Sonntag, 19. Juni 2016

In der Werkstatt - Teil 1 (01.05.2016 - 09.05.2016; aktueller Standort: Huatulco, Oaxaca)

Bei 32°C um 22 Uhr fällt das Schreiben am Pazifik nicht wirklich leicht, aber was solls es gibt Interessantes aus dem Bundesstaat Michoacán zu berichten (Kartenlink).

Michoacán gilt für viele Mexikaner als der schönste Bundesstaat des Landes. Er hat Pazifikküste, aber hauptsächlich bewaldete Berge. Kiefern standen dicht gedrängt an den Straßen und es duftete herrlich in der Sonne nach Harz. Zwischen den Berggipfeln und Vulkanen lagen einige Seen, nur an diese heran zu kommen fiel schwer.
Von unserem Nachtlager waren es nur noch ca. 2 Autostunden bis ins unansehnliche Uruapán. Die Region um die Stadt ist Vulkangebiet, weshalb wir auch einen Stopp hier einlegten. Wir besorgten einen neuen Wasserschlauch und nach erfolgloser Suche nach Kochalkohol bummelten wir kurz durchs Zentrum der 300.000 Einwohner Stadt. Wir waren schnell fertig und besichtigten einen kleinen Park. Er schimpft sich Parque National Eduardo Ruíz, aber von einem Nationalpark hatte er wohl eher nichts. Ein Fluss fließt durch die Stadt und in dem Park hatte er zwei natürliche Wasserfälle, was man zum Anlass nahm etliche künstliche Wasserläufe, -spiele und kleine Wasserfälle anzulegen. Auch eine kleine Forellenzucht lag auf dem Weg durch das dichte Grün. Nationalpark nein, aber ein wirklich schöner Park für einen Spaziergang. Wir fanden eine sehr ruhige Straße in einer sauberen Wohngegend und einem Café direkt um die Ecke. Dort verbrachten wir den späten Nachmittag und den nächsten Vormittag.


Vom Café hatten wir einen guten Blick auf einen kleinen Kegelberg, der aussah wie ein Miniaturvulkan. Ein Fußweg wand sich hoch und wir fragten nach, wie wir dorthin kämen. Hat geklappt und so liefen wir den La Pinerita hoch, auf dem Kegel einmal herum (durch einen schwelenden Waldbrand) und hatten endlich mal wieder eine kleine Wanderung. Danach besuchten wir zwei Wasserfälle und konnten auch dort etwas laufen. Der La Tzararcua war ziemlich beeindruckend wie er zwischen 2 Felswänden herausschoss. Von dort ging es über eine Bergflanke auf die andere Seite zu einem türkisfarbenen See, voll mit Fischen und dem kleineren Wasserfall. Hübsch, aber am frühen Nachmittag in der prallen Sonne auch äußerst schweißtreibend.






Ins kleine Bergdorf Angahuán kamen wir aus bestimmten Grund, aber der Weg bis ans Ziel versperrte sich uns mit einer aufgerissenen Straße im Dorf. Also rückwärts wieder die Straße runter und alternativ rechts am Marktplatz vorbei. Dort hingen die Wimpelschnüre (Deko in sehr vielen Ortschaften, wobei an einer Schnur Wimpel oder Fähnchen über einige Straßen gespannt werden) zu tief, denn Pancho war so hoch wie fast jedes umliegende Haus und jemand musste mit einer Stange die Leinen hoch drücken. Als auch dies geschafft war durften wir am Ende der Straße nicht parken. So hielten wir direkt neben einem Restaurant und fragten, ob wir hier für eine Nacht max. 2 bleiben könnten. Nur verstand uns dort keiner... Ein junges Mädchen wurde gerufen, das spanisch sprach, denn die ältere Bevölkerung sprach in diesem Bergdorf nur ihre eigene ethnische Sprache. Auch lief in diesem Dorf jede Frau in farbenfrohen Kleidern, die Haare zu Zöpfen geflochten, gehalten von farbigen Bändern. Die Männer waren fast alle zu Pferd oder Esel unterwegs und bis tief in die Nacht klapperten die Hufen an unserem Fenster vorbei, denn stehen bleiben durften wir schlussendlich.
Wir wurden zwar etwas skeptisch gemustert, aber als wir dann am kommenden Morgen im Wald eintauchten war dies alles schnell vergessen. Übrigens die Bewohner waren trotzdem alle sehr höflich und respektvoll.
Wir wollten sehen, ob wir den Weg zum Paricutín selbst fanden und verzichteten auf einen Guide für die 15 Kilometer bis zum Vulkan. 1943 ist er ausgebrochen und hat 2 Dörfer unter seiner Lava begraben. In San Juan ist nur ein Teil der Kirche und die dazugehörige Kapelle verschont geblieben, weshalb viele dies als ein kleines Wunder ansehen. Wir liefen zu der Kirche und mussten erstaunt feststellen, dass ein Fernsehteam das ganze Areal in Beschlag genommen hatte. Um ein paar Bilder schießen zu können kraxelten wir durch die Lava, wurden dann aber aufgefordert dies sein zu lassen. Doof aber was sollten wir machen. Wir liefen auf der Straße bei sengender Hitze durch das schwarze Lavameer. Später ging es einen Waldweg den Berg hoch und der Vulkankegel rückte immer näher. Nur noch rund 2 Kilometer vor dem Krater verlief sich der Weg in der Lava und wir gaben auf. Auf über 2.300 Meter Höhe bei 30°C im schwarzen Gestein wollten wir nicht mehr. Auf dem Rückweg kam uns die Fernsehcrew entgegen gefahren und so hatten wir die San Juan Parangaricutiro doch noch für uns alleine. Die Frontseite der Kirche ragte über dem Eingangsportal aus der meterhohen Lavamasse, aber sonst war nicht viel übrig. Nach ein paar Kletterminuten ging es zurück zu Pancho und da wir die Bewohner von Angahuán nicht weiter ablenken wollten fuhren wir zurück nach Uruapán und stellen unseren Truck wieder hinter dem Café ab.








Auf dem Weg zum Pátzcuaro-See hielten wir an der kleinen Tempelanlage Tingambato und fuhren nach 30 Minuten weiter zum besagten See. Der Pátzcuaro-See gilt für etliche Mexikaner als einer der schönsten des Landes, mit einigen Inseln ist er von bewaldeten Hügeln und Vulkanlandschaft umgeben. Vielleicht kommt man andernorts ans Gewässer, aber wo wir waren war der einzige Zugang der Fährsteg zur Hauptinsel. Da bringt einem der schönste See nichts und so parkten wir nicht dort, sondern einige Kilometer weiter auf einem Supermarkt Parkplatz im Städtchen Pátzcuaro. Dort durften wir auch über Nacht bleiben und so schnürten wir die Schuhe und machten uns auf in die Pueblo Mágico.
Optisch ganz anders als die Kolonialstädte, aber wieder eine Sahneschnitte. Uns gefiel die Stadt sehr. Mit einem riesigen grünen zentralen Platz, an dem alte Herrenhäuser mit Arkadengängen standen, aber keine Kirche. Vor ein paar Blogs haben wir dies bereits erwähnt. Eine Kirche ohne Platz ist in Ordnung, aber einen Hauptplatz einer Stadt ohne Kirche findet man laut Internet in Zentral- und Südamerika nur zweimal. Eine Stadt liegt in Peru, die andere ist Pátzcuaro.
Alle Häuser waren in rot/weiß bzw. rosa/weiß gehalten. Die Ziegeldächer ragten weit über die Fußwege und auf kopfsteingepflasterten Straßen ging es auf und ab. Kirchen gab es genug und auch mit Prunk wurde nicht gespart. Die ehemalige Kirche San Agustín ist heute die Bibliothek der Stadt, mit einem riesigen vom Fußboden bis zur Decke reichenden Wandgemälde. Aber was es noch mehr gab als Kirchen waren Handwerkerläden. In einer Straße lagen 5 hintereinander, nur um auf dem anschließenden Platz weitere 6 Konkurrenten zu finden. Das reiche Kupfervorkommen in den Bergen war der Grund. Wir sahen und hörten immer wieder Explosionen an den Berghängen (auch schon in Uruapán) und die Läden schienen gut zu laufen. Ständig war Andrang und wir wollten da mitmischen und fragten zum 20. Mal nach Brennstoff für unseren Kocher. Methanol hatten sie, den Liter für ein paar Pesos. Wir kauften 8, probierten in später am Abend aus und waren begeistert. Eine blaue, rußfreie und geruchlose Flamme. Perfekt zum kochen, aber bevor es soweit war, trafen wir in den Gassen der Stadt unser Filmteam wieder. Diesmal durften wir eine Kirche nicht betreten, da ein langhaariger Mann in einer Szene gefilmt wurde. Einer von der Crew erkannte uns und meinte ach ihr wart doch gestern auch an der Kirche im Lavafeld. Wir nickten nur, drehten ab und wunderten uns warum so viele Frauen mit Handy diesen langhaarigen Mann filmten. Er schien bekannt zu sein, wenn auch nicht für zwei Deutsche .









Der Methanol war so gut, wir kauften am Morgen gleich weitere 4 Liter. Ebenfalls liefen wir nochmals durch die Stadt und schauten den Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag am 5. Mai (Jahrestag der Schlacht bei Puebla) zu. Anstelle von Straßenparaden gab es viel Gerede und damit verabschiedeten wir uns aus Pátzcuaro.
Am See kurvten wir zur archäologischen Stätte von Tzintzúntzan und trafen auf Pepe, Saul und Humberto bei ihrer Siesta und 2 Sixpack Dosenbier. Mir nichts dir nichts hatten wir eine Dose in der Hand und waren happy, dass wir auf spanisch ein paar Sätze zusammen bekamen und auch einiges verstanden. Beschwingt zahlten wir das Eintrittsgeld für die Hauptstadt des Purépecha-Reiches. In Tzintzúntzan konnten wir auf einer künstlichen Plattform 5 halbrunde Basen sehen, ebenfalls aus Erdreich und Stein, die früher hölzerne Rundtempel trugen. Mehr war von der ehemaligen Hauptstadt nicht erhalten, aber die Dimension der Plattform und der Basen war enorm.





Ein paar Kilometer vor Morelia mussten wir wieder an einer Truck Werkstatt halten, da Panchos Ölproblem noch nicht behoben war und zudem jetzt der Druck im Bremssystem nicht mehr stimmte. Zum ersten Punkt: Beim Ölwechsel wurde die Gummimuffe nicht mittig platziert und wir hofften, dass wenn dies behoben würde, Pancho endlich kein Öl mehr vom Rücklauf an die Umgebung abgeben würde. Der andere Punkt kam schleichend und wurde immer massiver. Am Morgen hatten wir kaum mehr Luftreserven in den Druckbehältern im Bremssystem und mussten ca. 3 Minuten warten bis sich die Bremsen öffneten und wir starten konnten. Dies konnten wir die letzten Tage beobachten und es wurde schlimmer und schlimmer. Während des Tages blieb der Druck aber gleichmäßig hoch und stellte kein Problem dar. Aber irgendwo verloren wir Luft und dies musste gefunden werden.
Die Gummimuffe wurde versetzt, die umliegenden Schrauben nachgezogen und wir für das Bremsproblem nach Morelia vertröstet. Bis auf eine Stunde Aufenthalt kostete uns dieser wiederholte Werkstattbesuch nichts. Jetzt musste sich nur noch zeigen, ob er auch was brachte...

Von der Hauptstadt des Bundesstaates Michoacán sahen wir vorläufig nichts, denn wir steuerten direkt eine weitere Werkstatt an. Auf Autos spezialisiert, aber von anderen Reisenden empfohlen. Wir parkten in der Innenstadt direkt vor deren Toren und warteten, ob Marcos und seine Jungs uns an diesem Tag noch helfen könnten. War leider nicht der Fall und so blieb uns bis auf einen nächtlichen Bummel durch Morelia nicht viel anderes zu tun. Auf 1.900 Meter Höhe gelegen ist auch sie eine reiche Kolonialstadt mit beeindruckendem historischen Zentrum. Die Stadt mit ca. eine halbe Millionen Einwohnern gefiel uns auf Anhieb, aber mehr als der erste Eindruck bei Nacht wurde uns auch am nächsten Tag nicht gewehrt.


Um 9 Uhr kamen Francisco und Saul, die beiden Mechaniker von Marcos Laden. Der Chef selbst kam erst um 10.30 Uhr und bis nach dem Mittagessen wurden wir immer wieder vertröstet. Der Nachmittag wurde dafür um so unterhaltsamer. Marcos stellte schnell fest, dass wir eine defekte Dichtung am rechten Vorderrad hatten und auch, dass die Bremsbeläge alle top waren. Danach warteten wir wieder am Straßenrand und schauten den beiden jungen Gehilfen zu. Irgendwann kam ein anderer Typ mit einem weißen VW-Bus, der nichts anderes tat als einen Joint nach dem anderen zu rauchen. In der Garage, auf dem Gehweg, überall. Wir wurden gleich eingeladen, was wir dankend ablehnten. Er kam jeden Tag gegen Mittag und bis er abends wieder von dannen rollte war er zu bis zu den Ohrläppchen. Auch gegen ein Bierchen am Nachmittag hatte er nichts einzuwenden. Francisco und Saul schwankten hinter seinem Rücken wie er selbst und wir verstanden uns mit den beiden von Tag zu Tag besser. Ja wir blieben etwas...
Nachdem 2 undichte Stellen gefunden wurden kam der nächste Trupp skurriler Freunde zu Marcos. Aus einem übergroßen Pick up stiegen sie alle mit Bier in der Hand aus und einer der Drei, übervoll mit Tattoos, Glatze mit roter Schildmütze und weißen Feinrippmuskelshirt (echt wie im Film) unterhielt sich direkt in englisch mit uns. Bot uns gleich Marihuana an (hatte nen ganzen Beutel davon dabei), gab uns zwei Dosen Bier ab und gesellte sich zu seinen Freunden in die offene Werkstatt, wo erst mal zünftig eingenebelt wurde. Simone und ich faxten mit den beiden Gehilfen, denn auch unser Freund mit dem VW-Bus war mit von der Partie, der danach lang auf einem Stuhl hing. Keine Reaktion in der nächsten Stunde von ihm. Als die Pick up Band verschwand, war auch kurz Marcos weg und als er wieder kam, wurden die beiden undichten Stellen behoben. Das Problem der quietschenden Bremsen wurde auch gelüftet. Banal, aber wir hatten keine Bremsflüssigkeit mehr. Saul durfte auf dem Fahrrad los und musste eine neue Flasche besorgen und in der Zwischenzeit kamen weitere Freunde von Marcos. Dort ging es zu wie im Taubenschlag, war aber ungemein unterhaltsam. Dieses junge Pärchen samt Freundin brachte Tortillas aus der eigenen Produktion vorbei und nachdem wir uns vorstellten luden sie uns prompt ein, einen Abend mit ihnen zu verbringen. Sie schauten Pancho an und wir versuchten auf spanisch so gut es ging alles zu erklären. Und klar wir sagten zu, mit ihnen nach Álvaro Obregón (kleines Dorf 24 km entfernt) zu kommen. Auf dem Weg zu ihnen besorgten wir gegrillte Hähnchen am Straßenrand und 2 Sixpack an einer Tanke. Zahlen durften wir aber nicht, waren schließlich eingeladen. Auf einem ummauerten Grundstück mit Kampfhund stellten wir Pancho ab und dann ging es weiter zur Familie von Dario und anschließend in ihr Haus. Haus war noch verfrüht, 4 Außenwände und 3 in der Mitte. Wellblech obendrauf und fertig war das Eigenheim der 23-jährigen. Klingt nach nicht viel, aber die beiden waren glücklich und die Eltern von Dario sicherlich nicht arm. Nach dem Essen fuhren wir zu fünft weiter zur Ranch der Familie mit Pferden und Schweinen und als wir eine weitere Freundin einsammelten und Tequila und einen Likör im Gepäck hatten ging es gemeinsam auf einen Berg mit Blick über das Dorf, dem Flughafen von Morelia und der Stadt selbst. In der Ferne blitzte es und in der Nacht feierten wir eine Party mit Rammstein und Metallica. Es war super cool, die Freundinnen der beiden super witzig. Es wäre ein perfekter Platz für Pancho gewesen, aber unmöglich zu finden. Als wir wieder im Dorf waren, setzten wir die Rammstein Freundin bei ihrem Freund ab und besuchten um kurz vor Mitternacht einen weiteren Freund von Dario und Celina. Er schaute gerade Fußball und konsumierte Haschisch. Monzi die Freundin der beiden stieg sofort mit ein und wir sagten wie immer vielen Dank, aber wir rauchen nicht. Dafür vernichteten wir weiter Bier und Likör und als wir am Grundstück abgesetzt worden waren, schafften wir es auch noch heil am Kampfhund vorbei. Der legte sich vor unserer Leiter und so schliefen wir sicher wie selten. Was für ein Tag!

Nach einem Kaffee im Elternhaus brausten wir zurück nach Morelia und zu Marcos. Der Druck im Bremssystem war wieder auf null gesunken. Parkten wie gehabt vor der Werkstatt und warteten, dass der Chef aufschlug. Da Samstag, meinten Francisco und Saul würde es bestimmt 11 Uhr werden bevor er käme.
Erst am Nachmittag ging es weiter und eine neue undichte Stelle im System wurde gefunden. Dort war die Dichtung allerdings defekt und musste mit einer neuen Dichtung ersetzt werden. Nicht wie in Deutschland mit einer Dichtung, sondern auf dem mexikanischen Weg. Dichtungen, auch wenn in Deutschland Standard, hatten sie in dieser Ausführung nicht. Verschiedene Materialien wurden getestet, Kupfer, Alu, Gummi und am Ende wurde eine aus einem Deckel einer Colaverschraubung gefertigt. Marcos schnitt und stanzte bis die farbige Plastikdichtung passte und dann war dicht. Unglaublich aber wahr.
Sie versetzten abermals die noch immer tropfende Gummimuffe (!) und wir zeigten den Jungs Pancho von innen, zeigten unsere Route und hatten einen weiteren tollen Tag mit einem hackedichten VW-Bus Mexikaner . Von Morelia sahen wir bis auf einen weiteren Nachtbummel, diesmal im lokalen Viertel, wieder nichts. Dafür gab es für unschlagbar günstiges Geld ein klasse Abendessen. Muss ich auch kurz ausholen:
Das Lokal einer Kirche oder so ähnlich, verkaufte Wertmarken und damit konnte man zu verschiedenen Essensbuden. Wir sagten vorher was wir wollten und bekamen für eine Pozole (Suppe mit Fleisch und Gemüsen), zwei Enchiladas mit Huhn und 2 Liter Hibiskustee die exakte Anzahl an Marken. Los gings. Ich holte meine Suppe und die Getränke. Simone holte sich ihre Enchiladas. Ich bekam für einen Euro eine gute Portion scharfe Brühe mit reichlich Fleisch und Mais. Wartete so auf Simone und schaute mich in dem großen Saal um (nur Kinder unter 10 arbeiteten dort, wieso???) und da kam sie mit 2 Tellern zurück. Auf jedem lagen ein paar gefüllte Enchiladas (gefüllte Tortillas mit Soße übergossen), Salat und je ein halbes Hähnchen. Sie war sprachlos und meinte sie hätte zwei Enchiladas bestellt und wurde aufgefordert ihre Hähnchen auszusuchen. Tja dabei raus kamen zwei fette Deutsche, die bisher immer 2-4 Enchiladas auf den Teller bekamen und dachten sie wollten dort wissen wie viele gefüllte Tortillas man möchte. Hier meinten sie allerdings wie viele Portionen und ich hätte, wäre keine Pozole im Angebot gewesen, 4 Enchiladas bestellt. Hatte mich erst im allerletzten Moment umentschieden und wer hätte bei einem Preis von unter einem Euro pro Teller ahnen können was da auf einen zukommt. Uns spannte der Bauch so arg, dass wir langsam durch die Straßen schlichen und erst nach einer Stunde wieder unser Mobil erreichten. Gott was war das viel...

Sonntag und Marcos hatte zu, Zeit um endlich Morelia anzuschauen!
Zentrum war ein weiteres Mal die barocke Kathedrale, die 65 m hoch in den Himmel ragte. Umgeben war sie von 2 Plätzen auf denen alte Bäumen Schatten spendeten. Umrundet wurden diese mit Herrenhäusern aus Sandstein, in denen heute verschiedene Regierungssitze und Hotels/Restaurants untergebracht waren. Die Kathedrale war ein Kunstwerk von außen wie von innen. Mit Leder beschlagene Holztüren, eine deutsche Orgel mit 4.600 Pfeifen, ein Taufbecken aus massivem Silber und Verzierungen egal wohin wir blickten. Jedoch umgehauen hat uns die Santuario de Guadelupe in Nähe des Aquädukts. Rot und Gold von hinten bis zum strahlenden Altar. Ein paar Schnörkel würden wohl reichen, um unsere Reise zu finanzieren. Das erwähnte Aquädukt ist mit 1,5 km Länge und 250 Bögen das Wahrzeichen der Stadt. Wir bekamen im Palacio Federal eine kleine private Führung und durften, was sonst nicht gestattet ist, einen Blick von den Balkonen in die Hauptstraße werfen. Der Tag verging mit essen, laufen und ausruhen wie im Fluge und am Abend versuchten wir wieder einen Tacostand in der Nähe unserer Werkstatt. Riesig wäre eine Untertreibung, extra Tortillas weil Fleisch, gebratene Zwiebeln und Kaktusstreifen unmöglich in der Doppellage Maisfladen geblieben wären. Sagenhaft gut und spottbillig. Vegetarier haben es schwer in Mexiko (sahen schon 1 kg gebrutzeltes Schweinefleisch mit allem was dazu gehört für 9 Euro; 1 kg fertiges Gemüse sahen wir noch nie). Nachdem die Bäuche wieder spannten kam ein Regenguss, am folgenden Tag hatten wir ein heftiges Gewitter mit Hagel und Starkregen. Die Regenzeit kam langsam ins Rollen.















Wir wussten, dass Marcos erst am späten Vormittag kam und daher gingen wir frühs in die Stadt und schauten am Nachmittag bei den Jungs vorbei. Francisco war bleich wie eine gekalkte Wand und Saul verriet uns, dass der spindeldürre Kerl 6 Tage keinen Tropfen trinkt und am Sonntag mindestens 2-3 Liter Tequila vernichtet. Jedem das seine... Sie fanden wieder eine undichte Stelle (Druck war wieder auf Null) und mussten passen, da sie an der Handbremse lag. Sie sagten gleich es gäbe dort ein paar Dichtungen und sie könnten nicht alle improvisieren. Es blieb uns nur noch Lebewohl zu sagen und uns 1.000 Mal zu bedanken. Am ersten Tag bezahlten wir noch 60 Euro, für die beiden anderen Tage gar nichts mehr. Und das beste Kinoprogramm hätte unterhaltsamer nicht sein können.
Wir füllten Wasser auf und dann kam das Gewitter. Wir beschlossen neben dem Wasserladen stehen zu bleiben und sprachen ein paar Cops an. Durften wegen dem Regen kurz ins Polizeiauto und schüttelten Hände, gaben kurz unser Kennzeichen durch und bekamen die Versicherung eine sehr ruhige und sichere Gegend gewählt zu haben. Das Ansprechen der Polizei können wir nur empfehlen.

Aus Morelia und Cola-Dichtung,
Pancho

PS: Mario, wieder einmal vielen herzlichen Dank!

Montag, 13. Juni 2016

Der erste Diebstahl (27.04.2016 - 30.04.2016; aktueller Standort: Puerto Escondido, Oaxaca)


@ Claudi: Die allerliebsten Geburtstagsgrüße vom Pazifik in Mexiko. Wir denken an dich und würden dich sehr gerne in den Arm nehmen...

Bevor wir zur nächsten fantastischen Kolonialstadt kamen besuchten wir eine kleine Tempelanlage auf privatem Grund. Deshalb durfte wir nur per geführte Tour Cañada de la Virgen betreten. Von den Erläuterungen auf spanisch verstanden wir nur wenig und auch sonst war der Besuch sicherlich kein Muss (Kartenlink).




Ein absolutes Muss hingegen ist bzw. war die jahrhundertealte Silberstadt Guanajuato. Ein weiteres Juwel unter den Kolonialstädten! Der gleichnamige Bundesstaat hat in etwa die Größe von Brandenburg.
Guanajuato zählte zu einer der ersten Regionen, die von Spaniern nach ihrer Landung besiedelt wurde. Noch heute zählen die Silberminen zu den bedeutendsten der Welt und daher wundert es nicht, dass zahllose Paläste die Innenstadt schmücken. Enge kopfsteingepflasterte Straßen zogen sich durch die hügelige Stadtlandschaft, verbunden mit Treppen und kleinen Plätzen. Minenschächte, die heute als Tunnellandschaft den Verkehr großteils unterirdisch lenken tragen ebenso wie die Universität im Zentrum zu einer friedvollen, ruhigen und heiteren Atmosphäre bei.
In einem engen Talkessel liegt die Stadt auf über 2.000 Meter. Eine Panorama Straße führt komplett um die ca. 120.000 Menschen zählende Stadt, von der aus man von unterschiedlichen Blickwinkeln auf die bunte Stadt hinunter schauen kann. Am bekanntesten Aussichtspunkt (Pípila-Denkmal) direkt oberhalb des Stadtkerns parkten wir Pancho und liefen die steilen Treppen und engen Gässchen hinauf und hinab.



In die Stadt sollte man sich als Ortsfremder nicht mit dem Auto wagen. Die Tunnel, sprich Minenschächte sind abenteuerlich. Manche sind nur ein paar Dutzend Meter lang und man findet sich auf der anderen Seite eines Platzes wieder, andere sind etliche Kilometer lang mit Kreuzungen oft ohne Beschriftung. Spärliche Beleuchtung und die natürliche Beschaffenheit der Tunnelwand (mal näher am Auto mal weiter weg) erhöhen den Schwierigkeitsgrad. Viele Schrammen im Gestein zeugen von Kollisionen mit den Wänden bzw. der Decke.
Die historische Altstadt ist ebenso wie die Bergwerksanlagen seit 1989 auf der UNESCO-Liste.



Wir liefen wieder Unmengen, ruhten uns auf den Plätzen aus. Ob unter 100 Jahre alte Lorbeerbäumen auf schmiedeeisernen Bänken am Jardín de la Unión, oder auf Holzbänken am Plaza San Roque mit frisch gezapftem Bier und Mezcal (Agavenschnaps der mit geröstete Grillen gereicht wurde). Wir liefen in der Nacht durch die Minenschächte und genossen den Spuk im fahlen gelben Laternenlicht an dunkle vergitterte Durchgänge vorbeizukommen, oder wenn ein Auto im verwinkelten System uns kurz ins Rampenlicht stellte.



Die Kirchen waren reich verziert, die Paläste gigantisch und in den Herrenhäusern logieren heute Restaurants, Cafés, Kunstausstellungen und Hotels.







In der Uni verliefen wir uns fast und fanden auch die Wandmalereien nicht, dafür am 2ten Tag das Mumienmuseum, ein schauriger Spaß. Über 100 menschliche mumifizierte Leichen, vom 6 Monate alten Baby bis zum 98-jährigen waren dort hinter Glas zu sehen. Die mineralhaltige Erde und trockene Luft sorgen für eine schnelle Mumifizierung. Hinzu kommt, dass in Guanajuato viele Leichen in einem aufrecht stehenden Sarg beigesetzt wurden, was diesen Effekt begünstigte. Die meisten Mumien hatten ihre kleine Geschichte, aber die beste war dass eine Klasse mit Grundschülern zeitgleich mit uns im Museum war. Die Kids preschten umher, jeder mit Handy bewaffnet um den besten Schnappschuss eines verwelkten Gesichtes oder schlimmeres zu bekommen. Wir fanden dies, wie die Mumienausstellung, faszinierend. Ohne Scheu, ohne Ekel oder Angst wurde gedeutet, erklärt, gelacht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in Deutschland eine Klasse mit 7-jährigen Buben und Mädchen so reagiert hätte, geschweige denn von der Schule auf so einen Ausflug mitgenommen worden wäre.



Ein weiteres Highlight in dieser Stadt waren die allabendlichen Tanzeinlagen auf den diversen Plätzen. Kaum neigte sich die Sonne dem Horizont entgegen wurde live oder vom Band Musik gespielt. Dazu tanzten meist ältere Paare nach Lust und Laune. Zuschauer platzierten sich auf Stühle, auf den Gehwegen, Treppen etc. und applaudierten nach jedem Song. Wir hatten dies schon vorher und auch nachher noch des öfteren miterlebt, aber mit so viel Elan wie in Guanajuato nie wieder.




Der Rest ist schnell erzählt. Wir verließen eine großartige Stadt auf der Panorama Schleife. Wir benötigten 90 Minuten um an den Berghängen die Stadt zu umrunden und fuhren dann durch den Bundesstaat Guanajuato nach Süden. Gegen Mittag stoppten wir hinter einem Einkaufszentrum in Irapuata und stockten den Kühlschrank etwas auf. Da wir schon dort parkten liefen wir noch auf der Suche nach Ethanol für unsere Küchenbrenner durch die Industriestadt. José, der Besitzer eines Hamburgerrestaurants lud uns auf einen Burger ein, falls wir bis um 18 Uhr in der Stadt blieben.
Geplant war es nicht, aber als wir erfolglos von unserem Streifzug durch Supermärkte, Bauhäuser, Farbengeschäfte und Apotheken ohne Industrieethanol wieder an Pancho waren, fiel uns beim Einsteigen in die Kabine auf, dass die Bügel an einer der Stauboxen offen waren. Der zweite Blick bestätigte die Vorahnung. Das Schloss war aufgebrochen und die Stahlstifte an den Bügeln zerstört. Die Box war bis auf den Spaten und unseren Sonnenschutz leergeräumt. Um ein paar leere Kanister, den alten Grill oder den Wasserschlauch war es nicht schade, aber die Axt und 13 Liter Öl waren weg. Am schlimmsten war allerdings der Verlust des Drehmomentschlüssels samt Verlängerung und Nuss für einen eventuellen Reifenwechsel. Wir waren ganz schön genervt, dass am helllichten Tag 400 Meter Luftlinie von einer Polizeistation entfernt uns die Staubox geknackt wurde. José kam zu seinem Laden zurück und erzählt uns dann, dass die Gegend nicht die beste sei (3 Einbrüche in sein Restaurant). Er überredete uns zu bleiben und lud uns ein in seiner Straße vor seinem Haus zu parken. Wir sagten zu, ließen uns bekochen und redeten den ganzen Abend mit der Familie. Als die Tochter Valentina kam wurde die Verständigung, dann auf englisch, leichter.
Am Ende hatten wir eine sehr ruhige Nacht, bekamen den Zugangscode des Familiennetzwerkes und konnten bereits am kommenden Morgen fast alles Geklaute wieder ersetzen. Und für so viel weniger, als in Deutschland!

Da Pancho in den letzten Tagen verstärkt Öl verlor (über den alten Ölschlauch) und zusätzlich die Bremsen fürchterlich zu quietschen begonnen hatten, fanden wir nach langem suchen einen Mechaniker, der uns einen Ölwechsel inkl. Service machte und die neue Gummimuffe einbaute. Zum Thema Bremsen meinte er nur, dass wenn sie heiß sind auch quietschen können und ein kleines Birnchen im Fahrerhaus konnte er nicht wechseln. Da müsste ich zu einem Autoelektroniker... nicht mal ein Birnchen hatte er für uns. Wenigstens war der Ölwechsel billig. 50 Euro zahlten wir komplett.
Wir fuhren weiter bis an die Bundesgrenze nach Michoacán und parkten an einem ausgetrockneten See neben dem Friedhof. Ob wir dort nächtigen könnten fragten wir zwei Herrn auf der Friedhofsmauer. Klar, aber noch besser wäre es die Polizei zu fragen. Sie erklärten uns den Weg und wir liefen schnell ans Revier. Sie wollten nur wissen woher wir sind und das war auch schon alles. Seit dem praktizieren wir dies häufiger und suchen gezielt ein Streifenauto auf und fragen, ob wir parken könnten wo wir es vorhaben. Es war nie ein Problem und wir werden so nie nachts gestört. Oft sagen sie uns sogar zu, ein paar Mal öfters in der Nacht an unserem Standpunkt vorbei zu fahren. Klasse Service .

Hiermit schließen wir das Kapitel „Hochland“, auch wenn wir weiterhin durch die Berge unterwegs sind. Alle Bilder zu den sagenhaften Kolonialstädten sollten auf unsere Homepage zu finden sein.

Wir nähern uns langsam Mexiko-Stadt,
Stefan