Dienstag, 26. Juli 2016

670 Kilometer Umweg (20.06.2016 - 25.06.2016; aktueller Standort: Chetumal, Quintana Roo)

Wir wollten schnellstmöglich aus dem Bundesstaat Oaxaca heraus. Wenn jemand sich die Mühe machen möchte und sich diesen Kartenlink ansieht wird er feststellen, dass an dieser Stelle nur zwei Verbindungen von Norden nach Süden verlaufen. Eine verläuft am Pazifik (unsere Wunschroute), die andere am Atlantik. Es blieben keine Alternativen und so...

... fuhren wir wieder an Puerto Escondido vorbei und waren auf dem Weg nach Acapulco. In einem kleinen Dorf kreuzten wir den Weg einer Polizeistation und zogen sofort rechts raus, um die Herrn nach Auskunft zu fragen. Kaum liefen wir auf die 4 Polizisten zu wurden die Maschinengewehre, das fast jeder Polizist überall mit sich führt, fester in den Griff genommen. War nicht unüblich, aber wir mussten jedes Mal darüber schmunzeln was zwei in kurzen Hosen, T-Shirt und barfuß laufenden Touristen in denen ihren Augen darstellten.
Kaum fragten wir wo die Straßensperren auf unserem Weg liegen war eine sichtliche Lockerung bei den Herrschaften zu sehen. Bereitwillig gaben sie Auskunft und unterbreiteten uns eine andere Möglichkeit. Anstelle bis an den berühmten Badeort zu fahren und dann zwangsweise nach Mexiko-Stadt, könnten wir auch die Mex 125 nutzen, die noch in Oaxaca durch die Berge verläuft. Dies würde uns weiter südlich durchs Land bringen und wir würden uns etliche hunderte Kilometer sparen. Sie wussten von keinen Blockaden auf dieser Route was uns überzeugte.

Vorbei an Papaya Plantagen und grünes Weideland für Rinder benötigten wir den restlichen Tag bis wir an der Abfahrt in die Bergwelt ankamen. Zum Teil geschuldet den beiden Straßensperren. Die erste war harmlos. Trucks wurden auf der Hauptstraße festgehalten, alle andere Verkehrsteilnehmer mussten über ein Wiesenstück. Wir wurden von Lehrern angehalten und mussten einen in unsere Wohnkabine schauen lassen. Andernfalls wären wir nicht weiter gekommen. Lehrer! Er sah unsere Nasszelle am Eingang und ist sofort umgekehrt. Wünschten uns alle eine gute Reise und wir gaben eine Spende in Höhe von 10 Pesos. An der nächsten Blockade mussten wir 1,5 Stunden warten. Wie lange die Straße schon dicht war wissen wir nicht, aber es stand eine ca. 1 km lange Blechschlange vor uns. Als wir um 18 Uhr weiter durften herrschte an der Sperre selbst eine Volksfeststimmung. Musik schallte aus Lautsprechern, Straßenverkäufer auf beiden Seiten des Weges und jeder lachte und jubelte. Wir reckten die Daumen und gaben wieder 10 Pesos. Danach fanden wir bald einen Standplatz am Fluss; Ende des ersten Tages auf unserer Extrarunde.


Die nächsten beiden Tage verbrachten wir in den Bergen. Fuhren jeweils von 9 bis um 17 Uhr und hatten noch 3 Straßensperren zu passieren. An allen mussten wir für einige Minuten warten und konnten dann weiter. Auf 2.300 Meter Höhe hatten wir bei zwei Sperren das Gefühl, dass die arme Dorfbevölkerung lediglich die Straße blockierte, um ein paar Pesos zu erfragen. Wir gaben immer etwas und hatten nie ein unwohles Gefühl. Es ging immer sehr ruhig und freudig zur Sache, obwohl wir auch Anzeigen wie Stacheldrahtrollen und verbrannte Autoreifen am Wegesrand sahen.
Die Straße 125 war traumhaft. Wir mussten lediglich über zwei Höhenzüge und sind dann immer auf den Bergrücken weiter ins Inland gefahren. Wälder, Halbwüsten, Agrarland und vereinzelt kleine Dörfer begleiteten uns an diesen Tagen.


In Puebla fuhren wir ein Teilstück unserer Route von der Hinfahrt und bogen dann in die Mexiko 150 ein. Wo wir vor ein paar Wochen Wolken hatten, strahlte an diesen Tagen die Sonne vom blauen Himmel. So kam es, dass noch 60 km vor Orizaba urplötzlich ein weißer Berg in den Himmel ragte. Wir sahen den Berg in der Ferne und nach 5 km verschwand er wieder, da wir durch ein saftiges Tal fuhren und später uns in Serpentinen wieder einen Berg emporwanden. Wir bedauerten das kurze Vergnügen und waren umso sprachloser, als er zum greifen nahe vor uns lag, als wir die Spitze des Berges erreichten. Der Pico de Orizaba, die höchste Erhebung Mexikos und der höchste Vulkan Nordamerikas stand vor einer einmaligen Kulisse. Direkt an der Grenze zum Bundesstaat Veracruz ging die 150 in 2 Kilometer um ca. 500 Höhenmeter in die Tiefe ins Tal. Die Serpentinen waren so eng, dass in jeder zweiten Haarnadelkurve der Verkehr auf die jeweils andere Straßenseite geleitet wurde. So hatten Lastzüge die äußere Bahn und konnten bergab weiter ausholen. Berghoch war dies egal, da man schneller den Berg hoch laufen könnte, als sich ein 40 Tonner dort empor gequält hat. Über dieser Szenerie wachte der eisbedeckte Berg, der Anblick war schlichtweg grandios. Als wir dies sahen konnten wir lachen und meinten der Umweg hätte sich rentiert. Glückshormone sind schon eine tolle Sache !








Letztes Mal wollten wir noch durch die Städte Orizaba und Córdoba, dieses Mal nahmen wir die Zahlstraße und blieben auf ihr durch den Bundesstaat Veracruz. Dadurch kamen wir zügig voran, hatten einen Abschnitt von 70 km ohne Topes! Das ist unser Rekord. Außer Sumpflandschaft sahen wir Ananasplantagen und natürlich hielten wir, um eine reife Frucht bei einer Straßenverkäuferin an der Autobahn zu kaufen. Kennt ihr doch sicherlich alle, die Kartoffelbauern auf der A8, oder nicht? In Mexiko wird auf dem Seitenstreifen (wenn im Schatten) der Pick up geparkt und dann werden dort Dutzende Früchte, in diesem Fall Ananas, ausgebreitet. Findet man überall.
Insgesamt verblieben wir für 260 km auf der Zahlstraße und mussten dafür 18 Euro zahlen. In nur 4 Stunden schafften wir mehr Strecke als an vielen anderen Tagen insgesamt. So verpassten wir fast unseren 60.000 gefahren Kilometer in Amerika!!! In Acayucan war es soweit. Haben jetzt schon doppelt so viele Kilometer hinter uns, als die Panamericana auf ihrer kürzesten Route lang ist. Ganz schön bekloppt.

Am Tag darauf betraten wir den Bundesstaat Tabasco. Mit etwas mehr als 25.000 km² ein eher durchschnittlicher Bundesstaat am Atlantik mit vielen Feuchtgebieten und Trillionen Stechmücken. Auf unseren gedachten Route hätten wir den Bundesstaat im Süden gestreift, so fuhren wir einen Tag durch ihn hindurch. Hat man etwas verpasst, wenn man ihn nicht sieht? Wohl eher nicht. Die größte Stadt Villahermosa durften wir mit Pancho nicht durchfahren und zwei Polizisten stoppten uns als wir dies versuchten. Sie waren sehr hilfsbereit und konnten uns nur empfehlen nicht in der Peripherie der Stadt zu parken. In ihren Augen gab es keinen sicheren Platz, nur im Zentrum. Da dieses uns verwehrt blieb und wir nach 20 Minuten immer noch auf einer großen Kreuzung standen, gaben sie uns die Erlaubnis durch das Zentrum zu fahren. Sie erklärten den Weg, malten eine schöne Skizze und so waren wir in 10 Minuten durch die 350.000 Einwohner zählende Stadt. 30 Minuten später parkten wir, wie schon öfters, an einem Fußballfeld. Dort wurde fleißig gekickt und auch Blitz und Donner ließ die Fußballer in ihrem Elan nicht nachlassen. Als es regnete gesellten wir uns zu ihnen ins Freie. Warmer Regen bei 34°C fühlte sich wie duschen an.

Am nächsten Tag erreichten wir am frühen Nachmittag die Kleinstadt Palenque. Ganze 5 Tage benötigten wir um wieder mit unserer Routenplanung aufzuschließen. 1.370 km fuhren wir außen herum. Ca. 700 km wären es auf unserer Wunschroute gewesen, aber unterm Strich war es die richtige Entscheidung.

Heute ein Kommentar wie wir Mexiko erleb(t)en.

Kommentar 15: Lebensgefühl das durch den Magen geht
Für uns hat Mexiko Urlaubscharakter schon allein wegen den Temperaturen.
In Mexiko stört sich keiner an irgendwas, man kann tun und lassen was man will. Deshalb finden wir (fast) immer ein schönes Nachtlager für uns, auch direkt am Strand. Überall schallt lautstark Musik und keiner fühlt sich dadurch gestört. Den ganzen Tag schreien Lautsprecher auf fahrenden Autos Werbung durch die Straßen, oder informieren die Leute über irgendwas, manchmal bis spät in die Nacht. Überall wuseln die Menschen geschäftig durch die Straßen und abends wird dort kurzerhand zur Livemusik getanzt und gelacht. Mexikaner mögen es farbig: Knallbunte Häuser, vielfarbige Kleidung, Fliesen und Kacheln, Autos die aus Ersatzteilen unterschiedlicher Herkunft und Farbe bestehen und vieles mehr. Die einladenden Kolonialstädte mit ihren Marktplätzen und das pure Leben welches hier zu spüren ist, laden zum verweilen ein. Die Städte haben einen südländischen Flair und die Menschen leben auf der Straße und strahlen Zufriedenheit und pure Lebensfreude aus. Dies steckt an!
Überall kann man Kleinigkeiten Essen und Trinken. Die Auswahl an Essen ist immens groß und dass, obwohl meistens die Auswahl der Gerichte an Ständen bzw. Lokalen eher gering ist. Hauptsächlich besteht die mexikanische Küche aus Tortillas, das sind aus Maisteig hergestellte „Pfannkuchen“. Diese Tortillas gibt es als Brotersatz zu jedem Essen, oder werden gefüllt mit Fleisch, Käse, Salsa usw. Wir lieben das mexikanische Essen, was nichts mit den mexikanischen Restaurants in Deutschland gemein hat. Es lohnt sich mittlerweile preislich nicht mehr selbst zu kochen und man findet sowieso in jedem noch so kleinen Dorf einen Taco- und Bierstand. Was will man mehr. Das Menü des Tages zur Mittagszeit mögen wir besonders. Es gibt jedes Mal irgendetwas was wir noch nicht gegessen haben, immer mit einer Suppe und einem Dessert. Es ist unglaublich wie viele verschiedenen Varianten wir bereits probiert haben.
Für Getränke und interessanterweise Eis gilt das gleiche. In jedem Dorf findet man beides. Getränke (neben Wasser und allen Erfrischungsgetränken) sind zum einen Milchgetränke mit Früchten (gemischte oder solo), oder frisch gepresste Säfte mit Eis verdünnt. Limette, Orange, Drachenfrucht und Hibiskus (als herber Tee) sind unsere Favoriten. Oder man lässt sie sich mischen wie Ananas und Limette... ein Traum.
Eis im Laden, oder von fahrenden Händlern auf der Straße verkauft, ist immer sein Geld wert. Am Stiel gibt es alle Fruchtsorten in natura, mit Milch oder Sahne. Manche mit Schokoglasur und Nüssen. Als Kugeleis gibt es ähnlich wie bei uns verschiedenste Varianten und Kombinationen. Mit Wein, Käse, Kuchen & jeden Geschmack. Erdbeereis am Stiel mit Milch oder natura, bei dem Erdbeeren einfach zerstoßen am Stiel eingefroren werden ist der Hammer.
Mexiko fühlt sich richtig gut an .

Wir freuen uns auf Besichtigungen,
die Kilometerschrubber