 Hauptattraktionen, so das Faltblatt. Wir überquerten die Straße und verließen die Gates um in das EMP einzutauchen. Experience Music Project ausgeschrieben. Rocklegenden werden dort gehuldigt, Musikinstrumente gezeigt, eine Science Fiction und Horror Ausstellung ist vertreten, eine kleine Game-World für Computerfreaks aufgebaut und seit dem Super Bowl Gewinn der Seahawks von 2013/14 ist auch für diesen Meilenstein ein Räumchen reserviert. Geiles EMP mit richtig viel Musik fürs Ohr! Super! Es gab ein sehr spätes Mittagessen und endlich ließ der Regen nach. Wir sind zurück ans Meer um eine weitere Attraktion, das Aquarium zu besuchen. Wie immer schön, auch wenn nicht überragend so wie wir später in Kalifornien eins sehen sollten. Dann noch ein Abendessen in Chinatown und mit dem Bus zurück zu Pancho.
   






    
Tag 3 und Sonnenschein. Soll es selten geben in der Metropole.
Wir über den Pike Markt am Morgen und durch Zufall am allerersten Starbucks von 1971 vorbei. Der kleine Laden ist uns nur aufgefallen, weil so viele Menschen das Schild fotografierten. Starbucks gibt es in ganz USA. Sehr oft. Aber in Seattle und Umgebung gibt es kaum eine Straßenecke von wo man nicht eine Filiale des Unternehmens sieht.
Einmal mehr zum Seattle Center, um mit unserem Citypass die Space Needle hochzufahren. Das Wahrzeichen der Stadt ist 184 m hoch und eine elegante Stahlkonstruktion. Die Aussicht über die Innenstadt war phänomenal und in der Ferne konnten wir Mt. Rainier in 90 km Entfernung sehen. Dies ist sogar noch seltener als Sonnenschein. Wir erfuhren, dass wir mit unserem Ticket zwei mal die Space Needle besuchen dürfen. Spitze, denn so konnten wir Seattle auch bei Nacht von oben sehen (hatte rund um die Uhr geöffnet).
Gleich nebenan lag unser Favorit aller besuchten Ziele: Chihuly - Garten und Glas
Der Künstler Dale Chihuly stellt in dieser Galerie seine Glasbläserkreationen dar. Im Inneren wie im Garten sahen wir Kunstgegenstände die uns staunen ließen. Form und Farben waren überwältigend, vieles filigran aber zu enormen Gebilden vereint. Das Arrangement war einzigartig und das Können des Meisters und seiner Schüler/Freunde bemerkenswert. Chihuly würden wir sofort wieder besuchen.
Dann hatten wir noch eine Hafenrundfahrt, als 5te und letzte Tour unseres Passes, schlenderten weiter durch die Straßen und zum Sonnenuntergang standen wir wieder am Lift an, um die Stadt aus der Vogelperspektive von der „Nadel“ zu sehen. Städte bei Nacht sind so verschieden und auch Seattle stellte keine Ausnahme dar. Eine schöne Stadt und leider konnten wir einige Ecken nicht besuchen. Dafür wäre mehr Zeit vonnöten und ein kleineres Gefährt vorteilhaft.
   
Zum Abschluss suchten wir im Stadtteil Bell Town eine Pizzeria auf, die neben leckeren Pizzas ein breites Spektrum an Biersorten hatte. 18 Kleinbrauereien aus den Staaten, alle frisch vom Fass. Simone versuchte ein Stout und etwas das eher als Likör denn als Bier verkauft werden sollte. Von der Brauerei Lost Abbey aus Kalifornien kam ein Viertel Pint auf den Tisch mit braunem trüben Inhalt. Süßlicher Geruch vom Schaum und auf der Zunge ein bittersüßer hochprozentiger bieriger Geschmack. 14,2 Volumenprozent Alkohol. Nach der Hälfte des Glases war Simones glückliches Grinsen wie festgefroren. Cheers!
   
Erschöpft aber zufrieden traten wir zum letzten mal die Busfahrt an.
   













   
Allen ein schönes Silvester!