Mittwoch, 22. Februar 2017

Bis zum Panamakanal (26.12.2016 - 31.12.2016; aktueller Standort: Villa de Leyva, Boyacá)

Wir ließen die Terpel-Tankstelle hinter uns und fuhren weiter nach Süden. Bevor wir links abbogen blieben wir wieder etliche Kilometer auf der Panamericana (Kartenlink).

Wir bogen ab und folgten einer sehr schmalen Straße für 68 km und blickten endlich auf 750 m über Normalnull auf El Valle de Antón. Hört sich spießig an und war es auch, aber dafür hält diese Kleinstadt einen weltweiten Rekord. El Valle, so die Kurzform, liegt in einem gigantischen erloschenen Vulkankrater, der irgendwann zwischen 1,5 - 3 Millionen Jahren entstanden ist. Was machen da schon ein paar Jahre aus...
Wir lasen er sei angeblich der zweitgrößte Vulkankrater der Welt. Ob dies stimmt können wir allerdings nicht belegen, aber was Fakt ist, er ist der größte besiedelte Krater weltweit. Ca. 7.000 Menschen leben in der Kleinstadt El Valle, umgeben von einer Mauer aus Fels. Am Fuß des Berges hatten wir strahlenden Sonnenschein, nun am frühen Nachmittag hingen Wolken über den Bergen und dem Krater. Später regnete es auch noch und da wir an einem Aussichtspunkt am Kraterrand parken konnten, wollten wir einfach warten bis das Wetter sich besserte. Diesen Gefallen tat es uns nicht und so verweilten wir dort oben. Der Wind peitschte über den Kraterrand und wir wurden ordentlich durchgeschüttelt. In den regenfreien Pausen gingen wir immer ein paar Meter am Rand entlang und erhaschten schöne Blicke auf die Stadt, auf senkrechte Felswände direkt unter uns und auf 4 Tukane. Als der Sonnenuntergang vorüber war, verließ das letzte Auto den Aussichtspunkt und wir hatten die Nacht für uns alleine. Abgesehen vom Wind und dem sporadisch einsetzenden Regen.




Gut ausgeruht und mit Kaffee geputscht gingen wir auf Wanderschaft. Wir ließen Pancho parken wo er war und hatten keine Bedenken, dass irgendwas passieren könnte. Auf unserem GPS-Gerät fanden wir den Einstieg in eine Wanderung in 400 Metern Entfernung und der Weg auf der „La India Dormida“ (Die schlafende Indio), einem Teil des Kraterkamms der aus der Entfernung wie eine schlafende Frau erscheint, zählte zu den schönsten Routen um El Valle de Antón. Ohne jeden Weg gesehen zu haben, dieser war wirklich großartig. Es gab viele Trampelpfade durch das hohe Gras und wir konnten wählen welchen wir gehen wollten. Den 30 cm von der Kante entfernt, wo ein Fehltritt einem Köpfer aus z.T. 100 Meter Höhe bedeutet hätte, den der ein paar Meter entfernt davon über Stock und Stein ging, den der immer jeden steilen Hang hoch und runter ging, oder den der einen Bogen um diese Hänge schlug. Und immer im Blick der massive Krater zur einen Seite, der immer wieder neue Einblicke bot, und das weite abfallende Land zur anderen Seite, der von der wir anreisten. Dies bei Sonnenschein und nur vereinzelten Wolken und ich glaube jeder kann sich vorstellen, dass wir eine Menge Freude an dieser Tour hatten. Auf der Stirn der schlafenden Schönheit rasteten wir und als der Weg dann ins Tal hinab geführt hätte, kehrten wir um und liefen die Route wieder zurück. Auf anderen Pfaden, denn es gab wie gesagt reichlich davon.
Pancho stand wie wir ihn zurückgelassen hatten und nach einem Mittagessen fuhren wir die steilen Serpentinen hinab in den Kessel. In Richtung Zentrum unterwegs, kamen uns plötzlich Barbara und Hannes in ihrem Ford entgegen. Sie hatten die andere Zufahrtsstraße gewählt und waren erst angekommen. Wir blockierten die Straße und hielten einen Plausch und schwärmten von der Wanderung und da sie noch auf der Suche nach einem Stellplatz waren, disponierten sie um und fuhren hoch zum Aussichtspunkt und taten das gleiche was wir getan hatten. Zum Abendessen verabredeten wir uns in eine der vielen Pizzerien. Wir wussten nicht so Recht wohin mit uns und fanden im Zentrum keinen schönen Fleck, aber die Kirche und die hatte an einer ihrer Längsseiten wunderbar viel Platz. Es parkte ein Auto dort und wir stellten uns einfach daneben. Als wir uns fertig machten sahen wir einen Herrn, der wie ein Geistlicher mit anderen Passanten sprach. Wir fingen ihn ab und fragten, ob wir vor seiner Kirche stehen bleiben könnten. Solange wir wollten, nur nicht um 7 Uhr samstags und sonntags. Dann brauchen seine Gläubigen die Parkmöglichkeiten. Super war uns nur Recht, zentrale Lage und Beistand von oben.
Die Hauptstraße war sehr unattraktiv, aber die Seitenstraßen waren ruhig und mit Prachtbauten gespickt. Eine Straße hieß sogar Avenue der Millionäre und ich glaube es war die längste Straße im Ort. Eine Villa größer als die andere, jeglicher Baustil war vertreten und die Anwesen waren ein Traum aus grün. Überall blühte es, uralte Bäume spendeten Schatten, Teiche und Alleen waren integriert. Dazwischen schwirrten Kolibris und kleine Papageien. Sehr schön anzuschauen, wobei die meisten Häuser nicht unseren Geschmack fanden, aber das Ambiente als solches. Wir waren von den Preisen im örtlichen Supermarkt schockiert und flüchteten aus diesem mit einem Eis in der Hand. Oder wer würde behaupten, dass 6,50 Euro für ein Kilo Paprika günstig wären? Oder 5 Euro für ein Kilo Äpfel?
Nach ein paar Stunden in den Straßen gingen wir zum Abendessen mit den beiden Mittelfranken. Die Pizzen waren nur mäßig, dafür mit 10 Euro ordentlich happig. Hannes hatte uns neben der Kirche parken sehen und sich neben uns gestellt. Dorthin, zwischen unseren Autos verschlug es uns nach dem Mahl. Wir packten die Stühle aus, der Tisch wurde ausgebreitet, Bodo durfte springen und wir blieben dort bis Mitternacht sitzen.








Frühs beratschlagten wir was wir unternehmen wollten und ließen die Karren wo sie waren. Wir liefen einen anderen Wanderweg hoch auf einen der Gipfel in der Kraterwand. Der Weg verlief durch Wald und war streckenweise sehr steil. Als wir die Bäume hinter uns ließen und auf dem letzten Kilometer bis zum Gipfel waren, wanderten wir wieder durch sich wiegendes Gras und die Blicke reichten bis zum Pazifik. Der Ausblick vom Gipfel in den Kraterkessel war atemberaubend! Von diesem Punkt konnte man fast jeden Teil des Kraters einsehen.
Nach einer kurzen Brotzeit und einem letzten Blick ging es wieder nach unten. Die beiden wollten anschließend an eine Badestelle an einem Fluss fahren, wir nahmen lieber unsere Badesachen und gingen in ein Thermalbad unter freiem Himmel. In lauwarmen Wasser sitzend kam kaum Begeisterung auf und so suchten wir bald wieder das Weite, kauften ein paar saftige Koteletts, Salat und Gemüse auf dem Bauernmarkt. Danach fuhren wir im 2. Gang wieder hoch zum Aussichtspunkt, denn dort in einer winzigen Kiesgrube warteten schon Hannes und Barbara auf uns. Bodo nicht zu vergessen, der jedes Mal mit Freuden auf uns zugestürmt kam. Wir versuchten Pancho so zu platzieren dass wir etwas Wind abhalten konnten, aber der blies noch stärker als zwei Tage zuvor und kam von überall. Hoffnungslos und trotzdem schafften wir es zu grillen und eine pechschwarze Nacht mit einem Bier in den Händen zu genießen. Es war wieder kurz vor Mitternacht als wir zusammenräumten. Die Nacht wurde jedoch sehr wackelig und unruhig. Nicht wegen zu viel Alkohol, sondern da der Wind durch die Kiesgrube pfiff, als hätte er Puste-Verbot für die nächsten 3 Wochen. Die beiden anderen hatten eine schreckliche Nacht, da ihr Fahrzeug leichter, aber nur geringfügig kleiner war und nur auf normalen Reifen stand. Sie sind durchgeschaukelt worden wie auf hoher See.








Am Morgen besuchten wir vier Erwachsene und Hund Bodo ein eher lächerliches Marketing Ziel. El Valle de Antón ist nicht nur berühmt dafür die Stadt zu sein, die in einem riesigen Vulkankrater liegt, sondern auch wegen seinen quadratischen Bäumen. Es gibt wirklich quadratische Bäume, kein Scherz. Hinter einem Hotel begann ein kurzer Rundweg durch einen Wald und dort würden sie stehen die sagenhaften Bäume, die keinen runden Stamm haben. Ein Führer sprach uns an, ob wir seine Dienste wollten, aber wir dankten und liefen weiter. Vielleicht hätten wir ihn gebraucht um die vielen Bäume zu finden. Wir fanden genau zwei quadratische Bäume, auf die große pfeilförmige Schilder hindeuteten. Sonst wäre wahrscheinlich jedermann an ihnen vorbei gelaufen. El Valle hat uns wegen seiner Natur wirklich gut gefallen, aber diesen Hokuspokus um ein Paar Bäume verstanden wir dann nicht.
Danach trennten sich unsere Wege wieder. Wir steuerten den kleinen Zoo an, der aber von außen sehr verwahrlost erschien und dafür dann viel zu teuer war und machten uns sogleich auf den Weg über den Kamm und runter an den Pazifik. Barbara und Hannes wollten noch einen weiteren Tag in der Umgebung verbringen.
Landschaftlich wieder sehr reizvoll ging es bergab. Kaum waren wir auf der Hauptroute wurden es mehr und mehr gehobene Wohnsiedlungen. Es gab große Einkaufszentren und alle Fastfood Ketten waren vertreten. Wir hielten an einem Supermarkt und packten den Kühlschrank wieder voll. El Valle war dafür zu teuer. An den Strand durften wir dort nicht, da alles nur private Siedlungen und Resorthotels waren. Ein Einheimischer erklärte uns den Weg zum nächsten öffentlichen Strand, aber der war, wahrscheinlich weil er öffentlich war, sehr unattraktiv. Also ging es weiter und wir hatten ein letztes Ziel auf dem Programm bevor wir Panama-Stadt erreichten. Punta Chame. Diese kurze Landzunge stand bei uns im Reiseführer gar nicht drin und wir erfuhren von ihr erst während der Fahrt. Schon die Anfahrt war toll. Erst mussten wir um einen fantastisch aussehenden Berg herum und dann ging es durch ein Schutzgebiet. Lagunen, Mangroven, viele Vögel und gelbe Blumen die zwischen den Wiesen standen. Wir sahen eine Möglichkeit auf einen Sandstreifen zu fahren und verwarfen sie wieder, da die Zufahrt mit Bauschrott aufgefüllt war. Dann kamen wir an eine Stelle, die nur 20 Meter breit war. Links war das Wasser direkt neben der Fahrbahn und rechts lagen ein paar Bäume, ein wenig Strand und eine Lagune. Dann kamen wenige Parkbuchten neben dem Wasser und wir wählten die letzte, drehten noch damit die Tür auf das Wasser zeigte und hatten nun vor uns die große Bucht, die von der Landzunge gebildet wurde und hinter uns unseren eigenen weißen kleinen Sandstrand mit Palmen. Dazu einen heftigen Wind, denn Punta Chame ist DER Ort für Kitesurfer in Panama. Wir fanden den Platz einfach nur spitze. Wir hatten noch genug Zeit und verbrachten diese im Freien und mit lesen. Der Sonnenuntergang war wie die Örtlichkeit ein Traum, versank doch die Sonne dort direkt hinter dem riesigen Berg und tauchte die Bucht in einen rötlichen Schein. 2 Kitesurfer zogen ihre Bahnen genau vor unserem Parkplatz und setzten dem ganzen das I-Tüpfelchen auf . Dank Wind war die Stauwärme schnell vertrieben und Pancho schaukelte uns wieder in den Schlaf.





15 Minuten Fahrt und wir standen am Ende der Landzunge. Dort gab es eine enorme Freifläche und 100 Wohnmobile hätten dort parken können. Die Ortschaft war zum vergessen, aber der weiße Sand, das blaue Meer und in weiter Ferne im Dunst die Wolkenkratzer von Panama-Stadt gaben der Landzunge eine besondere Note. Wir liefen den Strand ab und sahen vielleicht 2 Dutzend Surfer mit ihren Lenkdrachen. Wir wollten dort die Nacht verbringen und fanden sogar freies, sehr schnelles Internet von einem Hotel nur 200 Meter weiter und mussten dann leider, wegen der Schwüle nach einem kurzen Regenguss, diesen Platz den Rücken kehren. Wir gingen schnell baden und bis wir in unserem Wohnzimmer standen waren wir wieder Schweiß verklebt. Wenigsten hatten wir vorher einen Blog online setzen können und den Strand erkundet. Da der Wind mit dem Regenguss verebbte, verschwanden auch die Drachen am Himmel. Moskitos kamen und wir räumten alles schleunigst weg und fuhren wieder zurück zu der Stelle vom Vorabend. Wir hofften dort auf Wind und wurden nicht enttäuscht. Er blies genauso konstant wie 24 Stunden zuvor und auch sonst war der Platz noch genauso ansprechend. Wir bekamen von zwei Personen Besuch, da sie uns die vorherige Nacht dort parken sahen und waren, wie so viele, von Pancho begeistert. Dann kam der Sonnenuntergang und wir kochten uns was leckeres zu Abend. Ein weiterer schöner Tag in Panama ging zu Ende. Würden wir einen Reiseführer schreiben, würde Punta Chame sicherlich erwähnt werden.





Es war der letzte Tag im Jahr. Am 31.12 ging es auf nach Panama-Stadt. Wir fuhren vormittags 2 Stunden und konnten den dichter werdenden Verkehr nicht übersehen. Die Tankstellenhäufigkeit schnellte nach oben. Da wir noch viel Zeit bis zu unserer Silvesterparty hatten, bogen wir kurz vor der Stadtgrenze in ein Wohngebiet ab, welches uns als Zubringer zum Strand von Veracruz dienen sollte. Aus Absicht erkundeten wir mögliche Parkoptionen, denn wir wussten ja nicht wie uns die Metropole empfängt. Schon in dem Wohngebiet, welches in weiten Teilen verfallen war, aber dazwischen sehr schicke Häuserreihen aufwies, fanden wir Möglichkeiten en masse. Viele unbebaute Grünflächen weit abseits der Straße wurden geistig notiert. Dann kam eine kleine Schranke und jedes Auto durfte hindurch. Wir natürlich nicht, denn 3 Meter Land waren Privatbesitz und wir mit einem Lkw zu schwer. Es war das Ende der Straße und wir wollten nur auf die Hauptstraße einbiegen, aber nein keine Chance. Wir standen 3 Meter vor dieser Straße, auf einer bestens asphaltierten Straßendecke und konnten die Gesichter in den vorbeifliegenden Autos erkennen, aber wir mussten umdrehen und fast 20 Kilometer extra fahren. Wir passierten die Schranke von der anderen Seite und sahen wieder Auto um Auto durchfahren und grummelten nur. 10 Minuten später standen wir am Strand von Veracruz. Keine Schönheit, oder vielleicht wäre es eine, wenn nicht jedermann seinen Müll ablegen würde wo es ihm passt. Wir futterten etwas und marschierten kurz zu einer vorgelagerten Insel und sahen viele ankernde Frachter, die auf ihre Durchfahrt durch den Kanal warteten. Auf dem Rückweg mussten wir uns eilen, denn die Flut bescherte uns bereits nasse Füße. Auch dort hätten wir problemlos parken können und auch an diesem (Bild siehe unten) Aussichtspunkt auf die Skyline und die Brücke über den Panamakanal. Es war Ebbe und trotzdem, vor uns lag die Einfahrt in den weltbekannten Kanal bzw. Ausfahrt in den Pazifik.
Die Brücke querten wir bald darauf, aber was wir genau genommen erst in Panama-Stadt erfuhren: Diese vierspurige Brücke über den Panamakanal, die Puente de las Américas, verbindet Nord- mit Südamerika! Das traf uns wie ein Paukenschlag. Nicht die Ländergrenze zwischen Panama und Kolumbien bildet die geographische Trennlinie, sondern die schmalste Stelle Panamas.





Das Kapitel Nordamerika ist für uns in wenigen Minuten Geschichte, Südamerika wird sogleich aufgeschlagen und doch sind wir immer noch in Zentralamerika. Komische Sache!

Auf in die Großstadt, auf in die Silvesternacht,
Simone:Stefan:Pancho