Dienstag, 4. August 2015

Rund um den Ontariosee (17.06.2015 - 23.06.2015)


@ Andrea: Wir wünschen dir aus dem Norden Kanadas alles Liebe zu deinem Geburtstag! Deine Steine tragen wir noch mit uns .

Bevor wir in Kingston, am Nordufer des Ontariosees gelegen, einen sehr schönen Stadtbummel durch die viktorianische Altstadt unternahmen, hielten wir bereits direkt vor den Stadttoren am restaurierten Fort Henry, welches auf einer Landzunge Kingston überragt.
Handelstransporte mussten dort auf ihrem Weg von den Großen Seen kommend nach Europa vor Übergriffen vor Indianern und später der USA geschützt werden. Aus dieser strategischen Stellung heraus erhoffte sich Kingston zur Hauptstadt Kanadas aufzusteigen. Dies spiegelt sich in der Stadt wider (Kartenlink).

Im Fort blieben wir ein paar Stunden und sahen dem Militärdrill zu, wie die Kapelle alte Lieder auf dem Exerzierplatz zum besten gab und bei einer geführten Tour wie die Situation in Kriegs- und Friedenszeiten damals war.
In der Stadt schlenderten wir durch Gassen von Häusern gesäumt, die einen Hauch koloniales England verströmten, was sich auch auf dem weiteren Abschnitt entlang des flächenmäßig kleinsten Sees der 5 Seen herausstellen sollte. Wir hatten einen wunderschönen Sommertag in Kingston, dem ehemaligen Anwärter zur Hauptstadt erwischt.





Weiter in Richtung Toronto ging es auf dem sogenannten Loyalist Parkway durch wunderschöne kleine Ortschaften. Feldfrüchte wurden angebaut, die durch den nahen St. Lawrence River prächtig gediehen. Laut Reiseführer sei Cobourg ein Stopp wert, allerdings empfand wir es als zu touristisch und voll. Die vielen kleinen Dörfer englischen Ursprungs mochten wir viel lieber. Dementsprechend verloren wir keine Zeit in Cobourg und schlugen unsere Zelte in einer ebenfalls unschönen Vorstadt Torontos auf, nämlich Oshawa. Gut waren 2 Dinge:
Erstens liegt es nur noch eine Fahrtstunde von Toronto entfernt und zweitens fanden und kauften wir dort einen neuen Campingtisch. Wir haben den gleichen erstanden wie den, den wir in Deutschland kauften, allerdings zum halben Preis, da im Angebot. Wen sich jemand fragen sollte, was wir mit 2 Tischen machen? Auf einem Spieltisch ist es immer gut, möglichst viel Platz zu haben! Stimmt war aber nicht der Grund...
Wir verstauten unseren ersten Tisch in der hinteren Alubox und wie es scheint hat dem Tisch die vielen Schotterpisten und Schlaglöcher nicht gutgetan. Dazu kam, dass ich (Stefan) damals im beschaulichen Schwiegerelternhaus dachte, es sei clever die Box verkehrt herum zu montieren. Der Vorteil liegt darin, dass wir den Deckel der Box nach oben klappen können und nicht nach unten, wo er uns nur im Weg ist. Der Gedanke erscheint mir immer noch sinnvoll, allerdings sind die beiden Verschlüsse als Schnappmechanismus konzipiert. D.h. nach oben klappt der Deckel wunderbar auf, wenn sich vorher nichts auf den Federmechanismus legte. Aus irgendeinem Grund fand der Tisch es höchst bequem auf den Federn und so konnten wir eine längere Zeit die Box gar nicht öffnen. Wir sind dann absichtlich über Stock und vor allem Stein, um den Tisch wieder loszubekommen. Endlich am Ziel, war der Erfolg eher ernüchternd. Der Tisch war hinüber und daher musste ein neuer, alter Tisch her.

Aber nun endlich nach Toronto. Der Schlachtplan war am Vorabend in Oshawa ausgearbeitet worden und so lotste mich Simone direkt auf einen Metroparkplatz noch gut außerhalb des Zentrums. Wir verbrachten 3 Tage in der Metropole und gleichzeitig Provinzhauptstadt Ontarios. Toronto ist mit ca. 2,6 Mio Einwohnern die größte Stadt in Kanada. Im Großraum Torontos sind es etwa 7 Mio und dies sind 20% der Gesamtbevölkerung Kanadas.
Wie üblich legten wir alles zu Fuß zurück und kamen so auf viele viele Kilometer. Wir besuchten unter anderem das Parlamentsgebäude, waren auf dem CN Tower (Canadian National Tower), der bis 2009 mit 553 Metern der höchste Fernsehturm der Welt war, waren auf Toronto Island, wo wir einem Drachenbootfestival beiwohnten, am Strand spazierten und einem Raccoon, also Waschbären bei der Futterbeschaffung zuschauten, waren im Hippiviertel Kensington Market, im Korea- und Chinaviertel in dem wir durch Zufall genau den Laden auspickten, der von den Einheimischen als bestes chinesisches Restaurant Torontos gewählt wurde, waren shoppen ob im Second-Hand-Buchladen, oder im noblen Eaton Centre, fanden ein wahnsinnig leckeres indisches Restaurant zum Mittagessen (all you can eat und wir probierten alles ), suchten das erste Brettspiel Cafe in Kanada auf und waren begeistert (allerdings waren alle Tische belegt und am besten bucht man seinen Tisch schon im voraus) und besuchten am Samstagabend ein kostenfreies Rockkonzert in der Innenstadt. Als Abschluss wurde „Keep on Rockin’ in the free world“ gespielt und ich musste an meine WG-Zeit zurückdenken, in der dieses Lied sehr oft in der Heinrich-Lanz-Straße mitgesungen, ja teils gegrölt wurde. Liebe Grüße an du weißt schon wen...
3 volle Tage pures Cityleben, das ging auf den Geldbeutel, auf die Fußsohlen und führte zu Schlafmangel. Dazu eine kleine Anekdote:
In der ersten Nacht kamen wir kurz vor eins zurück zu Pancho und hatten keine Ahnung wo wir schlafen sollten. Auf dem Parkplatz war parken und campen zwischen 2 und 5 Uhr untersagt und wir wollten es nicht auf eine polizeiliche Kontrolle anlegen. Daher fuhren wir los, in der Hoffnung etwas außerhalb einen Walmart oder eine dunkle Sackgasse zu finden. Der Zoo hat sich als Fehlschlag erwiesen, alles hell erleuchtet und überall Schilder „No overnight parking!“. Also ging es weiter. Simone hat wieder einen leeren Fleck auf dem Stadtplan erspäht und so rollten wir dahin. Um 2 Uhr fanden wir die Straße und eine Wiese wie es schien. 2 Herren unterhielten sich vor ihren Autos und wir fragten, ob wir über Nacht dort stehen könnten. Nach dem üblichen, wow was für ein Truck und was sind eure Pläne, meinten sie nach kurzer Beratung wir sollten der Sackgasse nach unten folgen. Dort war es schön dunkel und wir hatten ein paar Häuser und einen Kinderspielplatz um die Ecke. Sonst sehr viel freie Fläche.
Am Morgen, es war Sonntag, füllten sich die Reihen neben uns sehr schnell. Bereits um 7 Uhr war ein enormer Trubel, jeder spähte zu unserm Gefährt und irgendwann war es uns zu doof und wir mussten raus und nachsehen gehen. Die ersten Leute rannten in Spielermontur durch die Gegend und sogar Busse kamen an. Die freien Wiesen entpuppten sich als 2 Baseballfelder und wir parkten auf dem Parkplatz genau in der Mitte. An diesem Sonntag war ein Einladungsturnier und die ersten beiden Partien waren für 8 Uhr angesetzt. Also schnappten wir was zum lesen und unseren Kaffee und setzten uns auf die Holzbänke und warteten die ersten geschlagenen Bälle ab. Naja Baseball ist nicht so unser Ding. Als wir Pancho zündeten konnten selbst die Spieler nicht am Spielgeschehen festhalten. Alle Köpfe ruckten in unsere Richtung. Ach wie lieben wir diese Momente.
Die beiden anderen Nächte verbrachten wir übrigens auf einem Walmart.










Von Toronto bis zu den Niagarafällen fuhren wir nur 2 Stunden. Die Strecke war weniger spannend und so erreichten wir zur Mittagszeit bereits Niagara Falls. Die Stadt hat 83.000 Einwohner und kein Mensch würde sich dort hin verirren, wenn sie nicht die berühmten Horseshoe Falls, bzw. Niagarafälle hätte.
Die 55 km lange Route Niagara Parkway führt vom Eriesee entlang des Niagara Rivers bis zum Ontariosee. Der Fluss bildet die natürliche Grenze zwischen Ontario und State New York (USA). Die Route und der malerische Verlauf des Flusses zuerst auf Höhe der Grasnarbe und plötzlich 57 m tiefer als Wildwasser im Canyon sind beeindruckend, also das Gesamtpaket, die Fälle als Einzelobjekt sind Kommerz zu Wucherpreisen und in meinen Augen nicht so spektakulär oder bezaubernd wie gerne vermarktet wird. Die beste Sicht bekommt man kostenlos einfach von der Straße vor dem Besucherzentrum (Table Rock). Der restliche käufliche Brimborium ist fast überflüssig, sei es die Fahrt mit dem Boot an die Fälle (man sah kaum etwas so voll waren die Boote), die Gondelfahrt über den größten Wasserstrudel (lachhaft, es gibt einen Aussichtspunkt von wo man den lahmen Strudel sehen kann und zwar gratis), die IMAX Vorstellung mit Sprühnebel und Ruckelboden (gähn...) und die Reise hinter die Fälle (erst 2 Stunden anstehen in einem stickigen unterirdischen Raum, um dann die Fälle von der Seite bzw. von hinten zu sehen, wobei hinten bedeutet man steht in einer Steinröhre und sieht aus 2 Metern Entfernung vor sich Wasser vorbei rauschen). Gut fanden wir den kurzen Holzbohlenweg, Marktname White Water Walk, der im Canyon am rauschenden Fluss entlangführt und an dieser Stelle zu den schnellsten und gefährlichsten Stromschnellen der Welt zählt.
Wir waren nachts auf dem Skylon Tower um die Region von oben zu betrachten und auch das hat sich gelohnt. Des weiteren lohnen die Fälle bei Nacht auch deshalb, weil dann nur noch 5 Fotografen die luminierten Wassermassen auf Speicherkarte bannen wollen. Das war dann richtig super. Wir hatten viel Zeit und Platz um die Farbenspiele auf beiden Wasserfällen zu beobachten. 2 Wasserfälle?

Die Horseshoe Falls mit 57 Metern Höhe und 670 Metern Breite liegen fast gänzlich auf kanadischen Boden und die American Falls sind 320 m breit und 21-34 m hoch und liegen auf US-Gebiet. In Deutschland und wahrscheinlich auch anderswo spricht man über die Horseshoe (Hufeisen) Falls und meint die Niagarafälle. In Nordamerika sind die Niagara Falls alle Wasserfälle zusammen (es sind 3 Stück, einer als Nebenfall des American Falls). In den Sommermonaten schießen mindestens 2.800 m³ Wasser pro Sekunde (Spitzenwerte bis zu 5.720 m³/s) über die Abbruchkante. Viele Angaben auf diversen Internetseiten sind widersprüchlich und somit unterlassen wir es einen Link zu setzen. Viel Spaß beim googlen .
Für die 55 km Niagara Parkway vergaben wir einen Pancho, aufgeklebt auf einer Infotafel am White Water Walk.














Der Rest ist schnell erzählt. An der Mündung des Niagara Rivers in den Ontariosee liegt Niagara-on-the-lake ein ebenfalls rausgeputztes Städtchen, was nicht unser Fall war. Ebenfalls war Fort George am Stadtrand nichts besonderes. Der Hafen von Niagara-on-the-lake allerdings, Port Dalhousie, eignete sich prima für eine ruhige Nacht. Ein Sandstrand am See und in der Ferne konnten wir die Silhouette von Toronto sehen. So kann ein Tag ausklingen.




Wir folgten einer Einladung nach Kitchener...