Donnerstag, 24. November 2016

Masaya und Granada (05.10.2016 - 10.10.2016; aktueller Standort: Isla Colón, Bocas del Toro)

Aktuelle Info: Wir treiben unser Unwesen in Panama...

Playa El Velero blieb auch am Morgen verlassen und nach einer Rund am Strand und einer Abkühlung brauchten wir nur 45 Minuten bis zum nächsten Strand an dem wir blieben (Kartenlink).

Pochomil war ein kleines Dorf am Pazifik mit ganz viel Sand. Bei Ebbe war der Strand locker 100 Meter breit und verlief weit über die Grenzen der letzten Häuser hinaus. Zufall oder ein entwickeltes Gespür für gute Stellplätze brachte uns den einzigen öffentlichen Zugang abseits der Strandlokale ein. Pancho parkte für eine Nacht neben einem Hotel, den umwerfenden Strand in Reifenweite. Außer baden und faulenzen gab es nicht viel spannendes an diesem Tag.
Da die Hitze am Morgen erträglicher war nutzten wir die Gunst der Stunde und liefen los. Nach 6 km und keinem Haus mehr weit und breit drehten wir um. Wir sahen noch ein sehr weites Stück der Küstenlinie und der Strand blieb ihr treu. Das Salz des Schweißes gegen das des Meeres getauscht und wir verließen den Glutofen.



Wir steuerten wieder ins Landesinnere und bekamen um den Vulkan Masaya sogar etwas Regen. Eine Wolkendecke lag über der Region und die Parkverwaltung ließ deshalb niemanden ein. Die entweichenden giftigen Dämpfe können nicht abziehen und daher ist die Gefahr einer Erstickung nicht von der Hand zu weisen. Wir wollten nicht ins Zentrum der 200.000 Einwohner Stadt und besichtigten stattdessen eine Festungsruine über der Stadt. Wie sich herausstellte war das Fort sehr klein und kaum noch intakt. Die Außenmauer stand noch und die wenigen Besucher nutzten diese um ein paar Fotos von der Umgebung zu machen. Bei klarer Sicht hat man von der Fortaleza de Coyotepe sicher eine fantastische Sicht. Den Masaya sahen wir nicht, den See am Fuße des Vulkans aber schon. Dafür ragte im schlechten Licht ein anderer Vulkan in die Höhe. Der Mombacho, der Hausvulkan der Vorzeigestadt Granada. Danach fuhren wir wieder aus der Stadt heraus und in den ersten Vorort ein. Nindirí hieß das kleine Kaff und wir fuhren direkt an den Platz und der Dorfkirche. Dutzende Menschen hielten sich am parkähnlichen Dorfplatz auf und wir fanden vier Parkbuchten direkt vor der Kirche, wahrscheinlich im realen Zentrum der Gemeinde. Wir wussten nicht so recht ob wir uns da hinstellen konnten und fragten auf der ersten Bank mit 3 Herren nach. Klar wäre das kein Problem und auch über Nacht könnten wir sorgenfrei dort parken. Also rollten wir vorsichtig los, unter dem wachsamen Blick der Polizei. Ich hatte gerade erst eingeschlagen als der erste Beamte stramm auf uns zueilte. War wohl doch ein Problem. 2 Meter vor uns blieb er stehen und winkte uns ein. Deshalb sein einschreiten, um mir auf einen leeren Platz die Parkbucht zuzuweisen. Da er schon einmal da war stellten wir uns vor und fragten ob wir hier nächtigen könnten. Perfekter Ort, Polizei die ganze Nacht. Er sagte es gäbe gratis Internet, was stimmte und empfahl und ein kleines Lokal für ein preiswertes und herzhaftes Essen. Auch da behielt er voll und ganz recht. Er kam, als wir mit einem Buch im Park saßen, auf einen Plausch vorbei und er war ein sehr netter Herr. Von ihm erfuhren wir schon, dass alle Wanderwege am Vulkan Masaya gesperrt waren. Wieder nichts mit wandern.


Als wir erwachten war schon hektische Betriebsamkeit. Eine Radveranstaltung fand an diesem Freitag statt und Pavillons und Buden wurden um 6 Uhr aufgebaut. Die ersten Radler fanden sich auch schon ein und bei strahlendem Sonnenschein schlürften wir unseren Kaffee und verstauten alles wie an jedem Morgen.
Bis zum Nationalpark des Vulkan Masaya waren es danach nur 10 Minuten.
Der Masaya ist der aktivste Vulkan des Landes und noch im September war der Park während ein paar kleinen Gaseruptionen für einige Tage gesperrt. Aus diesem Grund waren die vielen Wanderwege nicht zugänglich und nur die direkte Zufahrt zum Hauptkrater (hat insgesamt 4) fürs Publikum geöffnet. So blieb uns nur Pancho durch die alten Lavafelder zu lenken und den 635 m hohen Vulkan im Galopp zu erstürmen. Naja oder so ähnlich. Da aus dem brodelnden Magmakessel so viele Dämpfe aufstiegen war die Besuchszeit auf 15 Minuten limitiert. 3 Euro zahlten wir tagsüber, 10 € am gleichen Abend und bekamen ein unvergessliches Erlebnis. Die Lavalandschaft mit den unterschiedlichen Vegetationen, die je nachdem wie lange die Lava an dieser Stelle schon erkaltet war von Flechten bis Bäumen reichte und der Santiago-Krater mit seinen unterschiedlichen Schattierungen waren schon beeindruckend, aber die Magma im Inneren des Vulkankraters zu sehen war der Hammer. Wir konnten Magmablasen platzen sehen und die verschiedenen Hitzezonen anhand ihrer Farbe erkennen. Diese reichten von gelb-orange bis tief rot. Und dann erklang auch schon die Trillerpfeife und wir mussten das Feld, bzw. den Krater räumen. Wir schwärmten pausenlos und wollten nach so viel Hitze diese in Thermalquellen abkühlen. Es dauerte einige Zeit bis wir sie fanden, nur um dann zu hören dass sie zur Zeit kein Wasser führten. Nun gut besuchten wir halt doch die Stadt Masaya und wussten danach warum wir nicht erpicht waren sie zu sehen. Sie hatte überhaupt keinen Reiz. 2 Sachen fanden wir aber doch. Einen schönen kurzen Uferweg an der Masayalagune mit Blicken auf den Vulkan und unser erstes Faultier. Es handelte sich um ein Zweifinger-Faultier und schlummerte in einer Baumkrone direkt auf dem Hauptplatz der Stadt. Uns wurde erzählt es lebe schon seit 8 Jahren auf diesem Baum und war eines Morgens einfach dort. Woher es kam weiß niemand, denn sonderlich grün war dieser Stadtkern nicht. Uns war es egal und dem Faultier auch, da sind wir uns sicher. Es lag dort oben und als wir über einer Stunde wieder vorbeikamen hatte es seinen Kopf um ein paar Grad gedreht. Alle Achtung am helllichten Tag .







Um 17 Uhr reihten wir uns in die Autoschlange ein, um den Masaya bei Nacht zu besuchen. Zwei Stunden später waren wir dann oben (nur weil wir warten mussten, die Fahrt dauerte nur 10 Minuten) und konnten das faszinierende Schauspiel beobachten. Rotes Leuchten sahen wir schon von weitem und im Krater blubberte die Magma weiterhin fröhlich vor sich hin. Wir hatten wieder eine Viertel Stunde und stierten wie gebannt in die etwa 1.000°C heiße Masse unter uns. Mehr gibt es nicht zu sagen. In Guatemala waren wir kurz davor Magma in einem Vulkan zu sehen (Vulkan Pacaya) und jetzt hatten wir dies zweimal an einem Tag. Da machte es uns auch nichts aus direkt vor dem Parkeingang unter Bäumen zu nächtigen.






Granada wurde wie León im Jahre 1524 gegründet und befindet sich wie León ebenfalls am Fuße eines Vulkans. Aber anders als das liberale León wurde Granada (konservativ) vom Vulkan Mombacho verschont und erstrahlte als wichtigste Kolonialstadt des Landes, da sie über den Nicaraguasee und dem Fluss San Juan direkten Zugang zur Karibik hatte und somit mit Spanien. Was die Natur nicht schaffte, vollbrachte der Mensch. Granada wurde mehrere Male von Piraten geplündert und 1856 im Auftrag vom verfeindeten León in Schutt und Asche legen lassen. Nur einem Restaurierungsprogramm ist zu verdanken, dass das alte Flair wieder in Granada erstrahlt.
Wir erreichten die 130.000 Einwohner Stadt, die direkt am Nicaraguasee liegt, nach nur einer Stunde Autofahrt. Der Verkehr war überraschend überschaubar und schnell befanden wir uns im Zentrum. Wir steuerten einen kleinen Park 900 Meter vom zentralen Platz an und fanden uns dem Eisenbahnmuseum gegenüber. Wenn dies kein guter Ort für unseren Gefährten war. Die Lage war perfekt. Wir benötigten nur wenige Minuten und befanden uns im Herzen der fotogenen Stadt, nachts war dafür auf dem kleinen, bebaumten Platz nichts los und dementsprechend friedlich war es.
Wir folgten der großen Avenida und erkannten sofort die Schönheit der Stadt. Große alte Prachthäuser wechselten sich mit kleinen knallbunten einfachen Unterkünften ab. Es wurde gekauft und gefeilscht, Kaffee oder Kakao in schicken Lokalen oder Straßenbuden getrunken, Bier auf der großen Barstraße in Richtung See vernichtet und die Parks, vor allem der zentrale vor der Kathedrale, zu einem Schwätzchen unter Bäumen genutzt. Und besonders hatte man eins; viel Zeit. Wir mischten voll mit und besuchten diverse Kirchen und natürlich die in grellem Orange erstrahlende Kathedrale. Von innen war sie hübsch, aber nicht so anziehend wie von außen. Knallige, wie alles in Granada, Deckengemälde wurden während unserem Besuch angebracht und alte Motive wurden jung und frisch interpretiert. War etwas anderes. Granada hatte weniger marode Bauten wie León und es machte einfach Spaß über die Kopfsteinpflaster zu schlendern und Straßenzug um Straßenzug zu erkunden. Bei passendem Wetter konnte jedes Haus für ein Motiv herhalten. Wir wurden in ein privates Haus eines ehemaligen Kaffeebarons eingeladen, weil wir durch die Gitterstäbe spitzen, durften für einen Euro auf den Glockenturm der Ingelsia de La Merced von dem man einen grandiosen Blick über die Dachziegeln der Stadt hat und die Kathedrale als orangen Klecks vor dem meerartigen Nicaraguasee sieht und liefen am zweiten Tag zum Hauptfriedhof etwas außerhalb des Zentrums. An dem Tag durchschritten wir die Randbezirke der Innenstadt und wo dort die Häuser Farbe und Prunk versprühten, war hier die Armut in einfachen Hütten allgegenwärtig. Die Kontraste auf so kurzer Entfernung machen die Städte in Mittelamerika aus. Der Uferpark war enttäuschend und auch die Barmeile war überteuert. Zwei Parallelstraßen davon entfernt und die Kneipen waren mit Einwohnern bevölkert, die drinnen ihr Bier tranken und sich draußen Grillfleisch mit Salat und einen Berg frittierter Bananen holten. Dort gesellten wir uns dazu.










Simones Fuß war vollständig verheilt und so wollten wir zum Vulkan Mombacho zum wandern, aber die Informationen die wir erhielten ließen uns lieber in Granada verweilen. Der Parkeintritt dieses Nationalparks war als einziger richtig teuer (15 Euro pro Person) und ohne Führer ging gar nichts. Der wollte nochmal 15 Euro pro Person und für die komplette Tour sogar noch mehr. Nö da gaben wir das Geld lieber in den Straßen aus, kauften lecker im Markt ein und besichtigten eine Künstlerinitiative. Immer wenn die Sohlen qualmten ließen wir uns zu einem Kaffee oder Fruchtsaft nieder und am Abend versuchten wir eine andere Eckkneipe mit lauter Musik. Nach 2 Nächten am Eisenbahnmuseum brachen wir am Montag Vormittag wieder auf. Wir überlegten noch einen Tag zu bleiben hatten aber nur noch eine Woche Zeit. Wir gerieten unter Zugzwang .
Granada war eine tolle Stadt, fotogener als León, anders in seiner Erscheinung aber für uns nicht attraktiver. Spätestens jetzt wurde uns klar wir schön wir auch León fanden.










Wer die Karte bemüht wird feststellen wie nah alles in Nicaragua um die Hauptstadt Managua liegt. Von Granada bis zum Apoyo-Kratersee waren es auch nur wenige Kilometer. Beschrieben als Naturwunder, wunderten wir uns wie wir denn ans Wasser kommen sollten. Es gab nur eine kleine Zufahrtsstraße und am Kratersee nur Privathäuser. Kein Wunder, dass die Natur noch unberührt ist, denn der Zugang war sehr limitiert. Wir planten hier eine Nacht ein, verwarfen den Gedanken aber sogleich wieder als wir eine krumme unebene Stelle fürs parken nutzten. Dort war es zum Parken in Ordnung, aber mehr auch nicht. Wir schlugen uns durch die Büsche und schwammen im klaren sauberen Wasser. Nach einem „krummen“ Mittagessen fuhren wir den Krater wieder empor und blieben auf dessen Rand bis wir in ein kleines Dorf gelangten. Catarina ist für seinen Aussichtspunkt bekannt, der sich hoch oberhalb des Apoyo-Kratersees befindet mit Blick auf den Mombacho, Granada und dahinter dem Nicaraguasee. Für 2 Dollar durften wir auf die Aussichtsplattform und der Parkwächter fragte uns sofort ob wir für die Nacht stehen bleiben wollen. Können wir? Na klar und kostete nichts extra.
Ich zog meine Wanderschuhe an und lief auf einen kurzen Weg 3 Kilometer durch den Wald. Den See und Vulkan sah ich so gut wie nie, dafür aber jede Menge Kolibris und Kapuziner- und Brüllaffen. Beim Sonnenuntergang waren noch ein paar Besucher vor Ort, danach leerte sich der Parkplatz ganz schnell. Friedliche Ruhe und Nebel senkte sich über Catarina.




Vom Mirador,
die mit dem Weitblick