Montag, 26. Oktober 2015

Kenai Peninsula (24.08.2015 - 29.08.2015)


Vollgepackt mit neuem Spielzeug ging es auf in ein neues Abenteuer. Die Rede ist von der Kenai Halbinsel, welche sich direkt südlich von Anchorage erstreckt und komprimiert alles zu bieten hat, was das übrige Land charakterisiert (Kartenlink).
Pässe überwinden Gebirge, Gebirge tragen Gletscher, Gletscher wandern ins Tal oder stürzen ins Meer und dort liegen pittoreske Fischerdörfer, die russischen Ursprungs sind. Alles garniert mit Grizzlybären .
  
Wir verließen Anchorage auf dem Seward Highway (benannt nach dem ehemaligen US-Außenminister, der Alaska von Russland abkaufte) und folgten dem Meerarm Turnagain bis nach Portage, einem aufgegebenen Ort, der 1964 bei einem Erdbeben völlig zerstört wurde. Am Turnagain Arm ist der zweithöchste Gezeitenwechsel Nordamerikas zu beobachten. Ein Tidenhub von bis zu 11 m wird dort verzeichnet, aber nicht nur dies ist dort zu sehen, mit etwas Glück kann man auch seltene Beluga Wale im Salzwasser sehen. Uns wurde dies vergönnt und während der Fahrt konnten wir die weißen Rücken von einigen Tieren in einer Biegung sehen.
 
  
Von Portage zweigt eine 18 km Stichstraße zum Portage Lake und nach Whittier ab, unserem Tagesziel.
Über den See waren Eiskuppen zu sehen, aber der Portage Gletscher selbst liegt ungesehen hinter einer Bergschulter. Ausflugsboote starten einen Trip über den See, aber uns wurde im Besucherzentrum mitgeteilt, dass man den Gletscher auch zu Fuß nach 4 km erreichen kann. Genau unser Ding. Da der Verbindungstunnel nach Whittier noch gesperrt war, wir kommen gleich darauf zurück, fuhren wir geschwind an den Byron Gletscher und liefen die kurze Strecke an seinem Bachlauf hoch. Leider konnten wir diesen Gletscher noch nicht direkt berühren, aber es liegen ja noch einige vor uns.
  



 
Zurück zum Tunnel: Anton Anderson Memorial Tunnel; genau so und nicht anders, aber wer Anton war wissen wir nicht. Was wir wissen ist, dass der Tunnel 4 km lang ist, die Innenwände größtenteils vereist waren und er der längste Einspur-Straßen-Tunnel von Nordamerika ist, den Bahn und Fahrzeuge teilen. Das war wirklich kurios. Im Besucherzentrum gaben sie Auskunft wann der Tunnel in welche Richtung für welches Gefährt frei ist, d.h. wir konnten in einem 15 minütigen Zeitfenster durch den Tunnel an den Fjord nach Whittier gelangen. Danach ist er offen für die Bahn. Danach haben Fahrzeuge von der anderen Seite eine Viertelstunde Zeit sich durch den super schmalen Tunnel zu bewegen und danach ist natürlich wieder die Bahn am Zuge.
 
 
Auf der anderen Seite des Tunnels wartete für uns prompt der Weg über den Berg zum Portage Lake und dessen Gletscher. Pflichtbewusst hab ich (Stefan) das Bärenspray neben dem Taschenmesser an meinen Gürtel geheftet. Für den Fall der Fälle...
Wie immer ging es erst den Berg hoch, oben gab es wieder jede Menge reife saftige Blaubeeren und dann ging es wieder runter. Von oben hatten wir eine Traumaussicht. Vor uns der See und der Gletscher und hinter uns der Fjord und das kleine Fischerdörfchen Whittier. Auf dem See trieben Eisbrocken, deren Größe zwischen Schuhschachtel bis Garage variierte. Wir umrundeten den See, die Sonne sank tiefer und wir dachten wir seien am Ziel und hätten den Gletscher berühren können, als plötzlich ein breiter Schmelzbach uns den weiteren Weg versperrte. Andere Wanderer versuchten ihr Glück und wateten bis zum Oberschenkel durch das eiskalte Nass, aber auch sie konnten schlussendlich nicht bis an das Eismassiv vordringen. Glück für uns dass wir es nicht versuchten, denn auf dem Rückweg liefen wir ohne Sonne und es wurde merklich frisch. Gut, dass die Heizung mit den neuen Batterien ansprang als wir in Whittier direkt am Fjord das Kochen anfingen.
 




   
Unser Plan am frühen Morgen einen frischen Lachs zu erstehen ging gründlich schief. Es gab nur ein Café und 2 Restaurants und der Fischverarbeitungsbetrieb darf nicht an Privatkunden Fisch verkaufen. Es liefen auch keine Fischerboote in den Hafen ein und da wir noch innerhalb unserer „Tunnelzeit“ waren, gaben wir Gas und verschwanden aus Whittier um zurück auf den Seward Highway zu gelangen. Wir hielten kurz am Explorer Gletscher und warfen einen schnellen Blick in das nahe Flüsschen um Lachse zu sehen, die zur Eiablage in ihr Heimatgewässer zurück kehren. Danach ist für die Fische Schluss. Erschöpft und vergiftet, da sie nichts mehr zu sich nehmen, verenden sie alle.
   

   
Der Seward Highway verläuft fantastisch über Pässe, an riesige Seen entlang bis nach Seward, einem weiteren Fischerdorf an einem Fjord gelegen. Auf dem Weg verführten uns immer wieder Ausgangspunkte zu Wanderungen, aber da wir noch zum Exit Gletscher wollten, verfielen wir nur dem Weg hoch zum Carter Lake. Nach einem guten Anstieg erreichten wir ein Plateau, welches auf beiden Seiten von weiteren Bergkämmen eingesäumt wurde. Dazwischen lag der See und der Weg wäre für weitere 20 Kilometer zwischen den Bergen hindurchgegangen. Es war warm, die Luft so rein und doch beschlich uns ein mulmiges Gefühl, als wir durch brusthohe Sträucher und Gräser unseren Weg an den See bahnten. Das permanente Einreden, von wegen Grizzlies lauern an jeder Ecke, zeigte Wirkung. Da half auch die 260 ml Dose mit Spray nichts. Nach ein paar Minuten an dem gespenstisch ruhigen See kehrten wir um und fuhren zum Gletscher. Einer der wenigen laut Prospekt, an den man auf Kontaktnähe herankommen kann.
 
   
Der Exit Gletscher liegt in unmittelbarer Nähe zu Seward und da Pancho wieder zu viel Zeit an den Anstiegen einbüßte, gingen wir nur zum Gletschermund und nicht den kompletten mühsamen Weg hoch mit dem Ausblick über das Harding Eisfeld. An einem Tag wie dem heutigen muss der Anblick umwerfend sein.
Wir kamen natürlich wieder nicht an den Gletscher. Vor Jahren konnte man ihn berühren, aber inzwischen ist er so weit abgeschmolzen, dass eine große Kluft zwischen Steinwand und Eismassiv herrscht. Trotzdem, wir waren so nahe daran und obwohl sonnig und warm, am Gletscher fühlten wir die kalte Luft und ein eisiger Wind zog vom Eisfeld herab. Großartig!
Die Stadt selbst war auch wieder ernüchternd. Wieder kein Fisch, wir sahen Arbeiter allerlei Fische filetieren, aber auf Anfrage hieß es wieder sie dürften keinen an Privat verkaufen. 2 Jahre früher wäre dies noch gegangen, aber inzwischen seien die Gesetze verschärft und sie hätten keinen Spielraum. Der Herr wählte eine andere Wortwahl, aber die wäre nur frei ab 18.
   


   
Eigentlich planten wir entweder in Whittier oder hier in Seward einen Bootsausflug zu unternehmen, zu Eiswänden bei dem man vom Meer aus direkt unterhalb der Gletscherwände gelangt. Ohne Steuer wollten die Anbieter 150 Euro pro Person und dies wollten wir uns nicht leisten. Also traten wir am Folgetag die Rückfahrt an.

Auf halben Weg zurück nach Portage zweigt der Sterling Highway nach Osten ab. Er verbindet alle im Osten der Halbinsel liegende Städte und ist speziell an der Küste von Kenai bis hinunter nach Homer besonders schön.
Vormittags hatten wir Regen, ein sehr seltenes Erlebnis für uns in Alaska. Wir planten den Weg am Russian River im Vorfeld und so stapften wir in voller Regenmontur los. Im Herbst ist der Fluss jährlich voll von Lachsen und wo Lachse sind, sind zum einen Angler nicht weit (fischen auf Forelle, die die Lachseier fressen) und zum anderen Bären noch näher. Die Angler sahen wir schon auf dem Parkplatz und am Fluss tummelten sie sich, selbst aus Florida waren welche vor Ort. Die Fische sahen wir auch und viel mehr, wir rochen sie. Es stank nach totem Fisch. Gammelgeruch lag trotz des Regens in der Luft. Viele Lachse taten ihre letzten Regungen, viele waren schon von den Möwen aufgerissen. Wir ließen uns nicht beirren und kletterten am Flusslauf entlang bis wir nach 2 Stunden ein trockenes Seitenbächlein folgten, das uns im Bogen wieder zum Ausgangspunkt zurück brachte. Lachse ja, Angler ja, Möwen ja, Bären neeeeein.

Soldotna erreichten wir am Nachmittag und in der Info erfuhren wir, dass am Abend Livemusik im Stadtpark ist. Gut dachten wir, gingen einkaufen, hatten eine Stärkung im „The Moose is Loose“ und welch Freude ein Second-Hand Buchladen war auch in der Stadt. Ich suchte immer noch nach einem Science Fiction Buch. Wir betraten den Laden und ein Inuitnachfahre gegrüßte uns eifrig. Erik wie wir später erfuhren, Mitte 20 und Student. Er war happy, dass jemand in den Laden kam und nach 30 Minuten bot er uns als Park- und Schlafplatz die Stelle hinter dem Laden an. Wir hätten auch im Laden schlafen können und ebenso das WC nutzen können. Wir lehnten dankend ab, da ich (Stefan) sonst nie zu Bett gegangen wäre. Wenn ich sage tausende SF-Bücher ist dies keine Übertreibung. Simone kaufte 2 Horrorschwarten, aber mein Buch war nicht dabei.
 
   
Wir fuhren direkt zum Park und die Band spielte klasse Songs. Wir kochten dazwischen und futterten mit offenem Fenster und hörten uns den Rest der Vorstellung an. Am Ende verkündete eine junge Frau, dass am kommenden Tag wieder ein Liveact sei und es Lachs und Chili umsonst gäbe. LACHS???? Umsonst???? Ohh Mann ja, endlich . Auch in Soldotna erfuhren wir ist die beste und billigste Adresse für frischen Fisch ein Laden namens Fred Meyer. Den Namen sollte man sich merken, ist ein toller Lebensmittelladen mit super Qualität zu annehmbaren Preisen. Er ist an der ganzen Westküste vertreten. Eis hat der, von dem verputzen wir jeden 2ten Tag einen Becher. Kleine Becher, 450 ml....

Die Nacht war gut und der Morgen wieder sonnig. Bis auf die Heizung die wollte schon wieder nicht. Volle Batterien und sie lief nicht an. Geht uns voll auf die Nerven. Dafür funktionierte der Propanheizer reibungslos.
Auf zum kurzen Abstecher nach Kenai, der größten Stadt der Halbinsel (ca. 7.000 Einwohner). Am Abend wollten wir unbedingt wieder zurück sein. Eine Stadtbesichtigung in Kenai dauert genauso lang wie die Halbzeitpause beim Fußball. Ein paar alte Häuser und 2 russisch-orthodoxe Kirchen. Eine tolle Aussicht über das Meer auf Vulkane, das ist die Geschichte der Stadt. Ein Senior, der die 100 Jahre alten Häuser in Schuss hält, führte uns herum und eine Stunde verflog wie im Nu. Am Ende hat er uns eingeladen zum State Fair von Kenai. Dies ist eine Art Jahrmarkt (alle US Städte halten einen im Herbst ab) bei dem es neben politischer Propaganda, um die Erhaltung ihrer Ressource dem Lachs ging, den er grillte. In 2 Tagen zur Mittagszeit wird aufgetischt. Hot Dogs, Hamburger und LACHS umsonst. Ja spinn ich? Kaufen können wir keinen, aber umsonst bekommen wir ihn in jeder Ortschaft.
Breit grinsend verabschiedeten wir uns, um wieder einen SF-Buchladen aufzusuchen. Dieser hatte endlich mein Buch und weil eins kaufen keinen Spaß macht, packte ich noch 2 obendrauf. Danach sind wir am Sandstrand spazieren gegangen. Alaska, Sonne, T-Shirt-Wetter, Sandstrand. Hätte nicht geglaubt, dass dies so zusammenpasst.
    


    
In Soldotna zurück parkten wir sogleich hinter dem Buchladen und machten uns zu Fuß auf den Weg zum Abendprogramm. Eine 2-Mann Band stimmte ihre Gitarren, der Grill lief gerade warm und die Getränke vom Vortag wurden soeben auf Eis gestellt. Während dem Essen gab es Musik und im Anschluss ein paar warme Worte warum der Lachs für die Region so wichtig ist. Ein paar Redner wurden auf die Bühne gebeten und Simone und ich schlugen uns derweil die Bäuche mit fangfrischem Fisch voll. Wein und Bier gab es auch gratis und als die selbstgebackenen Kuchen und Kekse ausgebreitet wurden, mussten wir nicht zwei Mal gebeten werden. Rundum zufrieden bedankten wir uns bei der Organisatorin und trollten uns, als das Festchen zu Ende ging.
Am Morgen stand Erik vor der Tür. Er hat im Buchladen übernachtet und wir luden ihn zum Kaffee ein. War lustig mit ihm und wir erfuhren viel über Alaska und die Inuit. Danach ging es für uns wieder auf den Sterling Highway, aber diesmal in den Süden nach Homer. Die Straße verläuft immer wieder direkt am Cook Inlet mit Blick auf sehr aktive Vulkane. Diese sind Teil vom Pazifischen Feuerring, oder auch Ring of Fire genannt, der den kompletten Pazifik umspannt. Ein Halt hatten wir in Ninilchik direkt am Wasser, einen weiteren in Anchor Point, dem westlichsten Punkt der durchgehend auf einem US-Highway erreichbar ist.
  


   
Homer, an der Kachemak Bay gelegen, ist ein weiterer kleiner Ort der sein Lebenselixier aus der Fischerei und dem Tourismus bezieht. Die Aussicht von höher gelegenen Straßen war bezaubernd, vor allem die Sicht auf den Spit, einer 7 km langen Landzunge die sich in die Bay erstreckt. Leibhaftig auf dem Spit reihten sich dann doch nur Shops für Touristen. Natürlich bekamen wir keinen Lachs zu kaufen und nach einem kurzen Spaziergang am Meer fuhren wir Pancho direkt auf den Strand, illegal aber manchmal ist es dies einfach wert. Wir parkten so gerade oberhalb der Flutmarkierung und fluchten nur, als die Heizung an diesem Abend wieder nicht zünden wollte und es wurde mit 0,6°C wirklich kühl. Wir sind es echt leid!
   




  
Glücklicherweise wurden wir des Nachts nicht von der Polizei vertrieben und kamen pünktlich zur Mittagszeit in Kenai an. Zahlreiche Pavillons für verschiedene politische Gruppen, Gewerkschaften und Industrie waren vertreten und unser Senior stand am Grill bereit. Wir begrüßten ihn und er freute sich sichtlich, dass wir seiner Einladung gefolgt sind. Bevor es Lachs, Hot Dogs und Hamburger gab, als Beilage Chips und als Nachspeise Wassermelone wurde zuerst die Nationalhymne gesungen. Vorgetragen wie beim Superbowl von einer jungen Frau, sang die Hälfte der Anwesenden mit. Danach noch das Lied auf Alaskas Flagge, bei dem alle mitsangen. Wir mussten an uns halten, um nicht zu breit zu grinsen und hofften, dass die Lieder schnell vorüber waren, damit unser Hamburger nicht allzu kalt wurden. Wir holten 3 Mal nach und hörten irgendjemandem zu, der irgendwen ehrte. Dann holten wir noch kostenfrei Kaffee, Popcorn und diverse Werbeartikel. Alles passend zu Simones grüner Jacke. Leute machten Bilder von ihr, wie sie mit Sonnenbrille und Tasche farbig abgestimmt war. Wir wünschten pappesatt dem Senior alles Gute, dankten und machten uns nonstop auf nach Anchorage. Es war Samstag und Mister Präsident besuchte die Stadt. Vielleicht können wir ihn ja am Sonntag bei seiner Rede sehen?
 
Mit den letzten Sonnenstrahlen kamen wir wieder in Anchorage an. Wir hatten nur ein Ziel, den Wasserflughafen und wurden Zeugen des „Termination Dusts“. Was dies ist erfahrt ihr im letzten Beitrag über Alaska.
 
Es grüßen,
Stefan und Simone
 

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Anchorage, eine teure Geliebte (21.08.2015 - 24.08.2015)


@ Thomas: Alles alles Gute zum Geburtstag. Was macht dein Umbau, bist du endlich fertig?
 
Die größte Stadt Alaskas stellt mit 300.000 Bürger mehr als 40% der Gesamtbevölkerung. Anchorage ist das wirtschaftliche Zentrum Alaskas, aber keineswegs die Hauptstadt des Bundesstaates. Diese ist Juneau, abseits gelegen und nur per Schiff/Flugzeug zu erreichen.
Anchorage liegt eingekeilt zwischen zwei Meerarme im Westen und im Osten ist die Stadt bis in die Hänge der Chugach Mountains gebaut (Kartenlink).
   
Wir erreichten Anchorage zur Mittagszeit und sind nicht über dem üblichen Einkaufen und Besuch der Touristeninfo hinaus gekommen. Wir versuchten unser Glück bei der Einwanderungsbehörde um nachzufragen, ob und wie wir unsere Visa verlängern könnten, aber wir verpassten die Behörde um ein paar Minuten, da Freitagnachmittag. Der Wachposten, schon wieder ein Deutscher der auswanderte, vertröstete uns auf Montag und danach tratschten wir für eine Stunde. Auch später wurden wir permanent in Gespräche verwickelt und beendeten unseren ersten, etwas unproduktiven Tag auf dem Walmart Parkplatz mit ein paar Bier vom benachbarten Getränkeladen. Nach dem Essen wollten wir einheizen und mussten leider feststellen, dass unsere Heizung mal wieder streikte.
 
Samstag und wir realisierten nach 10 km um die Blocks der Innenstadt, dass Anchorage touristisch kaum etwas zu bieten hatte. Viele Souvenirläden, zu viele, und Touranbieter für alles mögliche. Bär- und Walsichtungstouren, Rundflüge über die Gebirgswelt und Schiffstouren zu Gletscher, die direkt ins Meer kalben (Eismassen, die vom Gletscher abbrechen und ins Wasser stürzen). Wir waren an einer dieser Touren interessiert, aber 160 Euro pro Kopf wollten wir nicht zahlen. Auf dem Rückweg zu Pancho, liefen wir einer weiteren Auswanderin in die Arme. Yitka wollte sich eigentlich sonnen und etwas lesen, verbrachte aber die nächsten beiden Stunden mit uns und schlenderte durch ruhige Straßen und erzählte uns viel über die Stadt und deren Leute. Danach wollten wir nur noch schnell den Wasserflughafen am Lake Hood anschauen. Er liegt etwas abseits des Zentrums und soll mit über 400 Starts und Landungen täglich (Sommer) der frequentierteste Wasserflughafen der Welt sein. Wir waren so fasziniert von den Maschinen, die permanent kamen und gingen, dass wir direkt auf dem Besucherparkplatz über Nacht blieben. Wir schliefen sozusagen 10 Meter von der Landebahn entfernt. Dieser Wasserflughafen wurde für uns das Zentrum in Anchorage und wir kamen jeden Nachmittag zurück und blieben für die Nacht. Mit voll geladenen Batterien, sprang die Heizung für eine Runde an, aber nach 10 Minuten ging sie aus und beim erneuten zünden ging wieder nichts. Irgendwie nervt diese Heizung!



  
Nach einigen Starts während unseres allmorgendlichen Kaffees, machten wir uns auf um Internet zu finden. Fastfood Filialen sind Anlaufstellen, oder Super-/Baumärkte. In Nordamerika ist es auch am Sonntag kein Problem ein offenes Einkaufszentrum zu finden, oder nachher die RV-Händler (Händler für Campmobile) oder Batterieshops. Zuerst versuchten wir unser Glück bei einem Batteriehändler. Sie prüften sofort unsere beiden 12 V Varta Batterien und siehe da, eine der beiden war Sondermüll. Obwohl die Anzeige uns volle Leistung signalisierte betrieben wir unsere gesamte Elektronik im Innenraum mit nur einer Batterie. Dies war für uns auch der Grund warum die Heizung nicht funktionierte. Wir hätten die Batterien sofort tauschen können, die passende Größe war vorrätig und die gespeicherte Leistung wäre sogar um ein paar Amperestunden höher gewesen. Diese Batterien wären auf Grundlage einer moderneren Technik und noch robuster und langlebiger bei maximaler Leistungsabgabe. Der Haken... 500 US-Dollar pro Stück, also für 2 Batterien, da wir nicht eine Varta und eine der neuen zusammenschließen könnten, 900 Euro. Gefiel uns ganz und gar nicht diese Vorstellung.
Der RV-Händler, könnte erst am Montag Batterien bestellen, aber zu ähnlichem Preis. Keine Verbesserung.
 
Genervt, da der halbe Tag schon rum war, fuhren wir einige Meilen aus der Stadt heraus um am Eklutna See eine Wanderung auf die Twin Peaks zu starten. Einziger Lichtblick war die Schwarzbärin mit Junges beim Einfahren in den Park. Der Wanderweg war todlangweilig und die Aussicht bescheiden. Na toll.


  
Einen angeblich traumhaften Blick auf Anchorage soll man vom Flat Top Mountain haben. Der liegt natürlich wieder in der entgegengesetzten Richtung und wir auf Highway 1 wieder nach Anchorage und quer durch die Stadt, um uns dann einen elend langen Anstieg hinaufzuquälen. Quer durch Wohnsiedlungen, in Serpentinen oft nur im zweiten Gang. Da kam Freude auf bei den Fahrern hinter uns. Am Ende der Straße ein riesiger Parkplatz und gleich ein zweiter falls der erste überfüllt sei. Kaum zu glauben, aber beide waren picke packe voll. Wir kreiselten so lange bis alle Schaulustigen sich die Hälse um 720° verdreht hatten, um dann direkt an der Straße zu parken . Wir sind keine 10 Meter weit gekommen, da hielt schon ein Auto neben uns. Der Fahrer, ein Anwohner dieser Gegend, wollte uns warnen dass ein Ticket 150 US-Dollar Bußgeld bedeutet und dass die Polizei vor allem am Wochenende immer wieder kontrolliert. Na toll.
Also sind wir nicht auf den Flat Top Mountain, sondern nur an einen Aussichtspunkt. Zu sehen ist das westliche Anchorage mit dem Flughafen und dem See der unseren geliebten Wasserflughafen beherbergt. Im Hintergrund die Vulkankette zu dem Ring of Fire gehörend.
Zurück zum See und die Heizung gab wieder nur ein Lebenszeichen von sich. NERV.


  
Montag und der erste Besuch galt dem Internet und anschließend der Einwanderungsbehörde, um unser Visaanliegen zu klären.
Nummer ziehen und einen Vordruck ausfüllen, alles sehr ähnlich wie in Deutschland. Metalldetektor gehört ebenso zum Geschäft wie Sicherheitsbeamte. Schon zwinkerte der deutsche Wachposten.
Nach einigen Minuten waren wir am Zug. Sehr schnell wurde uns die Illusion genommen, dass es nur halb so einfach und schnell ginge wie die Einreisebeamtin an der Grenze meinte. Entgeistert schaute diese Beamtin unsere Pässe an und meinte wir hätten noch ein gültiges Visum für fünfeinhalb Monate. Wozu um alles in der Welt wollen wir jetzt schon unser Visum verlängern? Gute Frage, weil es einfacher sei in Alaska? Stirnrunzeln war die Konsequenz, naja vielleicht war es die falsche Antwort. In deutlich kühlerem Ton erklärte sie uns, dass wir 2 Dokumente downloaden müssen, beide ausfüllen und eine schriftliche Begründung ablegen müssen warum wir länger in den US verbleiben wollen. Wir beide müssten dies tun, die Gebühren wusste sie nicht genau, die Bearbeitungszeit dauert ca. 4 Wochen. Erwähnte ich, dass eins der beiden Dokumente 32 Seiten umfasste? Na toll, so einfach wird es wohl doch nicht eine Verlängerung fürs Visum zu bekommen.
Wir verließen die Behörde und wussten eine Verlängerung beantragen wir nicht.
 
Auf unserem Weg zum nächsten Stopp hielten wir kurz am Supermarkt um 2 Dinge zu besorgen. Erstens einen tragbaren Propanheizer mit 3 1-Pfundflaschen Gas und ein Bärspray, das uns jeder in Anchorage dringendst empfohlen hat wenn wir in die Kenai Halbinsel wollen. Dort gäbe es riesige Grizzlybären zuhauf und wandern ohne diese Megaausgabe eines Pfeffersprays sollte man erst gar nicht erwägen. Irgendwann waren wir überzeugt, dass wir diese handliche Spraydose unbedingt brauchen. Übrigens muss man beim Grenzübergang nach Kanada angeben, dass man Bärspray mit sich führt. Ich glaube die Alaska-Ausgabe ist dort verboten, da zu heftig...
 
Der nächste Stopp dauerte nur 15 Minuten und kostete uns 900 Euro. Ihr wisst von was ich rede. Simone hatte genug Zeit im Internet um nun als Fachfrau für 12 Volt Batterien geführt zu werden. Die Batterien kosten auch zu Hause genauso viel und die Technik ist spitze. Der Einbau war im Preis inbegriffen und somit hieß es Augen zu und durch.
 
Wir steckten direkt das Ladekabel ein und machten uns auf in die Kenai Halbinsel.
 
Gerüstet mit Propanheizer und Bärspray,
die Heizungsjungs
 

Freitag, 16. Oktober 2015

Es wird tierisch (18.08.2015 - 21.08.2015)


@ Martin: Heute gehen unsere Geburtstagswünsche zu dir nach Karlsruhe. Happy Birthday und möge das Spielbrett mit dir sein!
 
Nach einer weiteren kurzen Nacht begaben wir uns auf den Parks Highway. Dieser verbindet Fairbanks mit den Vororten von Anchorage und ist in etwa 520 Kilometer lang (Kartenlink). Waren die ersten beiden Stunden landschaftlich noch etwas langweilig, nähert man sich unweigerlich dem Denali Nationalpark und damit einer Hauptattraktion.
Denali ist die indianische Bezeichnung für „Der Hohe“ und niemand anderes als der höchste Berg Nordamerikas ist gemeint. 6.194 m hoch ist der immer schneebedeckte Gipfel und wurde nach einem US-Präsidenten Mount McKinley benannt. 14 Tage nach unserer Ankunft im Nationalpark besuchte Präsident Obama Alaska und ehrte die Urbevölkerung indem er den Berg offiziell wieder in Denali umtaufte. Heute heißt der Berg Denali und liegt im gleichnamigen Park, inmitten weiterer Gipfel und einer immens riesigen geschützten Wildnis.
Damit die Wildnis wild bleibt, darf jeder Besucher auf eigene Faust nur ein paar Kilometer in den Park vordringen. Eine Straße führt bis zum Ranger-Häuschen und da ist Schluss, außer man hat eine nicht gerade billige Tour in den Park gebucht. Zur Auswahl standen vier Touren, die sich in ihrer Fahrtlänge unterschieden aber alle der selben Straße folgen. Es gibt nur eine und dies erleichtert die Tourbuchung enorm. Es geht schlussendlich nur um die Zeit, die man im Park verbringen möchte und wie weit man vordringen mag. Logisch, um so länger man im Bus sitzt, um so höher die Wahrscheinlichkeit, dass man auch Wildlife also Viehzeug sehen wird. Wir entschieden uns für einen 11-stündigen Bustrip (retour) bis zum Wonder Lake, direkt am Fuße vom Mount Denali. Am Folgetag sollte es um 6.45 Uhr losgehen und wir waren 110 Dollar leichter. 80 Dollar investierten wir zusätzlich in einen Jahrespass für alle US-Nationalparks, einschließlich aller als „National Forest“ bezeichneten Wälder.
 
Da dies erledigt war, sind wir am Nachmittag besagte Kilometer in den Park eingefahren und zwei kurze Wanderungen gelaufen. Als wir auf dem höchsten Punkt des Savage Alpine Trails angelangt waren, fing es an in Strömen zu gießen, der Wind zerrte an unserer Regenkleidung und die Sicht in die weite Landschaft nahm rapide ab. Dies sollte ein Vorgeschmack für den kommenden Tag werden.
Kalt und tropfend mussten wir am Abend wieder aus dem Nationalpark fahren um ein Lager in dem sehr touristischen Umfeld der Parkeinfahrt zu finden. 20 Minuten entfernt fanden wir eine Stelle am Fluss in unmittelbarer Nähe zu einem Hotel. Hotelgäste parkten um uns herum und wir versuchten unser Glück. Alles ging gut und so machten wir uns bereit, um 5.15 Uhr aus den Federn zu kommen.



     
Die amerikanischen Digitalwecker haben nur 12 Ziffern und somit habe ich (Simone) leider den Wecker auf nachmittags anstatt auf morgens gestellt. Um kurz nach sechs wachte ich auf und dann fing der Morgen erst mal ziemlich stressig an. Wir hätten es pünktlich geschafft, wenn nicht alle Baustellen auf unserer Strecke für uns das Stoppschild parat gehabt hätten. Unser Glück: Unser Busfahrer war auch um 15 Minuten zu spät und somit haben wir es doch noch geschafft.

Wie war das Erlebnis Denali NP?
Wie in gemütlichen alten Schulbusen zockelten wir auf einer Schotterstraße in den Park. Kaum hinter dem Rangerposten fing der Nieselregen an und die tiefhängenden Wolken verzogen sich den ganzen Tag nicht wieder. An mehreren Orten im Park wurde eine kurze Pause eingeräumt um gewisse menschliche Bedürfnisse zu erledigen. Unser Fahrer hielt an jeder Tiersichtung, von einer Henne bis zum Bären. Wir Insassen durften wild darauf los rufen, wenn wir etwas erspäht hatten. Wir hielten so lange, bis auch der eifrigste Fotograf genügend Bilder im Kasten hatte. Unser Endpunkt lag wie gesagt am Wonder Lake, 136 Kilometer im Park und hätten wir einen der seltenen sonnigen Tage im Park erwischt, hätten wir den majestätischen Denali genau vor uns gehabt. So habe ich (Stefan) ein Bild über den See aufgenommen und den Fahrer gefragt wo der Berg exakt läge. Der meinte genau in deinem Rücken. Meine berühmte Ortskenntnis...
Man kann und dies ist wiederum sehr interessant, überall aussteigen und los wandern. Man kann späteren Busen durch Zeichen verstehen geben wieder einsteigen zu wollen, um so weiter in den Park oder zurück zu kommen. Vereinzelt sahen wir Wanderer die querfeldein in der Natur unterwegs waren, denn Wanderwege gibt es keine und es darf gelaufen werden wo man will. Übernachten mit Zelt geht auch, wenn man sich im Vorfeld eine Erlaubnis in Form von Dollarscheinen eingeholt hat.
Wie war es weiterhin, schlichtweg kalt und feucht. 3°C am Wonder Lake, da hatten auch die Blaubeeren nicht viel Geschmack. Laut Busfahrer ist der Mt Denali einer der Berge mit dem höchsten Anstieg weltweit. Vom See geht es auf, ich glaube über 5.200 Höhenmetern hoch bis zum Gipfel. Der Mt Everest hat etwa 3.000 Meter Anstieg, da seine Basis im Himalajagebirge schon viel höher liegt.
Unsere Ausbeute, wenn man so sagen mag: 10 Elche, 7 Dallschafe, 2 Dutzend Rentiere (Karibus), 7 Grizzly Bären und einen Wolf. Dazu kamen noch Hühnervögel, Greifvögel und Wiesel. Der Wolf war schon ein Glücksfall, da nur 48 Exemplare in diesem riesigen Areal leben .








 
Trotz scheußlichem Wetter hatten wir einen super Tag und einen noch besseren am folgenden.
Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir auf dem Parks Highway weiter in den Süden und passierten bald die ersten Stellen, an denen der Mt Denali zu sehen war. Und diesmal war nichts mit Wolken oder Nieselregen. Einfach nur klar und voll präsent. Bitte schön...




 
Nach diesen tollen Ausblicken, umrundeten wir den Byers See zu Fuß und fuhren im Anschluss weiter auf dem Highway bis wir die Abfahrt über den Hatcher Pass erreichten. Dies sollte Panchos letzter Kraftakt für diesen Tag werden und was für einer es wurde!




Sobald der Anstieg begann, wurde aus Asphalt wieder Schotter und so ging es durch atemberaubender Natur in steilen Serpentinen 35 km hoch auf die Passhöhe. Wir hielten ununterbrochen, um ein weiteres Foto zu schießen, Beeren zu futtern oder einfach nur die Aussicht zu genießen. Am späten Nachmittag waren wir am Pass und dem Summit Lake angekommen. Wir parkten nicht weit von der Passhöhe und grillten während einem fantastischen Sonnenuntergang mal wieder Lende. Ist das günstigste Stück Fleisch was im allgemeinen im Supermarkt ausliegt.
Die Temperaturen fielen in den Keller und am morgen hatten wir 0,5°C und trotz klarer Nacht keine Polarlichter.







 
Den Pass flogen wir förmlich hinunter und kurz nach dem Mittag waren wir in Anchorage. Zuvor legten wir noch einen Stopp im Iditarod Museum ein. Es ist Veranstaltungsort für das bedeutendste, vielleicht nicht bekannteste, Hundeschlittenrennen der Welt, dem Iditarod Trail Sled Dog Race. Seit 1973 wird dieses Rennen jährlich ausgetragen und geht auf eine Diphtherie Epidemie in Nome an der Beringstraße im Jahre 1925 zurück. Das Serum wurde damals über 1.770 km per Hundeschlittenstaffel nach Nome transportiert. Die heutige Rekordzeit liegt bei 8 Tage, 18 Stunden, 46 Minuten und 39 Sekunden aus dem Jahre 2011.
Das im Museum gezeigte Video gab tolle Einblicke in das Leben der Hundeschlittenführer, die gleichzeitig auch Züchter sind. Sie arbeiten eng mit Wissenschaftlern zusammen und auf ihr Wissen beruhen viele Rezepturen für Spezialfutter. Die Schlittenhunde von heute sind weniger Kraftpakete als viel mehr schnelle und ausdauernde Renner mit vielen interessanten körperlichen Sonderheiten.

Genug der Hunde, Anchorage will auch erzählt werden.

Bis zum nächsten Mal in Alaskas größter Stadt,
Pancho mit Simone und Stefan