Sonntag, 1. November 2015

Alaska rüstet sich für den kommenden Winter (29.08.2015 - 04.09.2015)


@ Maze: Hi Maze, wir schaffen es dieses Jahr leider nicht zu deinem Geburtstag, sind aber in Gedanken jederzeit bei euch! Von der Küste Oregons alles Liebe von uns beiden .
   
Nach dem letztrigen Mammutbeitrag, heute wieder ein etwas kürzerer. Hoffentlich...
   
Die Berge rund um Anchorage hatten sich mit unserer Rückkehr von der Kenai Peninsula zugezogen und eine halbe Stunde später sahen wir die Spitzen mit dem ersten Schnee des baldigen Winters weiß schimmern. Dies bezeichnen die Einheimischen als „Termination Dust“, da das erste Weiß das Ende des Sommers ankündigt.
    
    
   
Auf dem Weg durch Anchorage zu einem südlich gelegenen Marschland trafen wir am Morgen inmitten der Innenstadt auf eine Elchkuh mit Junges. Sie verließ gerade die Shell Tankstelle und trabte weiter über den Parkplatz eines Supermarktes. Im Marschland waren nur ein paar Enten zu sehen und so ging es bald wieder zurück in die Stadt um Internet anzuzapfen. Wir suchten nach Adressen, die Campmobile reparierten bzw. die Erfahrung mit unserem Heizungsfabrikat hatten.
Der Rest des Tages verbrachten wir in der Stadt, schauten ein paar Anglern beim erfolglosen fischen zu und fuhren zum gefühlt 500sten Mal die gleichen Straßen durch die City und natürlich wieder zum Lake Hood und dem Besucherparkplatz des Wasserflughafens.
   
Am Montag erfuhren wir schnell, dass die Werkstätten uns nicht weiterhelfen konnten und die einzige Adresse, die an Webasto Heizungen arbeitete 150 US-Dollar pro Stunde verlangte. Sie veranschlagten 2 Stunden Arbeitszeit. Inklusive Steuer also etwas um 330 Dollar plus etwaige Ersatzteile und die Zeit diese einzubauen. Wir bedankten uns und fuhren fluchend weiter.
Unsere Batterien arbeiteten tadellos. Dies haben wir zuallererst beim Verkäufer nachprüfen lassen.
   
Mister Obama war seit Samstag in der Stadt und hielt am heutigen Tag eine Rede. Wir hofften dieser Rede vielleicht beiwohnen zu können, aber es war aus Sicherheitsgründen nichts herauszufinden. Endlich trafen wir jemanden, der meinte gehört zu haben, dass die Ansprache des Präsidenten vor der US-Truppe auf einem großen Militärstützpunkt sei. Ohne Öffentlichkeit.
Dann eben nicht... wir besuchten einen Baumarkt und kauften ein ordentliches Voltmeter und diverse Kabelverbinder. Wir waren gerade am Gange die ersten Kabelverbindungen zu lösen und zu erneuern, als wieder ein Auto neben uns hielt und ein Herr um Pancho lief. Er fuhr weg und kam 10 Minuten später wieder. Diesmal rief er nach uns und wie der Zufall so will, traf uns ein reicher, sehr reicher etwas verstreuter Arzt. Er war der Chef eines Hospitals in Anchorage und hat sich einen nagelneuen Unimog in Deutschland gekauft, über das Internet zum Expeditionsmobil umbauen lassen und ist dann nach Deutschland geflogen und hat Europa bereist. Danach gings nach Australien und anschließend wieder heim nach Alaska. Er war stolz zu wissen, dass er den einzigen umgebauten Unimog in ganz Alaska besitzt. Natürlich hatte er eine Webasto Heizung im Auto und einen Diagnosecomputer extra für die Heizung. Er hätte alle Adapter für die verschiedenen Modelle und wenn wir wollen, können wir abends vorfahren und zusammen den Fehler der Heizung auslesen.
Klasse dachten wir und dass er etwas verpeilt war konnten wir verschmerzen.
   
Abends versetzte er uns um eine Stunde nur um festzustellen, dass er doch nicht alle Adapter besaß. Charlie, so sein Name, grillte ein paar Hamburger und machte glaube ich zum ersten mal Ofenkartoffeln. Wir hatten einen informativen Abend und landeten schlussendlich in seiner Hofeinfahrt.
   
Ziemlich genervt wegen der zeitraubenden Aktionen rund um die Heizung machten wir uns endlich wieder auf die Straße (Kartenlink).
   
Auf nach Osten zum Glenn Highway. Die erste Hälfte der Straße führte an Gebirgen entlang und war größtenteils sehr attraktiv. Speziell da die Herbstfarben um uns herum in allen Nuancen schillerten. Honiggelb, kürbisorange, quittenfarben, von beige bis braun und zinnoberrot. Fälschlicherweise dachten wir der Indian Summer, also Spätherbst oder Altweibersommer bezieht sich nur auf die Bäume, aber die komplette Natur inkl. Gräser und Büsche wechselt ihre Farben. Wir haben oft Blaubeeren erwähnt und dies nicht ohne guten Grund. Es gibt einfach keinen Fleck Erde, der nicht grün ist und jetzt sein Herbstkleid trägt. Beerenbüsche sind überall und wenn die Baumgrenze auf den Bergen erreicht ist, überziehen besagte Beeren die baumfreien Regionen bis entweder ganz nach oben, bis nur noch Gestein übrig ist, oder Schnee und Eis die Kuppen bedecken. Jetzt leuchten also die Wälder sowie die Berge und dies schon seit Wochen. Angefangen im Norden von Kanada, erfreute uns der Herbst noch durch Alaska hindurch und um das vorweg zu nehmen auch noch für die nächsten 7 Wochen.
Auf dem Glenn Highway passierten wir den Matanuska Gletscher und mit 1.000 Metern Höhe den Eureka Summit. Die höchste Erhebung ist ungefähr auch der Scheitelpunkt. Danach verflacht die Route etwas.
   







   
Das angeblich sehr hübsche Fischerdorf Valdez erreicht man über eine Sackgasse, die vom Glenn Highway abgeht und durch wunderschöne Natur führt. Ebenfalls soll der Worthington Gletscher bis an den Straßenrand reichen. Gründe genug für uns die 190 km mal eben schnell ans Meer zu fahren. Der riesige Wrangell-Saint Elias Nationalpark begleitet die Strecke zu weiten Teilen und nach 50 km zweigt eine weitere Stichstraße in diesen Nationalpark zu einer Geisterstadt und stillgelegten Kupfermine ab. Ich (Stefan) wollte, wenn wir eh schon Sackgassen fahren, auch den Edgerton Highway und die anschließende McCarthy Schotterstraße fahren. McCarthy da die Geisterstadt diesen Namen trägt. Bis heute war diese Buckelpiste die schlimmste die wir hinter uns brachten. Schritttempo war in manchen Passagen immer noch zu schnell und wir boten einen Anwohner unsere Hilfe an, der von der Fahrbahn rutschte und eine Böschung runter ist. Dachte wohl er kennt alle Löcher und Bodenwellen.
Die Einschläge während der Fahrt waren so heftig, dass die nächste Heizung, die im Fahrerhaus, meinte uns Sorgen zu bereiten. Sie blies am nächsten Tag nur noch Heißluft und wir konnten am Regler spielend, viel zu leicht, die Temperatur einstellen (oder eben auch nicht). Es dauerte noch ein paar Tage bis wir nachschauten und so hatten wir mollig warme, man möchte fast sagen Fenster-runter-T-Shirt Temperaturen in der Kabine. Es war kaum auszuhalten!
Dafür waren wir mit der Überprüfung und Erneuerung der Kabelverbindungen unserer Heizung fertig und siehe da, in der Nacht in der wir -2,2°C hatten lief sie problemlos an. Eine Verbindung war etwas lose und vielleicht war das unser ganzes Problem.
   


   
Nach der mühevollen Anfahrt musste sich das Ziel einfach lohnen. Die Geisterstadt McCarthy war aber alles andere als interessant, 7 Häuser für Touristen hergerichtet inkl Souvenirladen und Outdoor Shop; selbst die Geister sind vor Langeweile geflüchtet.
Die alte Kennicott Kupfermine war schon sehenswerter und was wir nicht wussten bzw. überlasen war der Fakt, dass der Root Gletscher in lächerlichen 2,5 km Entfernung liegt. Obendrein gibt es noch einen Weg dorthin und eine Dame am Infostand bekräftigte, dass man problemlos an den Gletscher heran und auf ihn darauf gelangt. Echt jetzt? Wir versuchten es einige Male und hier war uns gar nicht bewusst, dass ein Gletscher existiert, noch dass man ihn erreichen kann. Es gab kein Halten mehr. Simone auf und davon und ich mit Kamera hinterher.
Es war perfekt. Es war warm, der Weg einfach, der Himmel blau und tatsächlich wir konnten das Eis betreten ohne zu rutschen. Das Eis war an der Oberfläche rau und so konnten wir mit unseren Wanderschuhen ungehindert darauf herumspazieren. Für mich war es das 2te Mal, Simone stand noch nie auf einen Gletscher. Sie war sichtlich ergriffen und somit die Strecke auf der McCarthy Road mehr als lohnend.
 







   
Auf dem Rückweg empfanden wir die Straße als gar nicht mehr so schlimm und selbst die Heizung lief wieder an.
Am nächsten Tag schafften wir auch noch die restlichen Kilometer zurück und haben zum ersten Mal einen Luchs in freier Wildbahn gesehen. Er kam aus dem Gebüsch und ist für vielleicht 20 Meter vor Pancho auf dem Schotter entlang gerannt bevor er auf der anderen Straßenseite wieder ins Gebüsch verschwand. McCarthy ist ne tolle Straße .
Nach so vielen Glückshormonen ließen wir Valdez links liegen und fuhren wieder zurück zum Glenn Highway und direkt weiter nach Tok. Nach einer letzten Nacht in Alaskas Wildnis verließen wir am 04.09.2015 um 10.30 Uhr Alaska, nicht ohne einen kurzen Plausch mit einem Grenzbeamten auf US-Seiten einzulegen. Wir wollten unser Visum austragen lassen, damit wir bei Wiedereintritt in die USA ein neues Visum beantragen hätten können. So weit der Plan und die Hoffnung ein weiteres halbes Jahr genehmigt zu bekommen, wenn wir Kanada verließen. Der stiernackige Beamte, ausgestattet in kompletter Kampfmontur, schob (ungelogen) unsere Pässe mit einem Finger über die Theke zurück zu uns und erklärte wenn unsere Visa abgelaufen sind können wir neue beantragen. Mehr kann er und will er auch nicht für uns tun. Diskutieren zwecklos und so machten wir uns aus dem Staub. Wir passierten kurz hinter der Grenze die Demarkationslinie, die Staatsgrenze die auf dem 141. Längengrad verläuft und durch eine Schneise über 1.000 Kilometer durch Wälder führt. Der kanadische Grenzposten lag allerdings weitere 30 km hinter dieser Markierung.
   

   
Wir hatten eine tolle Zeit in Alaska, Wetter wie es besser kaum hätte sein können und Menschen deren Freundlichkeit kaum zu toppen ist. Einziger Wermutstropfen sind die hohen Preise, nicht nur für Lebensmittel sondern speziell für Ausflüge und Touren. So buchten wir keine Gletschertour per Boot, keine Grizzlybär Watching Tour, keinen Ausflug nach Kodiak Island und ließen auch die Verschiffung von Whittier nach Valdez sein.
   
Es blieben noch 25 Tage für Kanada... wie die Zeit verfliegt.
   
Von Grizzlies und Lachsen,
Pancho mit Simone u. Stefan
   

Montag, 26. Oktober 2015

Kenai Peninsula (24.08.2015 - 29.08.2015)


Vollgepackt mit neuem Spielzeug ging es auf in ein neues Abenteuer. Die Rede ist von der Kenai Halbinsel, welche sich direkt südlich von Anchorage erstreckt und komprimiert alles zu bieten hat, was das übrige Land charakterisiert (Kartenlink).
Pässe überwinden Gebirge, Gebirge tragen Gletscher, Gletscher wandern ins Tal oder stürzen ins Meer und dort liegen pittoreske Fischerdörfer, die russischen Ursprungs sind. Alles garniert mit Grizzlybären .
  
Wir verließen Anchorage auf dem Seward Highway (benannt nach dem ehemaligen US-Außenminister, der Alaska von Russland abkaufte) und folgten dem Meerarm Turnagain bis nach Portage, einem aufgegebenen Ort, der 1964 bei einem Erdbeben völlig zerstört wurde. Am Turnagain Arm ist der zweithöchste Gezeitenwechsel Nordamerikas zu beobachten. Ein Tidenhub von bis zu 11 m wird dort verzeichnet, aber nicht nur dies ist dort zu sehen, mit etwas Glück kann man auch seltene Beluga Wale im Salzwasser sehen. Uns wurde dies vergönnt und während der Fahrt konnten wir die weißen Rücken von einigen Tieren in einer Biegung sehen.
 
  
Von Portage zweigt eine 18 km Stichstraße zum Portage Lake und nach Whittier ab, unserem Tagesziel.
Über den See waren Eiskuppen zu sehen, aber der Portage Gletscher selbst liegt ungesehen hinter einer Bergschulter. Ausflugsboote starten einen Trip über den See, aber uns wurde im Besucherzentrum mitgeteilt, dass man den Gletscher auch zu Fuß nach 4 km erreichen kann. Genau unser Ding. Da der Verbindungstunnel nach Whittier noch gesperrt war, wir kommen gleich darauf zurück, fuhren wir geschwind an den Byron Gletscher und liefen die kurze Strecke an seinem Bachlauf hoch. Leider konnten wir diesen Gletscher noch nicht direkt berühren, aber es liegen ja noch einige vor uns.
  



 
Zurück zum Tunnel: Anton Anderson Memorial Tunnel; genau so und nicht anders, aber wer Anton war wissen wir nicht. Was wir wissen ist, dass der Tunnel 4 km lang ist, die Innenwände größtenteils vereist waren und er der längste Einspur-Straßen-Tunnel von Nordamerika ist, den Bahn und Fahrzeuge teilen. Das war wirklich kurios. Im Besucherzentrum gaben sie Auskunft wann der Tunnel in welche Richtung für welches Gefährt frei ist, d.h. wir konnten in einem 15 minütigen Zeitfenster durch den Tunnel an den Fjord nach Whittier gelangen. Danach ist er offen für die Bahn. Danach haben Fahrzeuge von der anderen Seite eine Viertelstunde Zeit sich durch den super schmalen Tunnel zu bewegen und danach ist natürlich wieder die Bahn am Zuge.
 
 
Auf der anderen Seite des Tunnels wartete für uns prompt der Weg über den Berg zum Portage Lake und dessen Gletscher. Pflichtbewusst hab ich (Stefan) das Bärenspray neben dem Taschenmesser an meinen Gürtel geheftet. Für den Fall der Fälle...
Wie immer ging es erst den Berg hoch, oben gab es wieder jede Menge reife saftige Blaubeeren und dann ging es wieder runter. Von oben hatten wir eine Traumaussicht. Vor uns der See und der Gletscher und hinter uns der Fjord und das kleine Fischerdörfchen Whittier. Auf dem See trieben Eisbrocken, deren Größe zwischen Schuhschachtel bis Garage variierte. Wir umrundeten den See, die Sonne sank tiefer und wir dachten wir seien am Ziel und hätten den Gletscher berühren können, als plötzlich ein breiter Schmelzbach uns den weiteren Weg versperrte. Andere Wanderer versuchten ihr Glück und wateten bis zum Oberschenkel durch das eiskalte Nass, aber auch sie konnten schlussendlich nicht bis an das Eismassiv vordringen. Glück für uns dass wir es nicht versuchten, denn auf dem Rückweg liefen wir ohne Sonne und es wurde merklich frisch. Gut, dass die Heizung mit den neuen Batterien ansprang als wir in Whittier direkt am Fjord das Kochen anfingen.
 




   
Unser Plan am frühen Morgen einen frischen Lachs zu erstehen ging gründlich schief. Es gab nur ein Café und 2 Restaurants und der Fischverarbeitungsbetrieb darf nicht an Privatkunden Fisch verkaufen. Es liefen auch keine Fischerboote in den Hafen ein und da wir noch innerhalb unserer „Tunnelzeit“ waren, gaben wir Gas und verschwanden aus Whittier um zurück auf den Seward Highway zu gelangen. Wir hielten kurz am Explorer Gletscher und warfen einen schnellen Blick in das nahe Flüsschen um Lachse zu sehen, die zur Eiablage in ihr Heimatgewässer zurück kehren. Danach ist für die Fische Schluss. Erschöpft und vergiftet, da sie nichts mehr zu sich nehmen, verenden sie alle.
   

   
Der Seward Highway verläuft fantastisch über Pässe, an riesige Seen entlang bis nach Seward, einem weiteren Fischerdorf an einem Fjord gelegen. Auf dem Weg verführten uns immer wieder Ausgangspunkte zu Wanderungen, aber da wir noch zum Exit Gletscher wollten, verfielen wir nur dem Weg hoch zum Carter Lake. Nach einem guten Anstieg erreichten wir ein Plateau, welches auf beiden Seiten von weiteren Bergkämmen eingesäumt wurde. Dazwischen lag der See und der Weg wäre für weitere 20 Kilometer zwischen den Bergen hindurchgegangen. Es war warm, die Luft so rein und doch beschlich uns ein mulmiges Gefühl, als wir durch brusthohe Sträucher und Gräser unseren Weg an den See bahnten. Das permanente Einreden, von wegen Grizzlies lauern an jeder Ecke, zeigte Wirkung. Da half auch die 260 ml Dose mit Spray nichts. Nach ein paar Minuten an dem gespenstisch ruhigen See kehrten wir um und fuhren zum Gletscher. Einer der wenigen laut Prospekt, an den man auf Kontaktnähe herankommen kann.
 
   
Der Exit Gletscher liegt in unmittelbarer Nähe zu Seward und da Pancho wieder zu viel Zeit an den Anstiegen einbüßte, gingen wir nur zum Gletschermund und nicht den kompletten mühsamen Weg hoch mit dem Ausblick über das Harding Eisfeld. An einem Tag wie dem heutigen muss der Anblick umwerfend sein.
Wir kamen natürlich wieder nicht an den Gletscher. Vor Jahren konnte man ihn berühren, aber inzwischen ist er so weit abgeschmolzen, dass eine große Kluft zwischen Steinwand und Eismassiv herrscht. Trotzdem, wir waren so nahe daran und obwohl sonnig und warm, am Gletscher fühlten wir die kalte Luft und ein eisiger Wind zog vom Eisfeld herab. Großartig!
Die Stadt selbst war auch wieder ernüchternd. Wieder kein Fisch, wir sahen Arbeiter allerlei Fische filetieren, aber auf Anfrage hieß es wieder sie dürften keinen an Privat verkaufen. 2 Jahre früher wäre dies noch gegangen, aber inzwischen seien die Gesetze verschärft und sie hätten keinen Spielraum. Der Herr wählte eine andere Wortwahl, aber die wäre nur frei ab 18.
   


   
Eigentlich planten wir entweder in Whittier oder hier in Seward einen Bootsausflug zu unternehmen, zu Eiswänden bei dem man vom Meer aus direkt unterhalb der Gletscherwände gelangt. Ohne Steuer wollten die Anbieter 150 Euro pro Person und dies wollten wir uns nicht leisten. Also traten wir am Folgetag die Rückfahrt an.

Auf halben Weg zurück nach Portage zweigt der Sterling Highway nach Osten ab. Er verbindet alle im Osten der Halbinsel liegende Städte und ist speziell an der Küste von Kenai bis hinunter nach Homer besonders schön.
Vormittags hatten wir Regen, ein sehr seltenes Erlebnis für uns in Alaska. Wir planten den Weg am Russian River im Vorfeld und so stapften wir in voller Regenmontur los. Im Herbst ist der Fluss jährlich voll von Lachsen und wo Lachse sind, sind zum einen Angler nicht weit (fischen auf Forelle, die die Lachseier fressen) und zum anderen Bären noch näher. Die Angler sahen wir schon auf dem Parkplatz und am Fluss tummelten sie sich, selbst aus Florida waren welche vor Ort. Die Fische sahen wir auch und viel mehr, wir rochen sie. Es stank nach totem Fisch. Gammelgeruch lag trotz des Regens in der Luft. Viele Lachse taten ihre letzten Regungen, viele waren schon von den Möwen aufgerissen. Wir ließen uns nicht beirren und kletterten am Flusslauf entlang bis wir nach 2 Stunden ein trockenes Seitenbächlein folgten, das uns im Bogen wieder zum Ausgangspunkt zurück brachte. Lachse ja, Angler ja, Möwen ja, Bären neeeeein.

Soldotna erreichten wir am Nachmittag und in der Info erfuhren wir, dass am Abend Livemusik im Stadtpark ist. Gut dachten wir, gingen einkaufen, hatten eine Stärkung im „The Moose is Loose“ und welch Freude ein Second-Hand Buchladen war auch in der Stadt. Ich suchte immer noch nach einem Science Fiction Buch. Wir betraten den Laden und ein Inuitnachfahre gegrüßte uns eifrig. Erik wie wir später erfuhren, Mitte 20 und Student. Er war happy, dass jemand in den Laden kam und nach 30 Minuten bot er uns als Park- und Schlafplatz die Stelle hinter dem Laden an. Wir hätten auch im Laden schlafen können und ebenso das WC nutzen können. Wir lehnten dankend ab, da ich (Stefan) sonst nie zu Bett gegangen wäre. Wenn ich sage tausende SF-Bücher ist dies keine Übertreibung. Simone kaufte 2 Horrorschwarten, aber mein Buch war nicht dabei.
 
   
Wir fuhren direkt zum Park und die Band spielte klasse Songs. Wir kochten dazwischen und futterten mit offenem Fenster und hörten uns den Rest der Vorstellung an. Am Ende verkündete eine junge Frau, dass am kommenden Tag wieder ein Liveact sei und es Lachs und Chili umsonst gäbe. LACHS???? Umsonst???? Ohh Mann ja, endlich . Auch in Soldotna erfuhren wir ist die beste und billigste Adresse für frischen Fisch ein Laden namens Fred Meyer. Den Namen sollte man sich merken, ist ein toller Lebensmittelladen mit super Qualität zu annehmbaren Preisen. Er ist an der ganzen Westküste vertreten. Eis hat der, von dem verputzen wir jeden 2ten Tag einen Becher. Kleine Becher, 450 ml....

Die Nacht war gut und der Morgen wieder sonnig. Bis auf die Heizung die wollte schon wieder nicht. Volle Batterien und sie lief nicht an. Geht uns voll auf die Nerven. Dafür funktionierte der Propanheizer reibungslos.
Auf zum kurzen Abstecher nach Kenai, der größten Stadt der Halbinsel (ca. 7.000 Einwohner). Am Abend wollten wir unbedingt wieder zurück sein. Eine Stadtbesichtigung in Kenai dauert genauso lang wie die Halbzeitpause beim Fußball. Ein paar alte Häuser und 2 russisch-orthodoxe Kirchen. Eine tolle Aussicht über das Meer auf Vulkane, das ist die Geschichte der Stadt. Ein Senior, der die 100 Jahre alten Häuser in Schuss hält, führte uns herum und eine Stunde verflog wie im Nu. Am Ende hat er uns eingeladen zum State Fair von Kenai. Dies ist eine Art Jahrmarkt (alle US Städte halten einen im Herbst ab) bei dem es neben politischer Propaganda, um die Erhaltung ihrer Ressource dem Lachs ging, den er grillte. In 2 Tagen zur Mittagszeit wird aufgetischt. Hot Dogs, Hamburger und LACHS umsonst. Ja spinn ich? Kaufen können wir keinen, aber umsonst bekommen wir ihn in jeder Ortschaft.
Breit grinsend verabschiedeten wir uns, um wieder einen SF-Buchladen aufzusuchen. Dieser hatte endlich mein Buch und weil eins kaufen keinen Spaß macht, packte ich noch 2 obendrauf. Danach sind wir am Sandstrand spazieren gegangen. Alaska, Sonne, T-Shirt-Wetter, Sandstrand. Hätte nicht geglaubt, dass dies so zusammenpasst.
    


    
In Soldotna zurück parkten wir sogleich hinter dem Buchladen und machten uns zu Fuß auf den Weg zum Abendprogramm. Eine 2-Mann Band stimmte ihre Gitarren, der Grill lief gerade warm und die Getränke vom Vortag wurden soeben auf Eis gestellt. Während dem Essen gab es Musik und im Anschluss ein paar warme Worte warum der Lachs für die Region so wichtig ist. Ein paar Redner wurden auf die Bühne gebeten und Simone und ich schlugen uns derweil die Bäuche mit fangfrischem Fisch voll. Wein und Bier gab es auch gratis und als die selbstgebackenen Kuchen und Kekse ausgebreitet wurden, mussten wir nicht zwei Mal gebeten werden. Rundum zufrieden bedankten wir uns bei der Organisatorin und trollten uns, als das Festchen zu Ende ging.
Am Morgen stand Erik vor der Tür. Er hat im Buchladen übernachtet und wir luden ihn zum Kaffee ein. War lustig mit ihm und wir erfuhren viel über Alaska und die Inuit. Danach ging es für uns wieder auf den Sterling Highway, aber diesmal in den Süden nach Homer. Die Straße verläuft immer wieder direkt am Cook Inlet mit Blick auf sehr aktive Vulkane. Diese sind Teil vom Pazifischen Feuerring, oder auch Ring of Fire genannt, der den kompletten Pazifik umspannt. Ein Halt hatten wir in Ninilchik direkt am Wasser, einen weiteren in Anchor Point, dem westlichsten Punkt der durchgehend auf einem US-Highway erreichbar ist.
  


   
Homer, an der Kachemak Bay gelegen, ist ein weiterer kleiner Ort der sein Lebenselixier aus der Fischerei und dem Tourismus bezieht. Die Aussicht von höher gelegenen Straßen war bezaubernd, vor allem die Sicht auf den Spit, einer 7 km langen Landzunge die sich in die Bay erstreckt. Leibhaftig auf dem Spit reihten sich dann doch nur Shops für Touristen. Natürlich bekamen wir keinen Lachs zu kaufen und nach einem kurzen Spaziergang am Meer fuhren wir Pancho direkt auf den Strand, illegal aber manchmal ist es dies einfach wert. Wir parkten so gerade oberhalb der Flutmarkierung und fluchten nur, als die Heizung an diesem Abend wieder nicht zünden wollte und es wurde mit 0,6°C wirklich kühl. Wir sind es echt leid!
   




  
Glücklicherweise wurden wir des Nachts nicht von der Polizei vertrieben und kamen pünktlich zur Mittagszeit in Kenai an. Zahlreiche Pavillons für verschiedene politische Gruppen, Gewerkschaften und Industrie waren vertreten und unser Senior stand am Grill bereit. Wir begrüßten ihn und er freute sich sichtlich, dass wir seiner Einladung gefolgt sind. Bevor es Lachs, Hot Dogs und Hamburger gab, als Beilage Chips und als Nachspeise Wassermelone wurde zuerst die Nationalhymne gesungen. Vorgetragen wie beim Superbowl von einer jungen Frau, sang die Hälfte der Anwesenden mit. Danach noch das Lied auf Alaskas Flagge, bei dem alle mitsangen. Wir mussten an uns halten, um nicht zu breit zu grinsen und hofften, dass die Lieder schnell vorüber waren, damit unser Hamburger nicht allzu kalt wurden. Wir holten 3 Mal nach und hörten irgendjemandem zu, der irgendwen ehrte. Dann holten wir noch kostenfrei Kaffee, Popcorn und diverse Werbeartikel. Alles passend zu Simones grüner Jacke. Leute machten Bilder von ihr, wie sie mit Sonnenbrille und Tasche farbig abgestimmt war. Wir wünschten pappesatt dem Senior alles Gute, dankten und machten uns nonstop auf nach Anchorage. Es war Samstag und Mister Präsident besuchte die Stadt. Vielleicht können wir ihn ja am Sonntag bei seiner Rede sehen?
 
Mit den letzten Sonnenstrahlen kamen wir wieder in Anchorage an. Wir hatten nur ein Ziel, den Wasserflughafen und wurden Zeugen des „Termination Dusts“. Was dies ist erfahrt ihr im letzten Beitrag über Alaska.
 
Es grüßen,
Stefan und Simone