Freitag, 25. Dezember 2015

Unterwegs in den nördlichen Kaskaden (03.10.2015 - 08.10.2015; aktueller Standort: Flagstaff, Arizona)

Angekommen in den Nordkaskaden verbrachten wir den Tag der Deutschen Einheit auf einer genialen Wanderung unterhalb des Mount Baker. Der immer schneebedeckte Stratovulkan ist 3.286 Meter hoch und zeigte sich bei strahlend blauem Himmel von seiner besten Seite.
Eine weitere Straße führt von der Nordseite an den Vulkan, von wo etliche Wege auf den Hochebenen oberhalb der Baumgrenze zu Ausblicken über die Bergwelt einladen. Auf diesen Abstecher verzichteten wir, auch wenn jedermann davon schwärmte wie schön es dort oben sei. Wir beschränkten uns auf die Südseite des wunderschönen Berges.
Als wir von dem 25 km Marsch zurück waren (im Gepäck einen 800 Gramm schweren, aber wie sich leider später herausstellte total verwurmten Steinpilz), fuhren wir weiter zum nächsten Ausgangspunkt einer Wanderung. Dort oben in den Wäldern an der Flanke des Vulkans verbrachten wir die Nacht (Kartenlink).

Wir liefen dort an der Südostflanke von Mt Baker und sahen unsere erste Eule in freier Natur. Kaum erspäht segelte sie lautlos durch die Tannen hinfort. Dann ging es ein paar Kilometer weiter in den Nationalpark der Nordkaskaden und eine weitere holprige und steile Anfahrt zum nächsten Beginn einer fantastischen Wanderung stand an. Fast alle Wegpunkte entlang des Highways 20 lagen etliche Kilometer abseits der Straße, nur erreichbar über Serpentinen auf zum Teil abenteuerlichen Pisten. Pancho wurde gequält, hielt aber standhaft durch.

Der dritte Tag, bei gleichbleibendem perfektem Herbstwetter, brachte wieder einen atemberaubend schönen 21 km Hike über zwei Pässe und an zwei toll gelegenen Bergseen vorbei. Die Tage waren angenehm warm, nicht zu warm zum wandern, aber nachts gingen die Temperaturen auf 5°C runter. Unsere Heizung hatte immer wieder kleinere Aussetzer und dann musste der Propanstrahler ran. Dies war die Zeit, als wir Panchos Innere nicht immer komplett trocken bekamen, manchmal war es klamm und vor allem nachts beschlugen die Kältebrücken im Bereich der Decke und der Verschraubungen schon ziemlich. Neues Übel, von dem wir zu diesem Zeitpunkt noch nichts ahnten, bahnte sich seinen Weg zu uns. Es sollte noch einige Wochen im Verborgenen schlummern...

So genug der Worte, wie angekündigt gibt es heute Bilder satt und wer noch mehr von Mt Baker sehen möchte muss sich entweder gedulden bis wir Washington State auf unsere Webseite online haben, oder soll uns einfach schreiben. Wir können Abhilfe schaffen, garantiert .





























 
Nach diesen Tagen auf der Westseite der Kaskaden ging es über den höchsten Straßenpass innerhalb des Nationalparks, dem Washington Pass auf die Ostseite. Wir wurden vorgewarnt, dass die Ostseite kaum Regen abbekommt und die Westseite die grüne Bergwelt besitzt, aber dies war dann doch reichlich krass. Der 1.669 m hohe Washington Pass spaltet förmlich das Gebirge und in einer aus der Eiszeit stammenden Moräne ging es im Sauseschritt ins knochentrockene Tal. Es war eine 10 minütige Schussfahrt, einer Fahrt auf dem Jahrmarkt gleich. Das war so cool, am liebsten wären wir nochmal hoch. Aber der Anstieg hätte wahrscheinlich eine Stunde gedauert... Naja auf der anderen Seite war gelbes verdorrtes Grasland, Bäume die nach Wasser lechzten und ein paar Rinder und Pferde verbrachten ihr Dasein auf große Ranches. Die beiden Seiten der Kaskaden hätten unterschiedlicher nicht sein können!
Wie dem auch sei, wir wären noch so gerne länger in diesem Bereich des Nationalparks geblieben, denn dort gibt es Wanderwege im Überfluss. Gefühlt würden wir sagen gibt es dort keinen schlechten. Da wir unsere Route als Rundstrecke ausgelegt haben, kamen wir später ohnehin etwas weiter südlich wieder durch diese Berge. Weitere Wanderungen erwarteten uns.



Nach unserer Talfahrt stoppten wir in Winthrop, einer Westernstadt. Farmland drumherum und für Besucher die Häuserfassaden auf Cowboy Town-Look hergemacht. Die „Stadt“ besichtigten wir am Abend und am Morgen fuhren wir weiter durch die trockene Osthälfte des Bundesstaats, durch besagte Steppe und über Berge. Bevor wir den 250 km langen Roosevelt Stausee erreichten, hielten wir in der größten Ortschaft weit und breit und dort gab es wieder einen Home Depot. Wir lieben diesen Baumarkt. Inzwischen könnten wir ein Buch über diesen Laden schreiben. Tage verbrachten wir zwischen den Hochregalen in dutzenden Filialen, sprachen mit keine Ahnung wie vielen Angestellten und erlebten die tollsten Sachen. So wie diese hier:
Pancho fuhr wie gesagt seit einigen Tagen mit dem gelben Schaumwulst an jedem Fenster durch die Landschaft. Ohne Leiter konnten wir die überstehenden Reste aber nicht entfernen. Unsere kleine Leiter reichte nicht bis ganz hoch an die Fenster und inzwischen hatten wir keine Hemmung mehr in den Home Depot zu marschieren und einfach zu fragen, ob sie uns helfen könnten. Wir haben schon einmal eine Leiter ausgeliehen bekommen und so fragten wir in dieser Filiale wieder, ob wir vielleicht eine Leiter für eine Stunde ausleihen könnten. Wir erklärten kurz unser Anliegen und die Lösung war so einfach wie genial. Der Angestellte strahlte uns an und nickte fleißig. Gar kein Problem wir sollen mitkommen. Er lief los und fragte wie lang die Leiter sein solle, welche Ausführung etc. und blieb schließlich vor der Wand stehen, an der das ganze Leitersortiment des Ladens stand. Ich meinte wir wollen keine kaufen sondern nur ausleihen und er strahlte weiter und nickte weiter und drückte mir (Stefan) eine nagelneue Leiter in die Hand.
Verdutzt nahm ich sie entgegen und durfte damit raus aus den Laden und auf dem riesigen Parkplatz meine Arbeit erledigen. Niemand kümmerte es was wir mit der Leiter anstellten. Aufkleber und Schildchen waren noch überall angebracht und wir versuchten nur ja keins zu beschädigen, keine Macke in die Leiter zu machen und so schnell wie möglich fertig zu werden. Versiegelten den Schnitt an dem Dichtungsschaum noch mit Silikonspray und seit dem haben wir bis heute keinen einzigen Wassertropfen mehr vom Fensterrahmen im Inneren gesehen. Kapitel undichte Fenster abgehakt.
Kapitel Leiter ebenso. Ich brachte sie rein in den Laden und erklärte einer Kassiererin, dass ich sie zurück geben möchte. Sie dachte ich hätte sie gekauft und wolle mein Geld zurück und ich war so ehrlich und meinte wir hätten sie nur kurz ausgeliehen und gehört uns nicht. Dann auch dort das Strahlen und Nicken. Sie bedankte sich bei mir! Abermals verdutzt verließ ich den hochgeschätzten Home Depot.



Der Roosevelt Stausee ist das Ergebnis des Coulee Staudamms, der den Columbia River bis an die Grenze zu Kanada aufstaut. An seinem Ufer verbrachten wir die Nacht und besichtigten am kommenden Tag den Staudamm kostenfrei. Eine beeindruckende Anlage und das über Jahre hinweg größte Betongebäude gemessen am Bauwerksvolumen der Welt. Ein in China stehender Staudamm hat dem Coulee Damm diesen Titel 2003 abgenommen. Seitdem liegt er auf Platz 2 und hat eine Länge von 1.592 m. Er ragt 167 Meter über dem Flussbett auf und es wurden 9.155.944 Kubikmeter Beton verbaut. In den USA wird in großen Dimensionen gedacht . Verblüffend die Baukosten nach denen ich fragte. Das gesamte Konstrukt wie es heute Strom produziert kostete genauso viel wie ein Dreamliner von Boeing, ca. 335 Millionen US-Dollar. Fand ich gar nicht mal so viel für diesen Koloss.


Auf der Weiterfahrt auf Highway #2, passierten wir überraschend unseren ersten kleinen Canyon am Banks Lake. Das erste Ahhhh Erlebnis im Hinblick auf Canyons. Vorbei an Obstplantagen-Oasen ging es langsam wieder in die westliche Region der Berge und somit wieder in die grünen, bzw. herbstlich gelben Wälder von Washington State.
Wir sahen einige Wasserfälle entlang der Straße (z.B. Deception Falls, aber weniger aufregend) und wanderten zum Bridal Veil Wasserfall hoch. Wollten von dem schönen Wasserfall weiter hoch durch den schwülen Wald zu einem angeblich pittoresken See, aber wir beide kamen überein, dass diese Strapaze an diesem Tag zu viel war. Keine Ahnung wieso, aber wir waren sowas von ausgepumpt. Nichts ging mehr und wir mussten selbst bergab anhalten um zu verschnaufen. So nutzten wir die Zeit anderweitig. Haare schneiden, putzen, umräumen, Wäsche machen, Dinge eben die auf solch einer langen Reise auch zum Alltag dazugehören. An der Wäscherei durften wir über Nacht stehen bleiben und konnten deren Internet nutzen. Gut für uns, denn so konnten wir an der Sultan Laundry die letzten Einzelheiten für unseren Besuch in Seattle ausfindig machen. Dorthin, in die größte Stadt des Nordwesten der USA ging es am nächsten Tag. Gespannt waren wir, das könnt ihr uns glauben. Davon mehr im nächsten Beitrag.



 
Schöne Feiertage und winterliche Grüße!

Dienstag, 22. Dezember 2015

Ankunft in den Lower 48 (29.09.2015 - 02.10.2015; aktueller Standort: Springdale, Utah)

@ An euch allen, die uns auf unser Abenteuer begleiten: Merry Christmas und wir hoffen ihr bleibt am Ball. Vielleicht schaffen wir es irgendwann etwas aufzuholen .

Packen wir`s an.
Die Fähre von Sidney schipperte bei sonnigem Wetter durch die Inselwelt der San Juan Islands, legte an einer an (bereits auf US-Territorium) und vollendete ihre Fahrt in dem kleinen Städtchen Anacortes (Kartenlink). Anacortes liegt gleichfalls auf einer der vielen Inseln, Fidalgo Island, die zwischen Vancouver Island und dem Festland bis hinunter nach Seattle im Pazifik liegen.


Wir verließen als erste das Schiff und mussten am Zoll unsere Tüte mit Lebensmittel vorzeigen. Warum die Knoblauchknolle und der Ingwerrest aussortiert wurden bleibt dem Beamten sein Geheimnis. Vielleicht ist es ihm ausgegangen...? Das restliche Gemüse/Obst durften wir behalten und somit war es amtlich.
Wir waren im Bundesstaat Washington State in den United States of America angekommen! Oder salopp in den Lower 48, wie jeder in Alaska das Kerngebiet außer Hawaii und Alaska nannte. Es scheint aber nicht herablassend zu sein, denn auch etliche Menschen in denen von uns besuchten Bundesstaaten benutzten diesen Ausdruck. Falls die Information die wir bekamen stimmte, ist Washington State einer der ärmsten Bundesstaaten der USA. Ca. 7 Millionen Menschen leben in dem Staat der flächenmäßig auf Platz 18 liegt. Der Beitritt zu den USA erfolgte als 42ster Staat.

Und wem die Zahlen nichts bedeuten sollte sich wenigstens eins merken. Wir kamen hier an ohne viel Ahnung über den Bundesstaat zu haben. Seattle sicherlich schon gehört und in meinem Fall (Stefan) auch vom Olympic Nationalpark. Wir haben nicht viel erwartet und dachten da sind wir schnell durch. Ganz großer Fehler, Washington State war der Hammer und wir verließen den Nordwesten der USA auch nur, weil der Winter ja dann doch mal Einkehr hält.


Anacortes gefiel uns auf Anhieb und in der Touristeninformation bekamen wir mehr als genug Kartenmaterial und Routenvorschläge von einem Rentnerpärchen. Die waren drollig, markierten Strecken und diskutierten über Wetterverhältnisse in den Rocky Mountains, erklärten uns wie wir Mitglieder bei den Supermarktketten werden und wo wir am besten in der Stadt für die Nacht parken könnten. Über eine Stunde verbrachten wir dort und gingen danach direkt zum Safeway, einem der Supermärkte die an der Westküste weit vertreten sein sollen. 5 Minuten später waren wir Mitglieder und hatten unsere erste Plastikkarte aus den USA. War nicht die letzte.
Kurz, da es mir gerade einfällt. In kommunalen Touristenbüros trafen wir in Kanada und auch in den USA sehr oft Rentner an, die freiwillig diesen Service übernehmen. Finden wir echt spitze, nur manchmal dauerte es etwas länger, wenn Information aus dem WEB zu suchen waren.

Wir fuhren hoch zum empfohlen Aussichtspunkt und es wurde uns nicht zu viel versprochen. Der Blick war grandios und wir kamen genau richtig zum Sonnenuntergang. Ein Plätzchen für die Nacht zu finden erwies sich allerdings als ziemlich schwierig und wir fuhren nach Anacortes zurück und blieben einfach in einer Seitenstraße im Hafengebiet am Straßenrand stehen. Am Morgen schlenderten wir durch die Straßen, kauften eine Dichtungsmasse für unsere Fenster (Vancouver Island und der Starkregen lassen grüßen) und konnten natürlich nicht widerstehen einen Blick in die örtliche Bäckerei zu werfen. Die Zimtschnecke war genauso lecker wie in Kanada. An der Werft vorbei, in der zur Zeit die größten, hochmodernen Fischkutter gebaut werden und einen kleinen Hügel hoch. Der Blick aufs Meer und auf die Stadt in der Morgensonne hat sich gelohnt.




Auf diesem Spaziergang entschieden wir uns schweren Herzens zum Verzicht auf den Yellowstone Nationalpark. Es sind über 1.000 km reine Fahrt und der Winter soll dort in kürzester Zeit kommen. Wir wollten ihn unbedingt sehen, aber dafür alles andere zu vernachlässigen und obendrein vielleicht mit verschneiten und gesperrten Straßen vor Ort zu kämpfen wollten wir ebenso wenig. Was wir damals nicht wussten. Wir bekamen schönstes Herbstwetter in den Nordkaskaden und im Olympic NP. Wer möchte sich da noch beschweren?
Da wir nun nicht zu den Rocky Mountains fahren werden, begleiten uns die Kaskaden und die Sierra Nevada weiter auf unserm Weg in den Süden.

Wir verließen Anacortes und machten uns auf den Weg nach Everett über den Highway 20 und dem Deception Pass. Hier im gleichnamigen State Park kauften wir uns den Washington State Park Pass für lächerliche 30 Dollar (zur Zeit sind US-Dollar und Euro fast gleich) und wanderten auch direkt los durch den Wald und mal wieder einen Hügel hoch um die Aussicht zu genießen. Der Pass berechtigt uns zum Zutritt zu allen 128 State Parks in diesem Bundesstaat für ein Jahr.
Immer wenn es Berge hoch geht, schlägt meine (Stefan) Widdernatur durch, den Krebs in Simone zieht es mehr ans Wasser, am liebsten ans Meer.




Mit der Fähre setzten wir von der Halbinsel nach Mukilteo über und fuhren nach Everett, dem Sitz von Boeing. Der Abend nahte und der Parkplatz des Baumarktes Home Depot kam in Sicht. Zeit genug um die Dichtmasse in die Fensterfugen zu drücken. Geparkt, alles vorbereitet und dann stellte sich heraus, dass das Zeug sich kaum verschmieren ließ. Super zäh und klebrig konnten wir es kaum aus der Kartusche pressen und nach dem Versuch es an Ort und Stelle zu bekommen nicht mehr vom Handschuhe lösen. Unser Problemkind das hintere Fenster verarzteten wir notdürftig, auf die Seitenfenster hatten wir keine Lust mehr. Rein in den Baumarkt und nach einer weiteren Option gesucht. Wir fanden Dichtungsschaum für den Außenbereich, das gelbe Zeugs mit dem man Fensterrahmen ausspritzt wenn man ein neues Fenster einsetzt. Jetzt müssen wir nur noch auf mehr als 18 Grad warten, dann können wir diesen Versuch starten.

Jeden Cent wert war die geführte Tour von Boeing durch das Future of Flight Aviation Center. Für die 90 Minuten Runde durch die Fertigungshalle bezahlten wir 1.800 der rostbraunen Centstücke. Singular, die Halle, denn es ist nur eine riesige Halle, genau genommen das größte Gebäude der Welt bezogen auf Rauminhalt. Auf dem Bild sind 6 Tore an der rechten Gebäudeseite zu sehen. Jedes dieser Tore hat die Abmaße eines American Football Feldes (110 m : 50 m). Durch jedes dieser Tore passt nach Vollendung ein komplett neuer Flieger. Die Halle erstreckt sich entlang des ganzen Bildes. Darüber hinaus liegt nebenan eine der längsten Startbahnen der Welt, rechnet man Militärbasen nicht mit ein.
Leider war Kameraverbot, aber wir konnten die verschiedenen Typen (z.B. 747, 777 oder Dreamliner) aus der Vogelperspektive betrachten, wie verschiedene Bauteile montiert, Kabel verlegt, Lack aufgetragen wurde und Tests durchliefen. Die Flugzeuge laufen auf Plattformen, ähnlich einem Förderband, durch eine Halle und beschreiben dabei eine U-Form. Also am Tor gehts los, hinten wird der Bogen beschrieben und zurück am Tor laufen die finalen Tests bevor der neue Jet die letzten Meter aus der Halle rollt. Wahnsinn!!
Unsere Führerin warf mit Unmengen an Zahlen um sich und leider gab es keinen Zettel mit den wichtigsten Eckpunkten, aber ein paar Dinge sind noch hängengeblieben. Für eine Boeing 777 werden 214 Kilometer Kabel verlegt! Kilometer!! Irre!!! Die älteren Typen benötigen die meiste Bauzeit, der Dreamliner läuft am schnellsten vom Band und ist dabei leichter und günstiger als alle Vorläufer. Eine 747 wird in 25 Tagen montiert und haltet euch fest, der Dreamliner wird in 72 Stunden von der ersten bis zur letzten Schraube inkl. Tests fertig gestellt. Nach 3 Tagen läuft der Riesenvogel vom Band. Unglaublich! Der Dreamliner ist um 50 Mio. billiger als die 747 und ist für 325 Millionen US-Dollar käuflich zu erwerben (Listpreis nehme ich an). Ein Drittel sofort, ein Drittel nach Baubeginn und das letzte Drittel mit der Auslieferung. Und wann bekommt ihr euren Flieger? Frühestens 2021 dank voller Bücher!


Auf Empfehlung fuhren wir den Highway 11, eine kleine Nebenroute und schliefen an einem Aussichtspunkt über dem Meer, gegenüber von Anacortes. Der Sonnenuntergang war traumhaft schön.




Die Wanderung durch den Larrabee State Park fiel sprichwörtlich ins Wasser. Im Regenzeug liefen wir am Morgen, gelangten aber schon nach 300 Höhenmetern in die Wolken und folgten lieber einer weiteren Empfehlung nach Fairhaven und einer Pizza im Fat Pie.
Auf dem Highway 20 ging es nach Osten in die Nordkaskaden. Unsere Motivation waren die riesigen Wälder um Mount Baker und den Nationalpark der Nordkaskaden. Ein Besucherzentrum liegt noch außerhalb der Parks und da es schönes Wetter war und über 18 Grad hatte fragten wir nicht nur nach einer Wanderkarte, sondern auch ob sie vielleicht eine Leiter hätten. Leiter, wie? Wir erklärten, dass es für heute zu spät sei noch eine längere Tour zu starten und ein Dichtigkeitsproblem unseres Gefährten zu lösen hätten. Als dann einer der Parkranger aus dem Gebäude kam um Pancho zu betrachten wurde klar warum wir eine Leiter benötigen. War mal wieder klasse. Uns wurde ein spezieller Parkplatz zugewiesen und eine Leiter wurde aus einem Schuppen ausgegraben. Los ging es mit den Vorbereitungen und nach und nach kamen alle Angestellten um einen Plausch mit uns zu halten. Dabei sprühten wir wie die Wilden und schäumten unsere Fenster gelb ein. Jetzt mussten wir noch gut eine Stunde warten bis der Schaum angetrocknet war. Wir luden eine Rangerin zum Kaffee ein, aber sie dürfe nicht annehmen aus Gründen der Verbindlichkeit. Im Gegenzug verriet sie uns wo wir umsonst im Nationalpark schlafen können. Echt jetzt im Nationalpark umsonst campen? Aus dem illegalen wilden campen ein legales Anliegen machen. Seit diesem Tag fragen wir in jedem Park, ob die Möglichkeit besteht irgendwo umsonst zu stehen. Interessant, denn bei fast jedem 2ten Versuch bekommen wir eine positive Antwort.

Als der Schaum fest war (nun mit schönem gelben Wulst um die Fenster), ging es in den Nationalwald am Mount Baker. In Nationalwälder darf überall frei gecampt werden. Dies gilt für ganz USA.

BC ist fertig auf unserer Homepage hochgeladen und mit reichlich Bildern geht es im kommenden Blog weiter... in diesem Sinne


Donnerstag, 17. Dezember 2015

Ein Schlusswort auf Kanada (aktueller Standort: Las Vegas, Nevada)


In 160 Tagen durchquerten wir Kanada vom Atlantik bis hin zum Pazifik, vom südlichen Victoria bis hin zum Polarkreis. Dabei lernten wir Kanadas intakte Natur lieben und dessen Volk sehr zu schätzen.

Wir sammelten ausschließlich positive Erfahrungen und davon reichlich. Dass wir kein Fastfood mögen, oder riesige Einkaufszentren zum Bild Nordamerikas gehören, können und wollen wir gar nicht bemängeln. Ist eben so.

In 160 Tagen erlebten wir so viele schöne Momente, trafen auf riesigen Zuspruch in der Bevölkerung und erfuhren Orte, die zum Verarbeiten weit mehr Zeit benötigen als wir für unsere Reise geplant haben. Interessanterweise stehen auf unserer Top 5 (Homepage) zwei Inseln ganz oben. Neufundland im Atlantik und Vancouver Island im Pazifik könnten unterschiedlicher kaum sein und doch faszinierten uns die beiden Eilande Tag für Tag, Stunde für Stunde und Moment für Moment. Es vergeht und wir sind schon seit 3 Monaten in den USA kaum ein Tag, an dem wir nicht über die eine oder andere Begebenheit an diesen Orten reden.
Als Einzelereignis steht womöglich die Fahrt auf dem Dempster Highway ganz weit oben. Atemberaubende Schönheit traf auf Einsamkeit.
Generell ist Einsamkeit auf vielen Straßen Kanadas zu finden... wenn nicht gerade ein Tier meint die Straßenseite wechseln zu müssen. Die Zählung der Elche gaben wir auf, Rehe sahen wir einige Hundert, Bisons einige Dutzend, Füchse einige und Kojoten 2. Wir sahen 20 Schwarz- und 6 Grizzlybären.

In 160 Tagen fuhren wir auf besagten Straßen 27.919 km. Zu Fuß legten wir auf Wanderungen 1.527 km zurück.
Im Schnitt fuhren wir also 174,5 Kilometer am Tag und liefen auf ausgewiesenen Wegen 9,5 Kilometer.
Pancho wollte als Gegenleistung Diesel im Wert von 4.275 Euro was 26,7 Euro am Tag, oder 15,3 Cent pro gefahrenen km entspricht. Darüber hinaus beanspruchte er 405 Euro für Reparaturen und Serviceleistungen. Dies macht 2,5 € am Tag, oder 1,5 Cent pro geleisteten Kilometer. Alles in allem also ca. 30 Euro am Tag für unseren Reisegefährten.

In 160 Tagen verbrachten wir 3 Nächte im Hotel. Dies waren unsere ersten 3 Übernachtungen in Halifax nach unserer Ankunft. 220 Euro, oder 1,4 Euro auf unsere Tage in Kanada umgerechnet.
Transporte und dort vor allem die Fährverbindungen schlugen mit 642 Euro zu Buche. Stolze 4 Euro pro Tag, ganz schön viel wie wir finden.
Insgesamt war Pancho mit uns 12 mal auf Wasser.

In 160 Tagen hatten wir restliche Ausgaben von 6.490 Euro. Egal ob Lebensmittel, Eintrittsgelder, Werkzeuge bzw. Baumaterialien, Restaurantbesuche und Kneipenaufenthalte. Zu Zweit benötigten wir 40 Euro und 50 Cent am Tag. Dies wiederum empfinden wir als ziemlich guten Schnitt.

In 160 Tagen belief sich das Grand total auf 12.032 €, oder 75 Euro am Tag. Viel Geld? Zu viel? War es das wert?

Ja es ist viel Geld, aber zu viel sicherlich nicht. Das Erlebte und die dauerhaften Erinnerungen an ein großartiges Land sind für uns weit mehr wert und unbezahlbar. 75 Euro am Tag waren mehr als gut investiert.
Kanada war jeden Cent wert und wir möchten eines Tages zurück kehren, um aufs neue einzutauchen in die schier endlosen Wälder, durchsetzt mit seinen glasklaren Flüssen und Seen, durchzogen von Gebirgszügen und Prärien, die Kanadas Provinzen einmalig machen und als Gesamtwerk ein Land erschufen, welches zu erleben gilt.

Gefühlsduselei oder nicht, Kanada und seine Menschen waren geil!

Ende ☺