Donnerstag, 9. Juni 2016

Städtereisen (22.04.2016 - 26.04.2016; aktueller Standort: Oaxaca, Oaxaca)


Der weitere Verlauf der Nacht war ereignislos... so wie es sein soll!
Einen kleinen Umweg, der sich in unseren Augen nicht lohnte, galt der kleinen Gemeinde Pinos. Da Pueblo Mágico und fast auf unserem Weg nach San Luis Potosí hielten wir dort für 3 Stunden und erreichten die Großstadt im gleichnamigen Bundesstaat erst am Nachmittag. In welcher Beziehung Pinos magisch sein soll wissen wir nicht, aber auf dem Marktplatz fanden wir es nicht (Kartenlink).



San Luis Potosí ist eine weitere reiche Gold- und Silberstadt. Ca. 1 Millionen Einwohner zählt die Stadt, die auf etwa 1.900 Meter gelegen ist. Anders als in Zacatecas lebt man heute nicht mehr vom Mineralienreichtum, sondern vom Handel, der Landwirtschaft und industrieller Fertigungsbetrieben. Dementsprechend bot sich auch das Erscheinungsbild bei der Anfahrt.
Der Nachbarstaat von Zacatecas ist um 10.000 km² kleiner als dieser und Heimat der Huaxteken, die den Staat San Luis Potosí als Heiliges Land bezeichnen. Und wer wissen möchte wo der legendäre Peyote-Kaktus gedeiht und der Peyote-Kult entstand ist hier goldrichtig. Dieser kleine graugrüne Kaktus enthält viele bewusstseinserweiternde Substanzen, eine davon das Halluzinogen Meskalin. Für Indigenas, also Urvölker, ist der Genuss legal, für jeden anderen ist die Droge verboten. Viele Stämme wanderten im Winter ins Heilige Land um sich mit Peyote zu versorgen, also ein nicht unwichtiger Bundesstaat.
Genug davon.

Wir parkten etwas außerhalb des Zentrums und durch Zufall neben einer Kneipe mit schnellem Internet. Also kümmerten wir uns um unsere Homepage, luden einen Blog hoch und ließen uns auch einladen. Anschließend fanden wir wieder einen sensationell guten Tacostand an der Straße und verputzten 10 Tacos für 4 Euro im stehen. Restlos zufrieden ruhten wir für den kommenden Tag.

Dieser brachte aufs neue einen prall gefüllten Gabentisch mit spanischem Barock, goldverzierte Kirchenausstattung, Parks und Gärten im Zentrum, Prachtstraßen und einem fantastischen Maskenmuseum mit über 700 Zeremonienmasken. Später ging es weiter in Richtung Süden und im nächsten mexikanischen Bundesstaat nächtigten wir an einem kleinen See. Als wir am Abend unseren Kleiderschrank öffneten vielen uns etliche Jacken und Hosen entgegen da, den Schlaglöchern, Bodenwellen und Geschwindigkeitsschwellen sei Dank, der Kleiderbügel samt Halterung in die Brüche ging. Der nächste Besuch im Bauhaus stand also an.












Querétaro, wieder als Stadt und Bundesstaat war erreicht. Die Stadt liegt Luftlinie genau 6.000 km von Fairbanks, Alaska entfernt. Gefahren sind wir weit mehr als 50.000 km, aber effektiv unterwegs auf der Panamericana, tja haben wir noch nicht mal ein Drittel .
Bundesstaaten gibt es nur 5 kleinere, aber Städte haben wir kaum schönere gesehen. Mit vollem Namen Santiago de Querétaro ist wieder eine Millionenstadt, etwas größer als San Luis Potosí und liegt weiterhin auf ca. 1.900 Meter Höhe. Die bedeutende Großstadt gewinnt und verarbeitet noch heute Opale und andere Halbedelsteine aus der direkten Umgebung. Abgesehen von den verständlich vorhandenen Schmuckläden merkt man dieser Stadt nicht an, dass dort noch viel passiert. In Querétaro scheint die Zeit still zu stehen. Wir erlebten eine sagenhafte Ruhe und Gelassenheit. Keine Hektik in der Metropole und selbst das fahren mit Pancho war ein Kinderspiel. Ich musste Simone bremsen sonst wären wir bis an die Kathedrale gefahren, um dort zu parken. Bevor wir aber soweit waren stoppten wir am Home Depot, um unseren Kleiderschrank ein neues Design zu verpassen.

Anstelle einer neuen Kleiderstange wollten wir weitere Böden in den Kleiderschrank packen. Bretter fanden wir gleich, aber auf spanisch den Zuschnitt zu erklären viel uns dann doch zu schwer. Ein Mitarbeiter wurde gerufen und sein englisch war um Längen besser als unser spanisch. Jeder Holzschnitt muss in Mexiko extra bezahlt werden (zumindest in unseren beiden Fällen) und zwar im voraus. Dies ist übrigens auch sehr üblich in diesem Land. Man bekommt seine Rechnung, geht an eine Kasse die auch irgendwo im Laden sein kann, bezahlt und marschiert mit dem Beleg zur Abholung (manchmal direkt neben der Kasse). Man bekommt seine Tüte und kann gehen.
Also zahlten wir, aber die Verkäuferin buchte die 9 Zuschnitte nicht ab und so bekamen wir diese umsonst. Wir wollten einen durchgängigen Aluwinkel an beide Seitenwände schrauben und auf denen die einzelnen Bretter legen, aber das gibt es in Mexiko nicht. Die Verkäufer wussten was wir wollten, entschuldigten sich aber dass es diese Winkelleisten nicht gäbe. 10 cm lang war das Maximum und so kauften wir einen ganzen Schwung, eine Packung Schrauben und fuhren in die Stadt.

Wir parkten sehr sehr zentral, was durch den mangelnden Sonntagsverkehr und den breiten Straßen begünstigt wurde. Zudem durften wir überall fahren, in manch anderer Stadt sind Lkws im Zentrum verboten.
Das koloniale Zentrum zierten zahlreiche blumengeschmückte Plazas, prächtige, aus rosafarbenem Naturstein erbaute Paläste mit Patios und Arkadengängen, gepflasterte Straßen und jede Menge Kirchen.
Am zentralen Platz steht eine der ältesten Kirchen Mexikos, der Convento de San Francisco (um 1540) und wie üblich an Sonntagen stand eine heilige Messe kurz bevor. Auch in weiteren Kirchen, so z.B. in der Inglesia Santa Clara war Gottesdienst und selbst unser Abwarten brachte nicht viel ein, denn die meisten Kirchengänger verließen nach Beendigung der Messe die Kirche gar nicht und warteten auf die nächste, die schon wenige Minuten später begann. Das Innere ist reich an Gold und eine überwältigende Dekoration im barocken Churriguera-Stil schmückte die Wände. In jeder Straße stießen wir auf einen mit gestutzten Bäumen bepflanzten Platz, die nächste Kirche in Wurfweite. Alte Herrenhäuser überall, Schmuckverkäufer auf den Straßen und Essensstände und Restaurants im Überfluss.
Eine weitere tolle Stadt und eine unserer Favoriten!












Als wir am nächsten Morgen das Café verließen machten wir nur ein paar Kilometer und parkten außerhalb der Stadt, um die Schrankböden zu befestigen. In diesem Zug versetzten wir Türscharniere, verstärkten Bretter, setzten weitere Metallwinkel und erneuerten viele Schrauben. Dieses Mal erhielten alle einen Tropfen Kleber, damit sie sich nicht wieder selbst herausdrehten. Seit dem halten sie und auch die neuen Schrankböden passen wie angegossen.

San Miguel de Allende, eine Kleinstadt mit ca. 80.000 Einwohnern (viele Kanadier und Amerikaner) lag nur eine Autostunde von Querétaro entfernt. Als ehemalige Pueblo Mágico wollten wir sie nicht übergehen und ja die Stadt ist schön. Jedes Haus in Rottönen oder gelb gestrichen liegt sie an einem Berghang und machte auf den ersten Eindruck eine klasse Figur. Auf den zweiten fanden wir dann doch das eine oder andere Atelier mittelmäßig, den einen oder anderen Souvenirladen überflüssig, den einen oder anderen Nordamerikaner zu viel und das gesamte Erscheinungsbild als zu geleckt.
Wir parkten gut in einer „besseren“ Wohngegend und fragten Streifenpolizisten ob wir dort stehen könnten. Wie immer die gleiche Reaktion; kein Problem und damit hatten wir eine sehr ruhige Nacht.
Der Bummel durch die Stadt war wirklich schön, die Farbenpracht der Häuser grandios und auch der Plaza de Allende (zentraler Platz) mit seinen Lorbeerbäumen und umgebenen Häusern und Palästen aus dem 17. und 18. Jahrhundert eine Augenweide. Allen voran das Wahrzeichen der Stadt, der Parroquia de San Miguel stach weit in den Himmel und damit ins Auge. Eine Kirche, klar , aber anders. Stilelemente verschiedener Epochen und auch die Vorlage des Ulmer Münsters verschmolzen in diesem Bauwerk. Auch das Innere was definitiv anders. Viele Flächen wurden gar nicht bearbeitet und der blanke Ziegelstein, welches mehr an ein Burgenzimmer oder ähnliches erinnerte, war zu sehen. Es war gut für ein paar Stunden, aber dann ging uns das ganze kommerzielle auf den Geist. Ich denke San Miguel de Allende hat zu viel Mexiko verloren.
Dieses Geschichtchen passt dazu... Ich stand mit einem Getränkebecher aus Styropor an einer Hauswand gelehnt und wartete auf Simone, die im Laden unterwegs war. Kam ein älteres Ehepaar die Straße entlang und wollte mir zwei Pesos in den Becher werfen. Hielten mich für einen Bettler was ihnen im Nachhinein sehr peinlich war. Ich stand da nur mit der Kamera und dem GPS in der Hand rum und hatte einen Rucksack auf. Bettler sehen für mich anders aus, aber mein Äußeres muss wohl keinen sonderlichen Eindruck gemacht haben. Naja dies passiert wohl nicht in einer anderen mexikanischen Stadt.
Wer sich jetzt Sorgen um mich macht darf gerne unser PayPal Konto füllen .














Wir fuhren gegen Mittag weiter und wollten wandern gehen. Die Gegend um San Miguel soll einige Wege haben und wir erkundigten uns im Internet und versuchten unser Glück mit den heruntergeladenen Karten. Über Stock uns Stein fanden wir die Zufahrtsstraßen, aber Wege fanden wir keine. Am Ende hieße wandern, mit dem GPS los und auf Privatland durch Steppe. Keine Ahnung, aber in der prallen Sonne ohne Markierung durch Kakteen laufen auf einem Fleckchen Erde wo wir nicht wussten wem es gehörte barg wenig Reiz. Also ließen wir es bleiben und suchten uns einfach einen schönen ebenen Platz und packten die Bücher aus. In dieser Nacht blieben wir von einer Polizeikontrolle in der Natur verschont.


Stadt ist hier nicht gleich Stadt,
die Kolonialherren

Sonntag, 5. Juni 2016

Nächtlicher Besuch (18.04.2016 - 21.04.2016; aktueller Standort: Puebla, Puebla)


Vor einem Jahr feierten wir meinen Geburtstag am Atlantik in New Brunswick, Kanada. Heute stießen wir in einer halbwüstenartigen Gegend im zentralen Hochland von Mexiko an. Bevor es aber einen Keks mit einem Schluck Tequila gab besichtigten wir die Stadt Aguascalientes (Kartenlink).

Die Stadt mit ca. 500.000 Einwohner liegt in einem der kleinsten Bundesstaaten. Trotz der Größe der Stadt waren die Verkehrswege eng und es gab kaum Parkmöglichkeiten für uns. Das Zentrum durften wir mit Pancho gar nicht erst befahren, aber es war ohnehin schon mühsam genug. An einer kleinen Plaza etwas außerhalb fanden wir an der Straße eine Lücke (auf dem Parkplatz durften wir auch nicht parken, da wir zu groß).
Mit dem Bus ging es in die Innenstadt, aber bis auf den Kern sahen wir nicht viel. Der Regierungssitz indes war imposant. Die Architektur im Inneren, sowie die großen Wandgemälde an den Stirnseiten des Innenhofes belohnten uns für das Gegurke durch die Straßen. Die Kathedrale aus dem 18. Jahrhundert überragte den gesamten zentralen Platz, aber von innen war sie sehr schlicht im Vergleich zu anderen kirchlichen Gebäuden in den Kolonialstädten.







Bis zur nächsten großen Kolonialstadt war es zu weit und so fuhren wir in einem der vielen Hidalgo’s von der Straße und an einen ausgetrockneten See neben dem Dorf. Die Landschaft in der Region um Aguascalientes (heißes Wasser im Bezug auf die vielen Thermalquellen), Zacatecas und San Luis Potosí hatte einen Charakter von Halbwüste. Tatsächlich ist es eine Wüstensteppe mit vielen Kakteen, fast alle von ihnen blühten und auch Yucca Palmen standen vielerorts in Blühte. In Kalifornien in den Parks angepriesen (Joshua Trees), wuchsen sie im Hochland an vielen Stellen, aber so viele wie in dieser Region sahen wir danach nicht wieder. Auch ihr Wuchs stach die kalifornischen Vertreter locker aus. Sie waren doppelt und dreimal so groß mit Stämmen so dick typisch für einen alten Baum. Nichts gegen den Joshua Tree Nationalpark, aber die Yucca Palmen hier in Mexiko gewannen jeden Vergleich.
Als wir parkten kamen uns ein paar Mädchen aus Hidalgo besuchen. Sie waren uns gegenüber sehr misstrauisch und doch sehr neugierig. Olga, die älteste konnte ein paar Worte englisch, ihre Schwestern nichts. Wir versuchten möglicherweise erfolglos in spanisch zu erklären was wir bei ihnen neben dem Dorfsee machten, wo wir her kamen und wo wir hin wollten. Vieles ging der jungen Olga sicherlich über ihren Horizont, ist sie selbst noch nie weiter als 20 Kilometer von ihrem Dorf weg gewesen. Ihr Papa war aber schon einmal in Zacatecas und sie war so stolz dies zu erzählen, da dies unsere nächste Tagesetappe war und sie mitreden konnte. Später als wir aßen klopfte es kurz an Panchos Tür und bis wir öffneten war die kleine Olga wieder 10 Meter entfernt, aber diesmal in Begleitung einer ihrer älteren Brüder. Sie fragte nur kurz: „Stefan, woher kommst du?“ Ich sagte Deutschland und sie zu ihrem Bruder: Siehste hab ich dir doch gesagt (oder so was ähnliches ). Danach winkten beide und rannten wieder weg.
Nach dem Essen gab es Geschenke; einen mit Zuckerstreusel garnierten Keks und angestoßen wurde mit Tequila, Herradura natürlich.






Der Bundesstaat Zacatecas ist so groß wie der südliche Teil der Baja California und besteht wie gesagt aus Wüstensteppe. Hidalgo lag bereits innerhalb dieses Staates und die Provinzhauptstadt erreichten wir am späten Vormittag des nächsten Tages. Zacatecas, die Stadt, ist Unesco-Welterbe und bietet dem Besucher auf 2.470 m Höhe einiges. Sie liegt eingebettet in einer Talsohle zwischen unbewaldeten, kahlen Hügeln. Die barocke Innenstadt wurde aus einem roten Stein, namens Cantera errichtet und viele opulente Klöster und Kirchen standen zur Besichtigung offen. Den Reichtum verdankt diese 150.000 Einwohner zählenden Stadt, dem schier unerschöpflichen Silbervorkommen in den Bergen. Selbst heute nach fast 500 Jahren werden viele Minen noch immer abgebaut.
Da die Stadt in einer Talsohle liegt, sind die engen Gässchen dementsprechend steil und kurvig. Meine Navigatorin schaffte es doch tatsächlich mich ins letzte Eck in eine Sackgasse zu manövrieren. Die Gasse gab keinen Platz zum drehen und ich musste auf einer privaten Einfahrt den Zaun etwas drücken, um Pancho in Gegenrichtung zu bringen. Allerdings standen wir dann sehr gerade, hoch oberhalb der Stadt und fast neben dem Eingang zur Edén Mine. Einen Herrn, der seinen Briefkasten leerte, fragten wir ob wir vor seinem Haus stehen bleiben könnten und er hatte kein Problem damit. Also rein ins Abenteuer Mine.
Ein paar Jahrhunderte sprudelte Silber im Überfluss aus der Edén Mine und nachdem sie 1960 geschlossen wurde, baute man sie soweit aus, um sie Besucher präsentieren zu können. Mit einer kleinen Bahn ging es rein und auch wenn wir von der auf spanisch gehaltenen Tour nicht viel verstanden, gefiel sie uns doch sehr. Während der Tour leuchtete der ehemalige Bergwerkarbeiter immer wieder auf Mineralienschichten und auch Silber sahen wir im Gestein. Silberadern waren noch reichlich vorhanden, aber im Vergleich zu anderen Stollen und Minen in der nahen Umgebung, lohnte sich hier der weitere Abbau nicht mehr. Schon irre, da lag genug Silber um noch etliche Leute reich zu machen, aber irgendwie hatte da keiner mehr Lust darauf.



Danach liefen wir runter in die Stadt. Und was war diese Stadt schön! Die alten Prachtbauten säumten Plätze und die Kirchen konnten nicht schlicht gehalten sein, die Kathedrale z.B. verband spanischen Barock mit indianischer Steinmetzarbeit. Die Hauptfassade war komplett mit filigranen Reliefs überzogen, dafür war das Innere eher einfach. Ganz im Gegenteil die Santo Domingo. Von außen etwas heruntergekommen, erstrahlte Gold im Inneren. Neun vergoldete Altäre schmückten die beiden Seiten, von unten bis zum Kuppelansatz.







Es galt noch zahlreiche weitere Kirchen in den engen Gässchen zu finden, das Aquädukt aufzusuchen und ein Nobelhotel wollten wir auch nicht nur von außen betrachten.






Das Quinta Real hatte die alte Stierkampfarena als zentralen Innenhof in ihr Bauprojekt integriert. Rundbögen dienten nun als Fensterverkleidung und das rondellartige Bauwerk beherbergte die Gourmetküche, Bars, diverse Säle und private Essnischen mit Blick auf die Darbietungen im Innenhof. Natürlich keine Stierkämpfe...



Das Hotel Quinta Real war genauso schön und elegant wie der Rest der Stadt. Das Rathaus, wie alle öffentlichen Gebäude und Hotels in Mexiko dem Besucher geöffnet, zeigte wieder grandiose Wandgemälde.







An Parks lagen kleine Cafés, Kneipen waren in der Innenstadt verteilt, Märkte lagen im Zentrum, immer gut wenn der kleine Hunger plagte und so verbrachten wir zwei unvergessliche Tage in Zacatecas. Vom Berg La Bufa, den man per Fuß, Auto oder Seilbahn erzwingen konnte, erstreckte sich die ganze Innenstadt zu unseren Füßen. Sagenhaft, mehr braucht man nicht sagen. In Zacatecas hätten wir es locker noch länger ausgehalten, den Flair der roten Stadt kann man sich nicht entziehen. Nicht ohne Grund zählt sie zu einer der schönsten Kolonialstädte des Landes.







Ein Cafébesitzer hat uns von einer archäologischen Stätte erzählt, die ca. 50 km entfernt von Zacatecas auf einem Berg liegen soll. Den Abstecher gingen wir ein und fanden La Quemada beachtlich. Wir hörten oder lasen davor nichts von den Ruinen und erwarteten nicht viel und waren deshalb umso mehr begeistert, als wir den Berg in der Halbwüste fanden und auf ihm eine große Anlage die sich über den ganzen Hügel erstreckte.
Die Erbauer, wer ist unklar, schufen nicht nur eine riesige Mauer um ihre Stadt, sondern legten 170 km Steinwege zu anderen Städten an. Um 900 n.C. hatte La Quemada ihre Blütezeit, danach verging die Hochkultur langsam wie überall in Mexiko. Viele Anlagen fanden die Spanier im 16. Jahrhundert verlassen und schon teilweise von der Natur zurückerobert vor. So auch diese.
Es gab mächtige Steinsäulen die ein Tempeldach stützten, eine extrem steile Pyramide, Ballspielplatz und Wohnhäuser, Treppenstufen so steil und schmal, dass sie Zuhause nicht freigegeben wären und auf dem Gipfel der jüngste Altar des Areals. Der Weitblick über die zigtausend Kakteen war allein schon die Anfahrt wert. Als wäre dies nicht genug, hatten wir die Anlage zusammen mit 5 im Schatten dösenden Wärtern und 3 Maurern für uns alleine. Ach ja 2 Esel waren auch zugegen...












Nach ein paar Litern Wasser ging die Fahrt weiter durch öde Gegenden, abseits der großen Straßen. Joshua Trees, oder ihre Verwandten, und kleine Dörfer begleiteten uns auf unserem Weg in Richtung San Luis Potosí. Irgendwann neigte sich auch dieser Tag seinem Ende und in einem kleinen Dorf mit hübschen Namen fanden wir einen Stellplatz abgeschottet hinter einem kleinen Hügel inmitten von Agaven. Vom Hügel sahen wir Villa Gonzales Ortega, aus Panchos Fenster nur Natur.




Kommen wir zu unserem nächtlichen Besuch. Es war kein Opossum oder Stinktier, welches Simone aus ihrem Schlummer um 23.30 Uhr riss, sondern ein Pick up. Ich war wie immer noch am tippen und dachte mir nichts weiter, als vom Dach des Fahrzeuges eine Batterie Halogenlichter Pancho in ein Flutlichtmeer tauchte. Was folgte war eine der befremdlichsten und beängstigendsten Erfahrungen bis dato.
Es klopfte sofort an Panchos Außenhaut und auf spanisch wurde gerufen. Ich schaute aus dem Fenster und sah 2 Polizisten. Ich solle bitte aussteigen, was ich prompt machte und fand mich 4 Polizisten gegenüber. Einer lief ständig um Pancho, einer stand auf der Ladefläche des Pick ups. Ich registrierte dies aber nur am Rande, denn was meine Aufmerksamkeit bannte war das Maschinengewehr, was mich aus einem Meter im Ziel hatte. Polizist Nummer 3 visierte meine Brust, kaum stand ich auf dem Wüstenboden, er senkte sein MG während der Kontrolle bis auf meine Hüfthöhe, aber aus seinem Schussfeld gelangte ich nie. Wie im schlechten oder auch guten Hollywood Film, war Nummer 4 der Macher. Ungelogen, die Szene wird dem einen oder anderen bekannt vorkommen, nur wird niemand mich als Nebendarsteller gesehen haben. Nummer 4 war gar nicht wie ein Polizist gekleidet, sondern mit hellem Cowboyhut, Lederstiefel und schwarzer Jeans und schwarzem Hemd unterwegs. Der ältere Herr hatte einen mexikanischen Schnauzer, schwarze Haare und wie selbstverständlich seine rechte Hand auf dem weißen Griff seines Trommelrevolvers im Pistolengürtel. Er sprach und nur er. Schön auf spanisch ein paar Standardfragen. Dann wollte er meinen Führerschein sehen und ich musste ihm und Mister MG meinen Rücken zuwenden, um meine Papiere zu holen. Ich hatte so viel Schiss wie schon lange lange vorher nicht mehr. Es spukten mir unzählige Filmschnipsel im Kopf herum wie entweder der weiße Griff des Colts das Halfter verlässt und der Lauf auf meinen Rücken zielte, oder wie MG ein Nicken erhält und er kurz den Stecher betätigt. Ich hoffte und schlotterte, meine Beine waren weich wie Pudding. Meine Papiere wurden im Scheinwerferlicht des Polizeiautos kontrolliert, für gut empfunden und dann kam weißer Colt auf mich zu, grinste (ich dachte jetzt passiert es) reichte mir meinen Führerschein und Pass und sagte auf englisch „alles ok mein Freund, kein Problem los lass uns Hände schütteln“. Ich schüttelte ihm die Hand und meine Erleichterung war mir wahrscheinlich ins Gesicht geschrieben, denn er sagte noch etwas um mich zu beruhigen, was ich allerdings nicht bewusst registriert habe. In dem Augenblick ging mir nur durch den Kopf, dass ich leben, dass wir leben werden. Diese 3 Minuten versetzten mich dermaßen in Schrecken. Ich dachte nur daran, dass sie uns töten könnten ja werden und niemand jemals die Wahrheit erfahren würde.
WARUM? Ich weiß es nicht. Es war eine Kontrolle, wie sie sie sicher oft durchführen. Zum Teil lag es an besagten Filmen, in denen die mexikanische Polizei nicht als dein Freund und Helfer gezeigt wird, zum anderen an die negative Berichterstattung der Medien. Wenn wir etwas über Mexiko in den Nachrichten hörten, ging es um Wirbelstürme, Cancún als sicheren Touristenort, Drogen, Kartellkriege, Tote in den Straßen von Mexiko-Stadt oder über die Korruptheit des Polizeiapparats und dessen Machenschaften mit den Kartellen.
Zugegeben ohne wahren Kern würden diese Dinge nicht verbreitet werden, aber wenn wir jetzt sagen, dass wir bis auf zwei Ausnahmen auf grundehrliche, freundliche und hilfsbereite Polizisten trafen (und wir treffen sehr oft auf sie, da wir sehr oft kontrolliert werden), würde dies niemand auf der Welt senden oder drucken. Also tun wir es. Mexiko ist nicht schlimm, vor allem dann nicht wenn man zufriedener Reisender ist.

Wie gings weiter? Sie stiegen ein, fuhren in die Nacht und ich trank einen Tequila und ein Bier mit Simone um meine/unsere Nerven zu beruhigen. Simone hat am Fenster alles mitverfolgt und nicht minder gezittert. Schöne Anekdote, hoffentlich ein Unikat!

Mit schönen Städten geht es weiter,
die Angsthasen