Samstag, 16. Januar 2016

An Oregons Küste (27.10.2015 - 03.11.2015; aktueller Standort: Tuscon, Arizona


Willkommen in Tillamook! Willkommen in einer der größten Käsereien der USA!
Um 8 Uhr standen wir parat, bei dem ungemütlichen Wetter eh das beste was wir tun konnten, und besichtigten auf eigene Faust die Fabrik. Neben einem kurzen Einführungsfilmchen, in dem gezeigt wurde wie lieb die Farmer ihre Kühe haben und einigen Fakten rund um die Genossenschaft konnten wir zusehen, wie goldgelber Cheddar verpackt wurde. Cheddar ist DER Käse in den USA (ebenso Kanada), es wird kaum etwas anderes produziert. Dafür in dutzenden verschiedenen Varianten. Die große und teure Auswahl in den Supermärkten sind Importe aus Europa.
Am Ende der kurzen Tour durch das Gebäude landeten wir wieder am Pult mit der freien Verköstigung. Also gings mit dem Zahnstocher bewaffnet quer durchs Sortiment und dann wieder im Kreis zurück um nochmal von allen zu naschen. Auch am Morgen waren aller guten Dinge 3...
Die Preise im Shop fanden wir allerdings sehr überzogen. Tatsächlich hatten wir den Käse selten so teuer in den Läden gesehen.


Bei trübem Wetter wollten wir eine Stecke entlang dreier Kaps einschlagen, um nach kurzer Zeit vor einem Schlagbaum zu enden. Vor Jahren ist die Straße bei einem Erdrutsch den Hang runter und so suchten wir uns eine alternative Route, um am Cape Meares zum Leuchtturm zu gelangen und an den Klippen entlang zu blicken. Kurz noch zum Octopus Tree, einer großen alten Sitka Fichte (250-300 Jahre) die ihren Namen dank ihrer kandelaberartigen Äste trägt. Dann wieder schnell zurück ins Warme (Kartenlink).


Der Felstunnel am Strand von Oceanside war weniger spannend. Am nächsten Kap hielten wir bloß um zu entscheiden, dass uns der Eintritt von 10 Dollar es nicht wert war in die nächste Regenfront zu laufen.
Wo wir hielten war in Sandlake, einem Strand an dem wieder mit Allradantrieb sein Unwesen getrieben werden durfte. Der Sand war weicher als in Fort Stevens, aber ich (Stefan) wollte es trotzdem versuchen. 10 Meter schafften wir, dann hatten sich die Hinterräder eingewühlt. Von rechts hallte „Hab ich dir doch gleich gesagt“, aber da muss man mit dem richtigen Sportgeist ran und so hatten wir endlich, zur großen Freude aller, unsere Premiere mit den Sandblechen. Problemlos kamen wir wieder aus dem Sand und zurück auf festen Untergrund. 10 Minuten hat uns das gekostet, dafür waren wir eine Lektion schlauer. Ohne festen Sand sollten wir uns nicht zu weit in die Wüste wagen !

Cape Kiwanda bei Pacific City war hingegen sehr schön. Trotz Regen sind wir an den Strand und das Kap hoch gestiegen. Mächtige Brecher rauschten dort gegen die rötlichen Klippen und es machte einfach Spaß sich durchpusten zu lassen.




Hinter Pacific City stieß die Küstenstraße wieder auf den Highway 101, den wir zügig bis nach Lincoln City folgten. Eine hässliche Stadt mit mäßigem Strand und niemanden wird es verwundern wir verblieben nicht lange. Auf einer Klippe fanden wir mit Regenprasseln und Wind einen schönen Standort für die Nacht.

Nach einem Morgenspaziergang an einem der zahllosen Stränden fuhren wir bis kurz vor Newport zum Yaquina Head. Die ins Meer reichende Klippe ist ein Refugium für Wildtiere und so sahen wir jede Menge Seevögel (sehr viele Pelikane), Robben und in den Gezeitentümpeln Muscheln, Seesterne und Seeanemonen.



In Newport besuchten wir die Innenstadt und fanden an der Wasserfront, ähnlich wie am Pier 39 in San Francisco, Seelöwen. Ausgestreckt auf den schwimmenden Stegen maulten und schnauzten sie die ganze Zeit. Ihre Argumente unterstrichen sie lautstark mit Blähungsgeräuschen und gerülpst durfte auch werden. Die Faustregel für Seelöwen: Bevor man sie sieht, hört und vor allem riecht man sie.
Newport ist berühmt für sein Aquarium, aber wir nicht in Stimmung dafür. Der Tag blieb fast trocken und so fuhren wir lieber weiter, um einen weiteren langen Spaziergang am Beach zu unternehmen. In Yachats kamen wir pünktlich zum Sonnenuntergang an. Zu dumm, dass der schöne Platz in einem State Park lag, in dem man nicht über Nacht parken durfte. Neben uns parkte ein alter verschlissener Camper und sein Besitzer war hin und weg von Pancho. Wir erzählten etwas und bevor er losfuhr kam er nochmals und klopfte. Mit Alkoholfahne versicherte uns Rod, er sei der offizielle Parkwächter und er übergebe uns für diese Nacht dieses Amt und dafür dürfen wir im Park bleiben. Wir wurden aufgeklärt was wir nicht machen dürfen und was zu tun sei, wenn jemand anderes etwas Verbotenes täte. Er schrieb uns seine Handynummer auf, unter der wir ihn jederzeit erreichen könnten. Wir bedankten uns höflich und er wird sich gedacht haben, was sind das für Deppen und wir dachten, solange du deinen Spaß hattest. Wir blieben dort stehen, keiner störte und so mussten wir Rod nicht wecken.






Der kommende Tag versank in Dauerregen. Deshalb fuhren wir eine Extrarunde, um eine überdachte Brücke (Covered Bridge) zu finden. Alle Aussichtspunkte und Strände zwischen Yachats und Florence waren an diesem Tag aussichtslos und grau. Klar hielten wir ein paar mal, aber die Ausflüge ins Freie waren eher kurz. Erst am Nordabschnitt der Oregon Dunes klarte es etwas auf und wir steuerten Pancho auf einer Landzunge so weit es ging in die Dünen. Dort blieben wir.


31.10.2015 - Halloween.... argh.... ahhhhh.... grusel....
Der Grund fürs trödeln in den letzten Tagen war dieser Tag; Halloween. An Oregons Küste eine größere Stadt zu finden ist eine Kunst. Newport als zweitgrößte hat 10.000 Einwohner, Coos Bay liegt mit 16.000 Einwohner an Platz eins. Wir passten unsere Geschwindigkeit dem Umstand an, dass wir ein Mal den Trubel um Halloween hautnah miterleben wollten.
Die Stadt liegt am südlichen Ende der Oregon Dunes und somit hatten wir den ganzen Tag Zeit den Dünenstreifen zu erkunden (Kartenlink).
Der 64 km lange Dünenstreifen ist vielerorts für den Quad-Gebrauch freigegeben, jedoch an einigen Stellen für Seevögel geschützt. Dort, außerhalb der Brutzeit, und an einer Handvoll anderer Plätze gibt es sogar Wanderwege durch die Wanderdünen und wir suchten uns einen schönen aus. Bis wir schwer schnaufend durch den Sand bis zum ersten Dünendach gelaufen waren, konnten wir nicht weiter in Richtung Ozean, da der Wind zu heftig war. Wir mussten uns knien bzw. setzen um wenigstens 5 Minuten auf der ersten Düne auszuhalten. 4 weitere Kilometer bis ans Wasser wären noch vor uns gelegen. Frustriert drehten wir um und fuhren gemächlich unserem Halloween Höhepunkt entgegen.



Als wir in der Stadt eintrafen tröpfelte es und wir fackelten nicht lange und fuhren den zentralen Parkplatz an. Wir liefen zum Touristenbüro und fragten voller Vorfreude: Wo können wir einer Halloween Veranstaltung beiwohnen? Antwort: Betretenes Schweigen, also kein Laut kam über die Lippen der beiden Damen. Dann, so was gibt es hier nicht. BITTE? Gibt es hier nicht?? Wo denn sonst???? Bei uns in Mannheim auf jeden Fall!!! Im Supermarkt kam dann ein Geistesblitz gibt es sicherlich etwas.
Wir zum Supermarkt und was war das grottenschlecht. Genervte Eltern schubsten, oder trugen gelangweilte Kinder in die Shopping Mall. Dann mussten die Kleinen in ihrer Verkleidung und einem Beutelchen in den Griffeln von Laden zu Laden. Die haben nicht mal Süßes oder Saures gesagt, sondern nur ihren Beutel hingehalten und ebenfalls gelangweilte Angestellte haben dann ein paar Süßigkeiten rein getan. Wir gaben uns das 5 Minuten und dann sind wir wieder zurück zum zentralen Parkplatz. In der Stadt, wie auch die Tage vorher schon, sahen wir kaum ein Haus, welches dekoriert war. Ab und an ein Kürbis vor der Tür, aber das war das Maximum. Was für eine öde Veranstaltung in einem genauso öden Nest.
Wir waren in der richtigen Stimmung, das Wetter gab sein übriges zu bei und schwupps landeten wir am späten Nachmittag im 7 Devil’s Brew-Pub, also Brauerei inkl. Pub. Wir bestellten einen Tester (alle 7 Biere) und danach ein Pint von den beiden leckersten. Nach dem Abendessen suchten wir uns eine, die eine einzige Kneipe der Stadt aus und wenigstens gab es dort Livemusik in Zombigestalt. Nach dem ein oder anderem Bier gefiel es uns dort wirklich gut, viele Gäste waren verkleidet und so hatten wir einen versöhnlichen Halloween Abschluss mit Kater am Morgen.
Wir schliefen aus und machten uns auf den Weg zum Cape Arago. Ein kleines Mittagessen, dank flauem Magen verzehrten wir am Sunset Bay Beach. Auch dort leichter Regen. Am Shore Acres State Park verweilten wir allerdings fast 4 Stunden. Dort klatschte eine Monsterwelle nach der anderen an die Klippen. Wir haben noch nie solche Brandung gesehen und waren fasziniert. Eine Einheimische, ebenfalls mit Kamera bewaffnet, erzählte sie hätte mal an Ostern einen 150 m hohen Brecher fotografiert. Bei unserem Besuch warfen sich die Wellen vielleicht, aber da können wir auch total daneben liegen, 30 Meter in die Höhe. Ob weniger oder mehr, wir standen auf den Klippen und warteten auf den nächsten Rumms, der da auch sicherlich kam. Das war so cool und der Kater wurde in der Salzbrise obendrein weggeweht.
Am Kap Arago stoppten wir nur kurz und fuhren weiter nach Brandon, wo wir an der Flussmündung in den Pazifik einen weiteren sensationellen Schlafplatz fanden. Der Sonnenuntergang war topp, der Strand mit Treibholz voll und neben den Wellen hatten wir nachts zusätzlich den Regen auf dem Dach.







Unser vorletzter Tag in Oregon war wiederum gezeichnet von einem langen Strandspaziergang diesmal in Port Orford, einem weiteren Ausflug zu einem Kap und einem Nachtplatz direkt am Meer in Gold Beach. Kurz vorher sahen wir beim vorbeifahren einen toten Grauwal am Strand liegen. Dort mussten wir natürlich auch noch hin.





Der 19 km lange Samuel Boardman Scenic Corridor kurz vor der Bundesgrenze zu Kalifornien gehört wahrscheinlich zu den schönsten Küstenabschnitten von Oregon. Einsame kleine Strände wechselten mit wilden zerklüfteten Regionen und man möchte am liebsten überall halten um ein paar Meter zu gehen, um die Kulisse aufzusaugen, den Wind zu spüren und das Salz zu schmecken. Etwas länger hielten wir am Archer Rock State Park und folgten dort dem Pazific Coast Trail, der wie der Name schon sagt, die Pazifikküste folgt (von Mexiko nach Kanada!). Noch länger pausierten wir an einem der schönsten Strände die wir in Oregon fanden. Der Whaleshead Beach war zwar nur etwa 4 km lang, dafür hatten wir ihn für uns allein, Felsen im Wasser und Pelikane in der Luft. Dazu kam endlich ein bisschen Sonne und Wärme. Einzig ein Hundebesitzer, der direkt am Parkplatz seine beiden Vierbeiner im Sand springen ließ, hatte weniger Befehlsgewalt über sie und so meinte einer der Hunde er müsse uns bellend angreifen. Wir schrien den Hund an und als der zu nah kam, bekam er einen ordentlichen Tritt, was den zweiten Hund zur Tat schreiten ließ. Der war mit der Beinbewegung zu vertreiben und dann kam endlich das Herrchen und bändigte seine beiden Mischlinge. Er entschuldigte sich mehrfach und als wir zurück an Pancho waren, hatten wir ein langes Entschuldigungsschreiben am Scheibenwischer hängen. Fanden wir dann super nett, auch wenn das Verhalten der Hunde inakzeptabel war.
Nicht nur einen der schönsten Strände hatten wir am letzten Tag, sondern auch eines der schönsten Kaps. Cape Ferrelo geizte nicht mit einem umwerfenden Blick nach beiden Seiten. In der Ferne waren viele viele Gesteinsformationen im Ozean in Richtung Kalifornien zu erkennen und so viel uns der Abschied von Oregons Küste dann doch schwer.
Aufgrund des allzu nahen Winters verzichteten wir komplett auf das Kaskadengebirge von Oregon. Der Bundesstaat hat sicherlich bei weitem mehr als nur die Küste, aber mit ihr waren wir vollauf zufrieden.
Als letzte Tat stockten wir noch einmal unseren Kühlschrank auf (keine Mehrwertsteuer), tankten und fuhren um genau 16 Uhr in Kalifornien ein.








Unser Hausgast der Schimmel gedieh prächtig in den zwei Wochen die wir an Oregons Gewässern verweilten. Bei schönerem Wetter hätten wir sicherlich noch mehr Zeit an den Stränden verbracht, so aber gab es Feuchtigkeit im Überfluss und der Pilzbefall spross in allen Ecken. Zeit ein Pumpspray zu kaufen und die ersten Versuche zu unternehmen, diesem ungebetenen Eindringling in die Schranken zu weisen. Wie es ausging erfahrt ihr im ersten Blogeintrag über Kalifornien.

Wie vor einem halben Jahr ein paar Sätze zu Panchos Durst.

Kommentar 8: Panchos Dieselverbrauch hat sich bei 22 l eingependelt. In den USA scheint es weniger Schotterstraßen zu geben und wenn dann sind sie nicht 100 km lang, sondern allerhöchstens 15 km. Bergig ist es zwar immer noch, aber oft sind die Höhenmeter geringer. Was nicht heißt, dass wir schneller oben sind. Oft haben wir einspurige „Backcountry Roads“ die sich ziemlich kurvig den Berg hoch schlängeln und Pancho ächzt und stöhnt und fährt dann nur mit 20 Sachen, aber was soll’s wir haben ja Zeit.
Im Moment müssen wir auch jede Nacht heizen, was ja mittlerweile auch glücklicherweise geht und da kommen wir dann auf fast 23 l. In den USA tanken wir im Schnitt für ca. 0,57 € pro Liter.
Seit der letzten Reparatur in Sacramento haben wir kein weiteres Motoröl nachfüllen müssen, dies war jetzt vor 8.200 km und vorher haben wir 1 Liter auf 1.000 km verbraucht. Kann ruhig so weitergehen...

Kalifornien wir kommen!
 

Sonntag, 10. Januar 2016

Dem Columbia River folgend ans Meer (22.10.2015 - 27.10.2015; aktueller Standort: Alamogordo New Mexico)

Kurz zurück zu unserem blinden Passagier. Was wir mit dem Schimmel gemacht haben? Vorerst nichts, wir haben ihn schön ignoriert und uns eingeredet in Mexiko die Zeit zu finden, um zu streichen. Die Farbe wäre dort billiger, schön warm und trocken wäre es auch und somit das Innere schnell abgetrocknet. Guter Plan!

Also wir sind in Oregon. Über den mächtigen Columbia River, dem Grenzfluss der beiden Bundesstaaten Washington State und Oregon, und rein in die erste Stadt; The Dallas. Beim anstehenden Einkauf inkl. Tanken trat sofort einer der Vorzüge Oregons in Kraft. Es gibt keine Mehrwertsteuer in Oregon. Die ausgezeichnete Ware kostete an der Kasse den aufgedruckten Preis und nicht wie in Washington State den Preis zuzüglich Steuern, die wie in Deutschland je nach Warengruppe unterschiedliche Steuersätze hatte (Kartenlink).

Bevor es an die Erkundung der Columbia River Gorge ging hielten wir am nächsten State Park, um fix zu duschen. Der großzügig angelegte Campground war fast leer und wir parkten auf Nr. 21, direkt an den Duschen. Ich (Stefan) lief zur Infotafel zur Selbstregistrierung. 2 Dollar pro Person fürs duschen und für Frischwasser nochmal 2 Dollar. Dem Bewirtschafter des Platzes war es wie es schien ziemlich egal ob wir zahlten oder nicht. Der ältere Herr am Wohnwagen mit dem Schildchen „Host“ war mehr mit seinem Grill beschäftigt und auf Anfrage was ich auf dem Zettelchen genau ankreuzen müsse meinte er nur ich soll einfach alles aufschreiben, das Geld in das Kuvert packen und es dann in den Kasten an der Infobox werfen. Gut dann nahm ich halt ein Kuvert mit. Nach dem Duschen kam eine Rangerin vorbei und wir dachten schon oh je jetzt gibts Ärger, aber sie war nur neugierig und nach kurzem Plausch ist sie wieder gefahren. Wir füllten Frischwasser auf und beim Verlassen des Platzes und höflichem Winken in Richtung Platzhirsch, steckten wir den Zettel und das Kuvert zurück an ihre Plätze und gaben Vollgas. Fast wie im Roadmovie... .

Jetzt aber zum eigentlichen Grund, warum wir nicht an der Pazifikküste die Bundesgrenze überquerten, sondern hunderte Kilometer Inland. Das Flusstal östlich von Portland wird als Columbia River Gorge National Scenic Area bezeichnet und irgendwo hörten oder lasen wir, dass auf einer Länge von etwa 45 Kilometern 77 Wasserfälle auf Oregons Seite liegen. Einige wenige rauschen direkt an der Straße über die Felsen, wie der zweistufige 190 Meter hohe Multnomah Wasserfall. Die meisten sind auf Wanderungen zu entdecken, ob auf Wegen entlang eines Flusses oder ob in den Bergen, aber egal wie man läuft durch Regenwald, sehr ähnlich dem von der Olympic Peninsula. 2 Tage sollte das Wetter noch stabil bleiben, Zeit genug um ein paar Wasserfälle aufzusuchen.
Eine tolle Wanderung war entlang des Eagle Creeks, an dem gleich einige Fälle zu bewundern waren, oder den Weg hinauf auf den Multnomah Wasserfall und dann weiter durch die Berge mit grandiosen Ausblicken über den Columbia River und weiteren Fällen in den Wäldern. Ohne es ganz genau zu wissen, aber 20 Wasserfälle könnten es gewesen sein, die wir in 2 Tagen sahen. Für unsere erste Nacht in Oregon hätten wir keinen schöneren Platz finden können. Wir parkten inmitten eines Discgolf Platzes, was uns sofort inspirierte eine Frisbee Scheibe zu kaufen. Beim Discgolf bewegt man sich von Ziel zu Ziel und versucht in so wenigen wie möglichen Würfen mit seiner Frisbee diese Ziele zu treffen. Übrigens sahen wir auch in Kanada einige dieser Plätze und Könner dieses Sportes haben eine fantastische Präzision in ihren Würfen.







 Nur einen Katzensprung entfernt lag der höchste Berg Oregons, der 3.427 m hohe Schichtvulkan Mount Hood. Ein alter Horrorklassiker von Stephen King wurde dort verfilmt. Wer den Film „The Shining“ mit Jack Nicholson kennt, sah Mt Hood im Hintergrund und die Anfahrt hoch zum Nobelhotel Timberline Lodge an der Bergflanke. Da die Wetterprognosen in Richtung Frühwinter umschwenkten, was Regen, Regen und noch mehr Regen bedeutet, ließen wir den Berg links liegen und fuhren noch bevor wir nach Portland einschwenkten zu einer großen Outlet Mall. Unser Schuhproblem sollte endlich gelöst werden.
Einen halben Tag verbrachten wir in dem riesigen Komplex und wir beide fanden je ein paar Schuhe. Voll zufrieden waren wir nicht, da es in den USA keine Wanderschuhe zu geben scheint, die aus Leder bestehen. Suchen wir halt weiter. Eine Frisbee zu finden war dafür gar nicht schwer!
Auf den Weg in die City von Portland hatten wir eine komische Begegnung mit einem Sheriff. Mit Blaulicht wurden wir angehalten und der Beamte begnügte sich mit unserem deutschen Führerschein, aber was ihm nicht passte waren unsere deutschen Nummernschilder. Etwas von dem wir vorher nie hörten und auch nachher nie wieder hörten: In Oregon dürften nur Autos mit US-Nummernschild fahren. Jedes andere Fahrzeug benötigt ein vorübergehendes Schild aus Oregon. Uns wurde die Adresse genannt, wo wir dies bekommen würden, aber da Freitagnachmittag war, könnten wir erst am Montag dort vorbei. Wir versicherten, dass dies unser erster Weg kommende Woche sein wird, was den Sheriff zufrieden stellte. Wir fuhren weiter und grinsten uns nur an. Wieder fast wie Roadmovie .

Kurze Zeit später und Portland lag unter uns. Vom Pittock Mansion hatten wir eine tolle Sicht auf die Stadt und trafen dort ein australisch-schweizer Pärchen. Wir verbrachten eine Stunde mit ihnen, austauschend über Erfahrungen in Kanada, Handicaps an den Fahrzeugen und lachten viel über gleiche Erlebnisse. Leider rächte es sich, dass wir bis zur Einbruch der Nacht auf dem Berg oberhalb der Stadt waren. Wir hatten keinen Schlafplatz und wie immer war es ungemein schwieriger ein Plätzchen zu finden. Inzwischen schaffen wir es immer vor dem Dunkelsein Pancho an einem geeigneten Fleckchen zu parken. Dieser Tag in Portland war seit langem mal wieder ein Ausreißer und so kreiselten wir durch die Stadt von Verbotsschildern wie „No overnight parking“ (Nachtparkverbot) oder „No parking between 2am and 5am“ (Parkverbot zwischen 2 und 5 Uhr), zu dunklen schäbigen Gassen, Parkplätzen mit Schranken und „Towing away zones“ (Abschlepp-Zonen). Fast 2 Stunden später und mit den Nerven am Ende fanden wir endlich eine Stelle an der Straße an dem nur werktags max. 2 Stunden geparkt werden durfte. Wochenenden waren frei. Wie gut, es war Freitag Abend und wir ausgehungert. Los in die Stadt und was zum futtern besorgt. Auf unserem Weg durch die Straßen wurden wir von einem Feuerwerk überrascht. Wir wissen bis heute nicht was gefeiert wurde, aber das Feuerwerk war groß angelegt. Darüber vergaßen wir fast unseren Kohldampf. Nur fast.




Über Nacht kam der versprochene Regen. Am Morgen stoppte er kurz, um dann am Vormittag wieder heftig einzusetzen. Es war kalt und wir liefen durch die Innenstadt. Wie gerne hätten wir Portland besser gemocht, aber leider sprang der Funke nicht über. Mit 600.000 Einwohnern und über 2 Mio. im Einzugsbereich stellt Portland mehr als 50% der Bevölkerung Oregons. Die Stadt wurde 1844 als Etappenziel einer Kanuroute (Oregon City - Vancouver in Washington State) gegründet. 60 Jahre später und Portland war bereits die wichtigste Stadt zwischen Seattle und San Francisco und gilt heute als eine Stadt mit sehr hoher Lebensqualität. Leider regnet es auch ausgesprochen viel in den Wintermonaten.
Viele Sehenswürdigkeiten fanden wir nicht, dafür umso mehr Kleinbrauereien. Portland liegt, was die Anzahl an Brauereien betrifft, sehr weit vorne in den USA. Schuhe fanden wir auch in dieser Stadt keine, dafür sehr billige Speicherkarten für die Kamera und den wahrscheinlich größten Buchladen aller Zeiten. Am Abend, nachdem wir auf komplett Regenmontur umgestiegen sind, liefen wir an dem Basketball Station der Portland Trail Blazers vorbei und endeten im White Eagle Pub. Mit frisch gezapftem Bier und Livemusik verbrachten wir ein paar Stunden im Trockenen und auf dem Rückweg gab es natürlich auch kein weiteres Nass. Typisch!

Sonntag Morgen und es regnete wieder und wir hatten keine Ambitionen noch einmal in die Stadt zu gehen. Also ging es weiter. Diagonal nach Nordwesten mit Ziel Astoria, der Stadt in dem der Columbia River in den Pazifik mündet. Wir trödelten tagsüber, beschlossen Wäsche zu machen, suchten und fanden einen super Schlafplatz in Nachbarschaft des Schwimmbads und fuhren zum Sonnenuntergang auf einen Hügel im Stadtzentrum. Auf dem Hügel stand die Astoria Säule, von der wir mit einem 360 Grad Blick über den Fluss, dem Ozean, die Stadt und das Hinterland belohnt wurden.
Wir parkten Pancho für die Nacht und liefen noch etwas durch das kleine Städtchen. Auch dort durfte eine Brauerei, wie in jeder Ortschaft in den USA, nicht fehlen und wir fanden obendrein den wohl urigsten Musikladen. Die Fensterfront bis oben voll mit Pflanzen und beim Betreten des Ladens kam uns Räucherstäbchen geschwängerte Luft entgegen. Die Besitzerin des Ladens, eine rüstige Oma, drehte zwischen Hund, Katze und Papagei die Räucherstäbchen selbst und ließ zünftigen Rock erklingen. Es gab uralte VHS-Musikvideos, Kassetten, Platten und CDs. Ihre Auswahl aus neu und gebraucht war riesig und wir unterhielten uns über Rock aus den USA, aber genauso über Rammstein aus Deutschland. Ich fragte nach einer CD und sie, fit wie sie war, ist gleich an den Computer gestürzt und hat in verschiedenen Datenbanken nachgesehen. Sie wollte mir die CD gleich bestellen, aber da musste ich sie bremsen. In einer Woche hätte sie sie bekommen, vielleicht auch noch vor dem nächsten Wochenende. Ähhmm dann könnte ich sie auch in Deutschland bestellen. Trotzdem toller Laden, tolle Omi.


Nach dem Morgenkaffee sind wir kurz ins Schwimmbad; was ein seltenes Vergnügen.
Der Fort Stevens State Park lockte uns aus zweierlei Gründen. Zum einen ist es Oregons nördlichster Punkt auf dem Festland, zum anderen liegt dort ein Schiffswrack von 1906 am Strand. Punkt eins war ganz interessant. Ein kräftiger Wind blies hohe Wellen an die Wellenbrecher und in unserem Rücken floss der Columbia River ins offene Meer. Punkt zwei war total enttäuschend. Das Schiffswrack bestand aus 3 verrostete Streben. Ende der Geschichte.
Das beste sahen wir allerdings erst vor Ort. Jeeps jagten am Strand auf und ab und dies völlig legal. An fast allen Stränden des Fort Stevens State Parks ist es ausdrücklich erlaubt mit Allradantrieb seinen Spaß zu haben. Dies war eher nach unserem Geschmack und wir tasteten uns langsam auf den Sand vor. Dass er fest war hatten wir vorab schon geprüft und so kam Pancho mühelos ans Wasser und dann gab es kein Halten mehr. Schnurgerade ging es mit Vollgas den Strand runter und in Schlangenlinie wieder gemächlich zurück. Wir hatten riesigen Spaß.





Nachdem wir wieder Asphalt unter den Reifen hatten ging es auf dem Highway 101 nach Süden. Diese Küstenstraße verläuft auf 540 km an Oregons Küste bis sie die Grenze zu Kalifornien erreicht. Nach nur 40 Kilometern stoppten wir oberhalb von Cannon Beach im Ecola State Park. Nach einem kurzen Mittagessen und einer Stunde zu Fuß rollten wir die letzten Meter in die kleine Ortschaft. Attraktion am Strand ist der ca. 70 Meter hohe Haystack Rock und wir schlenderten bei 20 Grad am herrlichen Sandstrand an ihm auf und ab. Hinter den Dünen reihten sich Boutiquen und Sommerhäuser und wir bemerkten, dass in der Sommersaison doch einiges mehr am Strand los sein wird.
Dort bekamen wir den Tipp einen kurzen Stopp am Hug Beach einzulegen. Gesagt getan. Nach einigen Minuten am Strand erreichten wir einen Wasserfall, der sich direkt auf den Sand ergoss und einen Felsen, aus dem eine Kutschenstraße aus dem Fels gehauen worden war. Als Postkutschen noch ihren Dienst ausübten wurde bei Ebbe über den Sand geprescht und dieser Fels war einfach im Weg. Also musste schweres Gerät her und auf eine Länge von 25 m wurde der Fels geebnet.




 




Kaum hatten wir den Motor angelassen, konnten wir ihn in Tillamook wieder abstellen. Die Stadt ist berühmt für ihren Käse und in fast jedem Supermarkt in den USA findet man Tillamook Käse und deren Eis. Wir kamen kurz vor Ladenschluss und mampften uns 3 mal durch die Reihe der Kostproben. Danach noch ein fettes Eis und der Entschluss war gefasst am Morgen in Ruhe die Fabrik anzuschauen. Weit wollten wir also nicht mehr fahren und wie so oft folgten wir unserem Gespür und fuhren am Ortsrand vorbei und wollten an einem Fluss nach einer Parkmöglichkeit suchen. Am Weg lag die Pelican Brewery, eine weitere Kleinbrauerei und dahinter war noch Platz an der Straße. Dank Tillamook waren wir vorerst satt und so sind wir auf ein Pint in die Brauerei und konnten zusehen wie unter uns Bier gebraut wurde. Alles war offen, nichts hygienisch abgesperrt oder so. Super cool mit feinem Bier. Beide, das dunkle Stout und das Bad Santa Porter schmeckten nach mehr, aber wir verzichteten. Wollten schließlich um 8 Uhr in die Käsefabrik.

In Kanada beantworteten wir ein paar häufiger gestellte Fragen. Sehr oft wurden wir gefragt, ob wir die Arbeitswelt vermissen und ob wir in den Tag hinein leben, oder mehr geregelt reisen. Vor etwa 6 Monaten antworteten wir darauf und wollen jetzt, während wir die USA bereisen noch einmal auf diese Fragen eingehen.

Kommentar 7: Das Arbeiten vermissen wir immer noch nicht (hätten wir nicht gedacht) und unser Weg durch die USA ist schon etwas mehr dem Bummeln ähnlich. Wir übernachten zwar selten am gleichen Platz, aber unsere Fahrdauer pro Tag ist nicht mehr so lang wie in Kanada, vor allem weil die Küste sehr zum verweilen einlädt. Wir schauen uns im Gegensatz zu Kanada nur die Westküste der USA an, mit kleinen Abstechern ins Landesinnere. Für uns heißt das, einige Kilometer weniger pro Tag und trotzdem sind unsere Tage ausgefüllt, denn es gibt immer was zu entdecken. Wir wollten größere Abstecher in Richtung Rocky Mountains fahren, aber da hat uns der Winter gebremst, denn bei -20 Grad macht das Campen dann doch nicht mehr so viel Spaß. Dafür sind wir zu viel Sonnenkind .
Morgens klingelt bei uns weiterhin der Wecker um 6.15 Uhr, denn um 17 Uhr ist es schon wieder dunkel. Das war in Alaska im August sehr interessant zu sehen. Es gab keine stockdunkle Nacht, man konnte immer noch die Umrisse der Landschaft erkennen. Abends wurde es erst um 23 Uhr dunkel und morgens wurde es bereits um 4 Uhr wieder hell.
Also wir sind immer noch auf der Suche nach dem endgültigen loslassen.

Aus der Kaasfabrik,
Simone, Stefan